Frust im Emder Stadtteil  Die Nachfrage bei der Mieterberatung in Barenburg bleibt hoch

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 03.04.2024 06:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Berendine Bamminger (von rechts), Angelika Fein und Karl Acker beraten ehrenamtlich Menschen, die Fragen zu ihren Mietverhältnissen haben. Foto: Hanssen
Berendine Bamminger (von rechts), Angelika Fein und Karl Acker beraten ehrenamtlich Menschen, die Fragen zu ihren Mietverhältnissen haben. Foto: Hanssen
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In Emden ist der Wohnraum sehr knapp. Die Nachfrage nach Hilfe bei der Mieterberatung im Stadtteil Barenburg ist groß. Wir haben mit den Ehrenamtlichen der Beratung gesprochen - und bei der Stadt nachgehakt.

Emden - Die Nachfrage bei der Mieterberatung im Emder Stadtteil Barenburg ist groß: Die hilfesuchenden Menschen kommen auch aus anderen Ortsteilen und sogar aus umliegenden Kommunen wie der Gemeinde Hinte. Die Probleme sind vielseitig, aber bei vielen Betroffenen offenbar extrem. Das sagen die drei ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater Berendine Bamminger, Angelika Fein und Karl Acker im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir könnten noch mehr Beratungstermine anbieten, zweimal in der Woche würden wir auch vollkriegen“, sagt Berendine Bamminger.

Viele Wohnblocks befinden sich in Barenburg. Foto: Hanssen/Archiv
Viele Wohnblocks befinden sich in Barenburg. Foto: Hanssen/Archiv

Der Stadtteil Barenburg mit seinen mehr als 7000 Bewohnerinnen und Bewohnern ist ein Sammelsurium an völlig unterschiedlichen Wohnformen. Aufgrund der vergleichsweise niedrigen Mieten in Teilen Barenburgs wohnen hier viele Alleinerziehende und ältere Menschen mit geringer Rente, sagt Angelika Fein. Es gibt Einfamilienhäuser, Reihenhäuser, Blocks und natürlich das als Glaspalast bekannte Hochhaus. Obwohl sich schon sehr viel zum Guten gewendet hat, sind einige Probleme hartnäckig: insbesondere der teils schlechte Kontakt zu großen Wohnungsbau- oder Vermietungsgesellschaften, die ihren Hauptsitz weit entfernt von Emden haben.

Wer ist der schlimmste Vermieter in Barenburg?

Die Wohnungsbaugesellschaft ZBVV mit Hauptsitz in Erlangen sei der schlimmste Vermieter aktuell, sagt Angelika Fein. Mieter bekämen teils ihre Kaution nicht zurück, einige Wohnungen seien längere Zeit ohne Heizung. Kaum ein Konflikt könne mehr ohne Anwalt geklärt werden. „Wir schreiben hin, aber es kommt keine Reaktion“, sagt sie. Das Problem kennt auch die Stadt Emden. Auf Nachfrage erklärt Stadtsprecher Eduard Dinkela: „Die Stadt Emden ist über teilweise schwierige Mietverhältnisse zwischen Mieter*innen und der ZBVV informiert und befindet sich dazu in der Abstimmung, ob und inwieweit eine Unterstützung der betroffenen Mieter*innen möglich ist.“

In Barenburg gibt es unterschiedliche Wohnformen: Reihenhäuser, Blocks, Einfamilienhäuser und ein Hochhaus. Foto: Hanssen/Archiv
In Barenburg gibt es unterschiedliche Wohnformen: Reihenhäuser, Blocks, Einfamilienhäuser und ein Hochhaus. Foto: Hanssen/Archiv

Dabei ist die ZBVV bereits eine Besserung zu der Situation von vor rund drei Jahren. Denn: Die ZBVV ist eine Tochtergesellschaft der ZBI Fondsmanagement GmbH aus Erlangen. Diese hatte nach zweijähriger Verhandlung mit der Stadt 486 Wohnungen von der Resi 6 GmbH erworben. Die Resi 6 GmbH ist eine internationale Immobilienkapitalgesellschaft mit dem Hintergrund eines chinesischen Staatsfonds, erklärte die Stadt damals. Man sei froh, dass sie Emden verlassen habe und die Wohnungen nun in der Hand einer deutschen Immobiliengesellschaft sei.

2017 begann mit dem Programm „Soziale Stadt Barenburg“ eine Sanierung von größeren Wohnungsbeständen in Emden. Der im Februar 2021 abgeschlossene umfangreiche Wohnungsbestandsverkauf in Barenburg sei ein „Meilenstein in der verbessernden Bestandssanierung“ in Barenburg, so die Stadt damals. Bereits vertraglich fest vereinbart wurden zwischen der Stadt und ZBI Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen in Höhe von bis zu zwei Millionen Euro. Laut der Mieterberatung haben sich die Probleme aber gehalten. Als „gute Vermieter“ bezeichnet das Team unter anderem die Selbsthilfe Emden und die Emder Bau und Boden GmbH (EBB).

Angelika Fein (von rechts), Berendine Bamminger und Karl Acker sind donnerstags für Mieterinnen und Mieter beim Treffpunkt in Barenburg für Beratungen zur Stelle. Foto: Hanssen
Angelika Fein (von rechts), Berendine Bamminger und Karl Acker sind donnerstags für Mieterinnen und Mieter beim Treffpunkt in Barenburg für Beratungen zur Stelle. Foto: Hanssen

Was sind weitere Probleme?

Kleine, günstige Wohnungen sind in Emden Mangelware. Hier konkurrieren Studierende, ältere Menschen mit geringer Rente, geringverdienende oder sozialhilfeempfangende Menschen miteinander. Auch die Stadt, die auf eine dezentrale Unterbringung von geflüchteten Menschen Wert legt, mietet viele Wohnungen an. Zuletzt waren insbesondere viele ukrainische Kriegsvertriebene auch nach Emden gekommen. Mittlerweile ist das aber deutlich weniger geworden. „Der Stadt Emden wurden seit Ende 2022 keine ukrainische Flüchtlinge mehr im nennenswerten Umfang zugewiesen“, schreibt Kerstin Snakker, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit und Soziales, auf Nachfrage dieser Zeitung.

Hintergrund sei die hohe Überquote des Landes Niedersachsen, die dafür sorge, dass ukrainischen Flüchtlinge in andere Bundesländer verteilt werden. „Seither sind der Stadt Emden lediglich wenige Einzelpersonen aus der Ukraine vor dem Hintergrund der Familienzusammenführung zugewiesen worden. Diese kamen dann in den jeweiligen Wohnungen der Familien unter“, erklärt sie. Die Stadt miete seit etwa einem Jahr keine Wohnungen mehr für die Unterbringung von ukrainischen Flüchtlingen an. „Zu beachten ist hierbei auch, dass Geflüchtete aus der Ukraine seit 01.06.2022 Anspruch auf Bürgergeld haben und die Stadt Emden nach der Erstunterbringung nicht mehr für die Anmietung von Wohnungen verantwortlich ist“, so Snakker weiter.

Beim Treffpunkt im Stadtteil Barenburg gibt es ein unterschiedliches Angebot für Bürgerinnen und Bürger. Foto: Hanssen
Beim Treffpunkt im Stadtteil Barenburg gibt es ein unterschiedliches Angebot für Bürgerinnen und Bürger. Foto: Hanssen

Für die Unterbringung von Asylbewerberinnen und -bewerbern, also Menschen aus anderen Ländern, werde aber weiterhin Wohnraum gebraucht. Auf die Frage hin, ob die Stadt mehr Miete für Wohnungen zahlt und damit den Wohnmarkt durcheinanderbringt, erklärt Kerstin Snakker: „Bei der Anmietung der Wohnungen werden als Höchstgrenze die Angemessenheitswerte beachtet, die auch in der Sozialhilfe bzw. im Bürgergeld gelten (sog. maximal angemessene Kosten der Unterkunft und Heizung).“

Wie geht es weiter?

Die Mieterberatung in Barenburg will sich weiterhin für die hilfesuchenden Menschen einsetzen und als Vermittlerin zwischen Mietern und Vermietern agieren. Immer donnerstags von 17 bis 19 Uhr können Interessierte zur Beratungsstelle an der Heinrich-Heine-Straße 13 kommen. Sechs bis acht Personen oder Familien beraten die Ehrenamtlichen meist pro Termin, sagen sie. „Wir können oft auch helfen“, sagt Angelika Fein. Es gebe also nicht nur Frust, sondern auch „gute Fälle“ und viel Dankbarkeit von den Menschen, die sie beraten. „Das sind Erfolge, an denen man sich festhält“, sagt Berendine Bamminger. Auch wenn die Mieterberatung die Stadt Emden teils kritisiert, betonen die Ehrenamtlichen: „Wir wollen ein besseres, engeres Verhältnis zur Stadt.“

Die Stadt Emden ist ebenfalls versucht, das Problem des Wohnraummangels konkreter anzugehen. In zwei Workshops sollen mit Ratsvertretern, Vertretern der Beiräte, der hiesigen Immobilienunternehmen und nicht zuletzt des Aktionsbündnisses „Besser wohnen in Emden“ Leit- und Teilziele für ein soziales Wohnraumversorgungskonzept erarbeitet werden. „Wir haben einen sehr angespannten Mietwohnungsmarkt und wollen langfristige, konkrete Maßnahmen entwickeln“, sagte Stadtrat Volker Grendel Ende November 2023. Im Januar hat es einen ersten Termin gegeben. Zu diesem war die Mieterberatung Barenburg nicht eingeladen. Im April soll der zweite Termin folgen. „Sehr gerne lädt die Stadt zum nächsten Workshop auch die Mieterberatung Barenburg mit ein“, schreibt die Stadt dazu auf Nachfrage dieser Zeitung.

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