So schmeckt Ostfriesland  Ein Burger, der Sündhaftes und Frische vereint

| | 03.04.2024 12:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 8 Minuten
Hannis Imbiss in Detern – im Sommer kann man hier auch draußen sitzen. Foto: Leonhard
Hannis Imbiss in Detern – im Sommer kann man hier auch draußen sitzen. Foto: Leonhard
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Bei Fast-Food-Feinschmeckern hat sich Hannis Imbiss in Detern einen Namen gemacht. Zu Besuch in einem Schnellrestaurant, das mehr als eine Frittenbude ist.

Detern - Manchmal muss es einfach Fast Food sein. Ein solider Burger mit knusprigen Pommes, ohne Schickschnack. Eine prima Anlaufstelle für solch drängende kulinarische Bedürfnisse ist Hannis Imbiss in Detern. Hier muss man nicht reservieren. Es ist halt ein Imbiss. Wer möchte, kann sich aber natürlich trotzdem vorab einen Sitzplatz sichern.

Ein Blick in den Gastraum – lichtdurchflutet und einladend gestaltet. Foto: Leonhard
Ein Blick in den Gastraum – lichtdurchflutet und einladend gestaltet. Foto: Leonhard

An diesem Mittwoch gibt es gleich zwei Reservierungen. Eingedeckt ist für eine Gruppe von Handwerkern, die hier am Abend einen runden Geburtstag feiern wollen. Und ein Tisch am Fenster ist für mich hergerichtet. Ich habe meinen Besuch angekündigt und eine Zeit ausgewählt, zu der noch nicht so viel los ist. Damit ich meine Fragen auch loswerden und in Ruhe filmen kann.

Ein herzlicher Empfang

Ramona Hentrop nimmt mich direkt an der Tür in Empfang. Eine herzliche Frau mit zupackender Art. Sie ist die Tochter in Inhaberin Hannelore Klein, der „Hanni“ aus dem Imbissnamen. Jetzt, direkt um 17 Uhr zur Öffnung, ist es noch ruhig. Ramona ist schon ein Weilchen vor Ort, wie ich erfahre. Sie hat die Küche vorbereitet, das Fleisch, das frische Gemüse, die Soßen. Und hier kommt auch der Grund, warum ich Hannis Imbiss für diesen Beitrag ausgesucht habe: Hannelore Klein und ihr Team setzen auf Regionalität und Nachhaltigkeit. Ich habe schon von etlichen Fast-Food-Feinschmecker aus der Region lobende Worte für diesen Laden gehört.

Regionalität und Nachhaltigkeit – das schreiben sich dieser Tage viele auf die Fahnen. Hier wird es gelebt, so gut es eben in einem Schnellrestaurant geht. Kommt anderswo Fleisch aus industrieller Produktion aus dem Froster auf den Grill und in die Fritteuse, wird es hier täglich frisch eingekauft.

Frikadellen vom Fleischer des Vertrauens

Hannis Imbiss bezieht das Fleisch für Burger und Schnitzel, Wurst und Frikadellen von der Fleischerei Tuitjer im Ort, der Fleischerei meines Vertrauens. Bevor ich jetzt ins Schwärmen gerate über Tuitjer, fix wieder zurück in Hannis Küche. Auch die Brötchen – die Buns – für die Burger kommen von einem Betrieb, der sich mit seiner Qualität einen Namen gemacht hat: der Bäckerei Ripken in Augustfehn. Solide Grundlagen also.

Diese Qualität hat ihren Preis. Dem älteren Herrn, der auf die Schnelle eine Frikadelle bestellt, sind die drei Euro dafür zu viel. „Das geht anderswo billiger“, brummelt er mit dem Verweis auf die Frittenbude im Nachbarort. Ramona, wir sind inzwischen beim Du, lässt sich von den Stänkereien des Mannes nicht aus der Ruhe bringen. Sie klärt den Kunden über die Philosophie des Hauses und über die Herkunft des Fleisches auf. „Das gibt es anderswo nicht“, sagt sie selbstbewusst. „Probieren Sie einfach mal.“ Der Mann bestellt, lässt sich die Frikadelle einpacken und zieht von dannen.

Die Empfehlung für mich

Was soll ich denn nun bestellen? Was empfiehlt die Dame des Hauses? Ramona mustert mich. Und schlägt den Nacho-Burger vor. Die Chili-Cheese-Soße ist „scharf, aber nicht zu scharf“. Perfekt, so mag ich das. Der Burger wird bestellt. Mit Pommes.

Hier wird schlicht, aber geschmackvoll dekoriert. Foto: Leonhard
Hier wird schlicht, aber geschmackvoll dekoriert. Foto: Leonhard

Während Ramona mit der Zubereitung beginnt, unterhalten wir uns. Das geht hier super, die Küche ist für die Gäste einsehbar. Die Edelstahloberflächen sind blitzeblank, alles ist aufgeräumt und macht einen guten Eindruck. Ramona erzählt. Dass die Schnitzel für jede Bestellung frisch paniert werden, dass sie Freude am Anrichten der Teller hat, dass Salat zwar nicht auf der Karte steht, aber man auf Wunsch selbstverständlich auch einen Salat bekommen kann.

Routinierte Handgriffe am Grill

Die Patties für die Burger bestehen zu 100 Prozent aus Rindfleisch, wie ich dann erfahre. Jeweils 180 Gramm pro Portion, „manchmal auch ein bisschen mehr, wenn noch Reste zu verteilen sind“, sagt Ramona. Das wird alles von Hand abgewogen. Früher wurden die Patties auch von Hand in Form gebracht. Ein hoher Zeitaufwand. „Jetzt machen wir Smashed Burger“, sagt Ramona und setzt eine Kugel Rinderhack auf die Grillplatte. Die wird mit geübtem Schwung plattgedrückt – Smash! – und zischelt erstmal unter dem Gewicht vor sich hin.

Ramona Hentrop ist heute die Chefin am Herd. Hier „smasht“ sie das Rinderhackfleisch für den getesteten Nacho-Burger. Foto: Leonhard
Ramona Hentrop ist heute die Chefin am Herd. Hier „smasht“ sie das Rinderhackfleisch für den getesteten Nacho-Burger. Foto: Leonhard

Ramona schüttet die Pommes in die Fritteuse. Das Kesselhausburgerbrötchen wird geröstet. Alles mit routinierten Griffen. Die Handgriffe müssen sitzen, die Abläufe optimal abgestimmt sein. Ramona hat inzwischen Übung. Sie erzählt, dass sie schon in etlichen Imbissen gearbeitet hat. Dabei konnte sie die Erfahrung sammeln, die ihr jetzt nach eigenen Angaben dabei hilft, auch in Stoßzeiten den Überblick zu behalten. Schließlich will keiner im Imbiss lange auf sein Essen warten.

Ein verlockender Turm auf dem Teller

Ramona schwärmt von ihrer Arbeit, von dem Besuch einer Fachmesse am Wochenende, von den vegetarischen Neuheiten, die sie dort probieren konnte. Sie liebt ihren Job, das strahlt sie aus. „Durch meine Adern fließt Frittenfett statt Blut“, scherzt sie. Nebenher baut sie meinen Burger zusammen. Und reicht mir den Teller über die Bestelltheke.

So sieht er aus, der Nacho-Burger in Hannis Imbiss. Im Hintergrund: eine große Portion Pommes mit Mayo und – etwas versteckt hinter dem Burger-Turm – Ketchup. Foto: Leonhard
So sieht er aus, der Nacho-Burger in Hannis Imbiss. Im Hintergrund: eine große Portion Pommes mit Mayo und – etwas versteckt hinter dem Burger-Turm – Ketchup. Foto: Leonhard

Ich mache große Augen. Das ist mal ein Burger! Cremige Chili-Cheese-Soße läuft an den Seiten heraus, am liebsten möchte ich direkt einen der Nacho-Chips herausziehen und hineinstippen. Aber auch wenn das hier ein Schnellrestaurant ist: Im Stehen essen will ich dann doch nicht. So verlockend es ist, schon mal zu snacken.

Verzehr will zelebriert sein

Erstmal geht es an den Tisch, den Ramona für mich ausgesucht hat. Hier habe ich den Ausblick auf ein buntes Graffiti an der Hauswand – „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ steht da in Pink und Grün. Ich mag die Farben – und die klare Ansage. In der Vase auf meinem Tisch steckt ein frisches Blümchen. Besteck und Servietten liegen schon auf dem Tischset, alles ist farblich abgestimmt. Ein Wasser habe ich mir vorher schon aus dem großen Kühlschrank im Gastraum geholt. Softdrinks und Bier standen auch zur Auswahl.

Ich bestaune das Konstrukt auf meinem Teller. Diesen Burger kann man nicht eben mal fix auf die Hand verdrücken. Hier will der Verzehr zelebriert sein. Aus lauter Respekt vor der Aufgabe probiere ich erstmal eine Pommes. Ketchup und Majo sind nicht rübergekleckst, sondern in Schälchen angerichtet. Das habe ich so nicht bestellt, aber ich freue mich: So mag ich es am liebsten. Zum Dippen und Selberdosieren. Die Pommes werden auch nicht so schnell labberig, wenn man die Soßen separat bekommt. Dieses Kartoffelstäbchen ist nahezu perfekt – nicht zu dünn, nicht zu dick, außen herrlich knusprig, innen schön weich. Und gut gesalzen. Lecker!

Und wie schmeckt es?

Nun geht es an den Burger. Ramona guckt rüber, ist neugierig, wie es mir schmeckt. Und bietet ein Holzstäbchen an, um den Turm zu fixieren. Das lehne ich dankend ab. Nur keine weiteren Verzögerungen, ich will jetzt probieren. Ich schneide von oben an. Etwas Brötchen, die würzige Käsesoße und frische Zwiebelwürfel landen auf der Gabel und im Mund. Yummi! Das schmeckt schon mal richtig gut. Weiter geht es. Ich versuche, möglichst viele der Komponenten auf einmal aufzupieksen. Gar nicht so einfach – weil es so viele sind. Und wegen der Nacho-Chips.

So schmeckt Ostfriesland

Wie schmeckt eigentlich unsere Heimat? Wo kann man gut essen gehen? Und was tut sich in der Gastro-Szene? Jeden zweiten Mittwoch dreht sich im Newsletter „So schmeckt Ostfriesland“ alles um den Genuss.“ Hier geht es zur Anmeldung.

Adresse: Osterstraße 15, 26847 Detern, Telefon 04957/9284750

Öffnungszeiten: montags und dienstags geschlossen, mittwochs bis sonntags 17 bis 22 Uhr.

Das günstigste Gericht: kleine Portion Pommes für 2,30 Euro

Das teuerste Gericht: diverse Burger für 10,60 Euro

Das beliebteste Gericht: Bacon-Cheeseburger für 10,60 Euro.

Das empfiehlt der Küchenchef: Nacho-Burger für 10,60 Euro

Sitzplätze innen: etwa 24, je nach Anordnung der Tische

Sitzplätze außen: 32

Kartenzahlung: Ja

Parkplätze: direkt am Imbiss, etwa 15 bis 20, Parken kostenlos

Lademöglichkeit für E-Autos: nein

Hochstühle für Kinder: ja

Dürfen Hunde rein: ja, nach vorheriger Rücksprache

Jeder Bissen wird anders, und jeder Bissen ist lecker. Das Rindfleisch ist perfekt gebraten, schön saftig, nicht zu trocken, nicht überwürzt, genau richtig. Der Eisbergsalat sorgt als Gegengewicht zu Käsesoße und Nachos für Frische. Die Gurken kommen nicht aus dem Glas, sondern sind ebenfalls frisch. Das gibt mir angesichts der sündigen Bestandteile des Burgers das Gefühl, doch auch ein bisschen gesund zu essen. Oh, ist das Bacon? Es ist gebratener Bacon. Dieser Burger hat wirklich alles, was ein guter Burger braucht.

Die Empfehlung fürs nächste Mal

Ramona guckt zufrieden. Der Stolz auf die Burger-Komposition ist ihr anzumerken. Sie freut sich sichtlich, dass ihre Empfehlung meinen Geschmack getroffen hat. Das Zusammenstellen der Burger ist etwas, an dem sie Freude hat, wie sie erzählt. Sie empfiehlt für den nächsten Besuch den nach der Inhaberin benannten Hannis Burger. Was an dem besonders ist? Er bringt zwischen den Brötchenhälften (unter anderem) gebackenen Camembert, einen Klecks Preißelbeeren und Rind zusammen, vereint durch eine Honig-Senf-Schmandsauce. Das klingt interessant, aber auch sehr mächtig. Mich schüchtert das etwas ein. Ramona strahlt.

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An den nächsten Besuch, überhaupt an die nächste Mahlzeit mag ich noch gar nicht denken. Ich bin pappsatt. Dieses Essen wird noch eine Weile vorhalten. Die 10,60 Euro für den Burger plus drei Euro für die Pommes sind gut investiertes Geld. Zwei Euro habe ich für ein Wasser gezahlt. Ich bin nicht traurig, dass es keinen Nachtisch gibt – noch nicht, denn im Sommer wird Hannis Imbiss voraussichtlich auch Eis am Stiel anbieten.

Ein kleiner Nachtrag zum Abschluss

Wer seinen üppigen Burger nicht schafft oder eine Bestellung zum Mitnehmen aufgibt, bekommt das Essen in kunststofffreien Verpackungen ausgehändigt. Für die Soßen gibt es kleine Pfandgläschen. Denn da war ja noch was: das Thema Nachhaltigkeit, für das man sich in Hannis Imbiss auch einsetzt.

Und noch ein Nachtrag

Seit meinem Besuch im März hat sich was getan: Auf der Speisekarte von Hannis Imbiss finden sich seit Neuestem auch Angebote für alle, die lieber auf Fleisch verzichten wollen – wie Schnitzel vom Feld oder den Crispy Potato Burger mit veganer Remoulade.