Ostermarsch in Emden 250 Ostfriesen gehen in Emden für Frieden auf die Straße
Der Ostfriesische Ostermarsch stand in diesem Jahr im Zeichen der Forderungen nach einem Ende der Kriege in der Ukraine und in Nahost. Die Friedensaktivisten fanden teils deutlich Worte.
Emden - Rund 250 Menschen sind am Karsamstag, 30. März 2024, in Emden für Frieden und Abrüstung auf die Straße gegangen. Sie nahmen am Ostfriesischen Ostermarsch teil. Dazu hatte in Aktionsbündnis unter dem Motto „Frieden braucht Bewegung“ aufgerufen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zogen vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt und versammelten sich im Anschluss zu einer Kundgebung auf dem Rathausplatz.
Mehrere Redner forderten die Beendigung der Kämpfe im völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine sowie im Gaza-Krieg. Sie kritisierten die steigenden Rüstungsausgaben und verlangten eine grundlegende Abkehr von Kriegslogik und Militarisierung.
Kritik an Äußerungen von Pistorius
„Wir wollen nicht kriegstüchtig werden - nicht schon wieder“ sagte Michael Schunk von den Organisatoren des Ostermarsches in Anspielung auf Worte des Bundesverteidigungsministers Boris Pistorius (SPD). Die Bundesregierung wolle Deutschland auf Krieg vorbereiten. „Wir sollten nicht kriegstüchtig werden, sondern friedenstüchtig“, sagte Schunk. Er forderte „eine gewaltfreie Krisenbewältigung und Konfliktlösung in der Ukraine, in Gaza, überall auf der Welt“.
Schärfere Töne schlug Bert Gedenk vom Emder Friedensforum an. Er sprach von einer „zynischen Doppelzüngigkeit“, wenn Deutschland auf der einen Seite Israel seit Jahrzehnten Waffen, darunter auch U-Boote aus Emden, liefere und auf der anderen Seite den Palästinensern Verbandsmaterial für deren Krankenhäuser liefere.
„Eine beispiellose Militarisierung“
Deutschland erlebe gegenwärtig „eine lange schon gewachsene, aber durch den Ukraine-Krieg nun akut angeheizte, beispiellose Militarisierung des Denkens und Handelns in Politik, Kirche und Gesellschaft“, so Gedenk. Jede Kriegslogik und Kriegsführung sei aber „das Ende von Wahrheit, Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit“.
Ebenso wie Schunk verurteilte auch Gedenk die Äußerung des Verteidigungsministers, Deutschland darauf vorzubereiten, „kriegstüchtig“ zu sein. Das sei ein „Angriff auf die demokratische Friedensordnung unserer Gesellschaft, ganz Europas, ja der Welt“. Es sei auch ein „Verrat an der Seele seiner eigenen Partei“, sagte Gedenk im Beisein des SPD-Bundestagsabgeordneten Johann Saathoff und führenden Emder Sozialdemokraten. Denn die SPD habe doch immer schon gewusst, „dass die Zeche jedes Krieges vor allem wieder die kleinen Leute zahlen, während die Kriegsherren und ihre Finanziers sich wie eh und je in warmen Kissen wälzen“.
Aktivisten befürchten Folgen für Emden
Der Bundesregierung und namentlich auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warf der Friedensaktivist vor, die gültige Rechts- und Friedensordnung Stück für Stück zu zerlegen. Die Regierenden seien parteiübergreifend schon lange in der Kriegslogik gefangen, die CDU/CSU noch länger.
Kritik äußerte Gedenk auch an den USA, denen er „eine eigensüchtige Machtpolitik“ vorhielt. Es sei ein „trügerischer Schutzschirm“, den die USA über den Westen aufspanne. Für Emden bedeute das konkret, dass der Hafen der Stadt weiter genutzt werde für weltweite Militäreinsätze und wie zuletzt für Transporte bei einem der größten Manöver der Nato. „Damit wäre unser Emden aber nicht nur eine Drehscheibe militärischer Machtpolitik, sondern künftig auch eine hochsensible Zielscheibe für jede terroristische oder staatliche Gegengewalt“, mahnte der Friedensaktivist.
OB will „mehr Mut zu Verhandlungen“
Gedenk rief dazu auf, die Komfortzone aus Resignation oder Bequemlichkeit zu verlassen und „gewaltfrei und wehrhaft zugleich gegen die Feinde von Gerechtigkeit, Frieden und Demokratie drinnen und draußen aufzustehen“. Man werde auch über neue und gewaltfreie Formen des gemeinsamen zivilen Ungehorsams reden müssen.
Der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) appellierte an jede Einzelne und jeden Einzelnen, sich aktiv für den Frieden einzusetzen und nicht die Augen zu verschließen. Aufgabe sei es, „Themen offen und mit Verständnis zu diskutieren und offen für das einzustehen, das uns beschäftigt“, sagte das Stadtoberhaupt.
Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und angesichts des wachsenden Risikos eines Atomkrieges frage er sich, so Kruithoff, „ob es statt dieses Abnutzungskrieges, in dem die Ukraine auf Jahre hinaus wirtschaftlich, finanziell und militärisch unterstützt werden muss, nicht doch an der Zeit für mehr Mut zu Verhandlungen ist“.
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