Afghanistan Taliban führen Steinigungen von Frauen wieder ein – mit dieser Begründung
Frauenrechte in Afghanistan sind durch die Taliban nach wie vor ausgehebelt. Nun hat Taliban-Führer Haibatullah Achundsada den nächsten Schritt hin zum vollständigen Entzug von Rechten für Frauen verkündet: öffentliche Steinigungen und Auspeitschen.
Die letzte bekannte Steinigung einer Frau in Afghanistan fand vor neun Jahren statt. Zukünftig könnte diese Form der Todesstrafe wieder relevant werden: Vermeintliche Ehebrecherinnen sollen demnach gesteinigt werden, wie Taliban-Führer Haibatullah Achundsada in einer Audiobotschaft verkündete. Er begründet das, indem er sich auf islamische Grundsätze beruft.
In der Aufnahme wendet sich der selbsternannte Emir auch an westliche Regierungen: „Ihr mögt es als Verletzung von Frauenrechten betrachten, wenn wir diese wegen Einbruchs öffentlich steinigen oder auspeitschen“, so Achundsada. Und weiter: „Genauso wie ihr behaupte ich, mich für die Befreiung der Menschheit einzusetzen. Ich repräsentiere Allah und ihr den Satan“, so Akhundzada.
Wegen des Vorwurfs von Ehebruch sind aktuell zwei Personen mit jeweils 35 Peitschenhieben bestraft worden. Die Strafe sei am Donnerstag in der Hauptstadt Kabul ausgeführt worden, teilte das Oberste Gericht mit. Es ist der zweite bekannte Fall von Auspeitschungen innerhalb einer Woche. Von einer öffentlichen Auspeitschung war nicht die Rede.
Am Dienstag war ein Mann wegen mutmaßlicher homosexueller Handlungen in der westlichen Provinz Farah ausgepeitscht worden.
Auch während der vorangegangenen Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 wurden zahlreiche Auspeitschungen, Amputationen und Steinigungen in der Öffentlichkeit vollzogen.
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Obwohl die Taliban bei ihrer Machtübernahme im August 2021 einen moderaten Kurs versprochen hatten, handelt das Regime äußerst autoritär. Insbesondere Frauenrechte sind massiv eingeschränkt. Rund 11,8 Millionen Frauen und Mädchen haben demnach momentan keine Rechte auf Bildung, Arbeit oder Bewegungsfreiheit, so UN Women Deutschland.
Öffentliche Bestrafungen und Hinrichtungen, wie nun auch die Steinigungen, führen die Taliban-Mitglieder seit Ende 2022 regelmäßig durch. International sorgt das für scharfe Kritik. So fordern Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International Achundsada und sein Gefolge auf, solche Praktiken einzustellen. Mit seinem kürzlichen Versprechen, die Scharia in Afghanistan vollständig einzuführen und Steinigungen wieder zu ermöglichen, ignoriert der Emir diese Aufforderungen.