Falschfahrer haben es verbockt Wolthuser Straße in Emden bald komplett dicht
Eine der wichtigsten Einfallstraßen nach Emden wird einen Monat lang für den Autoverkehr gesperrt. Autofahrer, die sich falsch verhielten, sind nicht ganz unschuldig daran.
Emden - Nun also doch: Autofahrerinnen und -fahrer aus Wolthusen und Uphusen sowie den weiteren Stadtteilen im Osten von Emden müssen sich im April und Mai auf Umwege einstellen. Denn entgegen ursprünglichen Plänen wird die Wolthuser Straße, eine der wichtigsten Einfallstraßen der Stadt, im Abschnitt zwischen der sogenannten Lindenhof-Kreuzung und dem Filkuhlweg von Mitte April an voraussichtlich etwa vier Wochen lang für den Autoverkehr voll gesperrt.
Wie der zuständige Abteilungsleiter Wolfgang Fecht vom städtischen Bau- und Entsorgungsbetrieb (BEE) am Dienstag, 26. März 2024, bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung der Stadt in der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Emden mitteilte, ist die Vollsperrung aus Sicht der Stadt unumgänglich. Ursprünglich sollte der Autoverkehr auch bei der bevorstehenden Sanierung der Fahrbahn an beiden Seiten der Straßenbrücke über den Stadtgraben die Baustelle passieren können.
Behörden registrieren oft falsches Verhalten
Das war auch bei den bisherigen Bauabschnitten über eine Baustellenampel und eine veränderte Schaltung der Ampeln an der sogenannten Lindenhof-Kreuzung so geregelt worden und wird gegenwärtig auch so gehandhabt. Dass es nun anders kommen wird, ist den „schwarzen Schafen“ unter den Autofahrern zu verdanken.
Denn die Stadt, die Polizei und das beauftrage Straßenbauunternehmen Strabag AG beobachten häufig, dass Kraftfahrer bei Rot in den Baustellenbereich fahren. Hinzu kommt, dass Autofahrer, die von der Nordertorstraße kommen und in Richtung Wolthusen wollen, Absperrbaken umfahren und nach rechts auf die Wolthuser Straße abbiegen, obwohl diese Einfahrt gegenwärtig verboten ist.
Firma sieht ihre Straßenbauer in Gefahr
Dadurch kommt es innerhalb der Baustelle oft dazu, dass sich Autos begegnen. Ausweichmöglichkeiten gibt es dort kaum, so dass Ärger vorprogrammiert ist und es zu Staus kommt. „Das kommt drei- bis viermal am Tag vor“, sagte eine Straßenbauer dieser Zeitung vor Ort. Laut Fecht seien Bauarbeiter in solchen Situationen schon mehrfach gefährdet gewesen.
Laut Stadt hat die Firma Strabag deshalb die Reißleine gezogen. Mit Blick auf die bevorstehende Sanierung der Fahrbahn hat sie gemäß der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/B) förmlich eine sogenannte Bedenkenanmeldung bei der Stadt als Auftraggeber eingereicht, weil sie ohne eine Vollsperrung Unfallgefahren sowohl für Verkehrsteilnehmer als auch für ihre Mitarbeiter sieht.
Sicherheitsabstände sind zu gering
Demnach übernimmt das Unternehmen für den Fall, dass die Straße für die Asphaltierungsarbeiten nicht voll gesperrt wird, keine Gewährleistung für die Arbeiten. „Hätten sich alle Verkehrsteilnehmer regelkonform verhalten, wäre es viel einfacher gewesen“, bedauerte Fecht.
„Aber auch die Berufsgenossenschaft schaut sich das an“, sagte der BEE-Abteilungsleiter mit Hinweis auf die entsprechenden Regeln des Arbeitsschutzes. Weil die Straße in diesem Bereich zu eng sei, reichten die Sicherheitsabstände für die Bauarbeiter bei fließenden Verkehr nicht aus.
Es ist das Eingangstor zum Stadtosten
Der Abschnitt, um den es geht, gilt quasi als Eingangstor nach Wolthusen, ist aber auch ein Nadelöhr mit komplexen Verkehrsbeziehungen. Aufgänge zum Wall, eine Bushaltestelle und die schmale Brücke über den Stadtgraben liegen dort auf engstem Raum beieinander. Nach der Angaben der Stadt wird dieser Bereich werktäglich von knapp 10.000 Kraftfahrzeugen passiert. Gezählt wurden außerdem 670 Radfahrer binnen nur einer Stunde.
Die Vollsperrung für Autofahrer in beide Fahrtrichtungen zwischen der sogenannten Lindenhof-Kreuzung bei der Tanzschule Astrid Löschen und dem Fikuhlweg auf Wolthuser Seite, beginnt am Montag, 15. April, gegen 7 Uhr und dauert voraussichtlich bis Mittwoch, 15. Mai, 18 Uhr. Der Verkehr wird während dieser Zeit über die Autobahn 31 umgeleitet.
Fußgänger können Baustelle passieren
Eine andere Möglichkeit, die Baustelle zu umfahren, wenn man aus der Innenstadt in Richtung Wolthusen und Uphusen oder in umgekehrter Richtung fahren will, gibt es praktisch nicht. Es gibt nur einen Schleichweg, der durch den Wolthuser Hammrich und das Herrentorviertel führt, aber teilweise nur mit Schotter befestigt ist. Von einer Nutzung rät die Stadt ab.
Fußgänger und Radfahrer können die Baustelle der Wolthuser Straße auf dem bereits fertiggestellten Gehweg an der Nordseite passieren. Radfahrer müssen allerdings absteigen. Die Auf- und Abgänge des Walls an dieser Stelle können nur an den Wochenenden genutzt werden.
Ende Mai soll der Abschnitt fertig sein
Anlieger der Straße Außer dem Nordertor können ihre Häuser und Wohnungen über die Claas-Tholen-Straße oder den Filkuhlweg erreichen. Wer in der Straße Am Marienwehrster Zwinger wohnt, muss wie bisher über den Philosophenweg fahren. Die Lindenhof-Kreuzung bleibt während der Sperrung offen. Nur die Fahrt in Richtung Wolthusen ist nicht möglich.
Nach Angaben der Stadt sind nach dem Ende der Vollsperrung noch Restarbeiten in diesem Bereich erforderlich. Sie sollen bis Ende Mai abgeschlossen sein. „Große Einschränkungen für Verkehrsteilnehmende sind im Nachgang nicht mehr zu erwarten“, so Stadtsprecherin Theda Eilers. Allerdings werde es im Juni noch einmal eine eintägige Vollsperrung geben, um die Fahrbahnmarkierungen aufbringen zu können.
Der Ausbau der Wolthuser Straße und der Uphuser Straße geht im neunten Jahr auf die Zielgerade. Es ist eine der größten und teuersten Emder Straßenbauvorhaben der vergangenen Jahrzehnte. Es wird mit Geld vom Bund und von Land bezuschusst. Noch aus steht die Sanierung des Abschnittes der Uphuser Straße zwischen der Straße Osterhörn und der sogenannten Luftbrücke über den Ems-Jade-Kanal in Uphusen. Einen Zeitpunkt dafür nannte der BEE bislang nicht.