Klövensteen Peter Heinrich Brix im Gespräch: Die Dienstgeheimnisse des „Nord Nord Mord“-Stars
Karfreitag ist Peter Heinrich Brix in der Gaunerkomödie „Zwei Erben sind einer zu viel“ zu sehen. Am Ostermontag folgt sein Sylt-Krimi „Nord Nord Mord“. Vorher hat der Schauspieler uns noch zum Waldspaziergang nach Hamburg eingeladen. So war der Klönschnack im Klövensteen:
Wenn TV-Sender zu Interviews einladen, geht’s meist in ein schickes Hotel. Das macht was her und ist gut zu erreichen. Mit Peter Heinrich Brix läuft das anders. Wer den „Nord Nord Mord“-Kommissar treffen will, nimmt am Hamburger Hauptbahnhof die S-Bahn bis Hochkamp, steigt in dem Villenviertel in den Skoda der Presse-Agentin um – und fährt weiter, bis raus in den Klövensteen, ein Waldgebiet, in dem Hamburg unmerklich zu Schleswig-Holstein wird. Hier, auf dem Parkplatz einer Ausflugswirtschaft, wartet Brix und will spazieren.
Klönschnack im Klövensteen: Mit dem Treffpunkt ist eigentlich alles gesagt, was man über Brix wissen muss. Der Mann ist so bodenständig wie seine Figuren. Zum Theater kam er erst mit Mitte 30; davor war er Bauer. Im Kreis Schleswig-Flensburg hat er den Familienhof bewirtschaftet. Und alles, was den Menschenschlag an Deutschlands nördlichstem Zipfel auszeichnet, nimmt er nun in sein Schauspiel mit.
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Seinen Figuren ist Brix so treu wie seiner Herkunft: Über 200 Folgen lang ist er als Innendienstler Lothar die gute Seele im „Großstadtrevier“. Den Bauern Adsche in der Serie „Neues aus Büttenwarder“ spielt er ein Vierteljahrhundert lang – bis Jan Fedders Tod dem Format ein Ende setzt. Als Brakelmann und Adsche wurden die beiden für den Norden, was Walter Matthau und Jack Lemmon für Hollywood waren: das schräge Paar, zwei unzertrennliche Freund-Feinde, nur halt mit Bauernhut.
Als Fedder starb, hat Brix nicht nur den langjährigen Weggefährten verloren; auch seine eigene Paraderolle ist ohne das Gegenüber aus der Welt. „Adsche hat seinen Hut genommen“, sagt Brix dazu nur. Und betont zugleich immer wieder, wie wichtig Entwicklung und Neuanfänge ihm sind. Eine Haltung, die ihm vielleicht auch bei diesem traurigen Einschnitt hilft.
Am Karfreitag ist der 68-Jährige in einer neuen Rolle zu sehen. In der ARD-Komödie „Zwei Erben sind einer zu viel“ (29. März 2024, 20.15 Uhr) spielt er einen Gentleman-Ganoven, mit Oberlippenbart und Understatement. Gedreht wurde wieder mal fast bei ihm zu Hause – hoch im Norden, zwischen Geltinger Bucht und Schlei. Am Ostermontag ist Brix dann gleich nochmal zu sehen, im ZDF als Sylter Kommissar Sievers in seinem TV-Krimi-Quotenhit „Nord Nord Mord“.
Ein Wort, dass Brix immer wieder gebraucht, ist das der Identität. Sein Credo: Man muss wissen, wer man ist. Darf man ihn als Volksschauspieler bezeichnen? Brix bleibt stehen und nickt: „In dem Begriff klingt ja alles Mögliche an, die Sprache und dass man einen Bezug zu einem bestimmten Ort hat“, sagt er. Und: „Die Menschen gehen auch so mit mir um: Die erkennen oft Adsche in mir und sprechen mich auch so an, auf so eine kumpelhafte Art.“
Antworten tut er im selben Ton. Der plattdeutsche Einschlag, den die Schauspiellehrerin ihm noch austreiben wollte, sitzt tief. Privat klingt Brix viel mehr nach Adsche, als man gedacht hätte. Und wenn er sich mit großer Ausdauer den Schal vor „diesem kalten Reißverschluss“ zurechtfummelt, benimmt er sich auch ähnlich ehrpusselig – wenn auch mit Selbstironie: Seine Frau, sagt er, würde jetzt fragen, ob’s denn heute wohl noch losgeht.
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Wenn man die Brix’schen Figuren liebt, dann vielleicht, weil er es auch tut. Einen Bauern zu spielen ist für Brix nichts Besseres, als ein Bauer zu sein. „Ich habe nie den Grimme-Preis bekommen und brauche das auch nicht“, sagt er – und unterbricht sich noch einmal im Spaziergang. Am Feldrand steht eine Eiche, die ihn ärgert. Falsch beschnitten, erklärt er unzufrieden. Brix engagiert sich – offenbar nicht ohne Grund – für das Aufforstungsprojekt „Baum für Baum“. (An dem auch unser Medienhaus beteiligt ist.)
Anderthalb Stunden nimmt Brix sich Zeit. Dann kommen wir langsam wieder am Parkplatz an. Auf einem alten Gartentisch hat die Pressefrau inzwischen einen Imbiss aufgebaut. Wie endet ein Interview mit Peter Heinrich Brix? Mit Kaffee, Sahnehering, Rollmops und einer dick geschnittenen Butterstulle.
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