Berlin  Beschämender Armutsbericht: Fast jeder fünfte Deutsche ist arm

Sören Becker
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Von Sören Becker
| 26.03.2024 17:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Keine Faulpelze: Die meisten Armen in Deutschland arbeiten. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst
Keine Faulpelze: Die meisten Armen in Deutschland arbeiten. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst
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Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat seinen Armutsbericht vorgestellt. Die Zahl der Armen stagniert. Grund für gute Laune ist das nicht.

In Zeiten von Krisen und Krieg ist es fast eine Überraschung. Nun, da der Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes mit den Zahlen für 2022 vorliegt, lässt sich sagen: Die Armut hat im ersten Jahr des Ukraine-Krieges trotz hoher Inflation und Energiepreise nicht zugenommen. Als arm gelten laut Bericht Menschen, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens haben. Für einen Single ohne Kinder wären das 1186 Euro. Für größere Haushalte ist die Schwelle etwas höher.

Auch wenn die Zahl der Armen in Deutschland nicht gewachsen ist, bleibt sie auf einem für eines der reichsten Länder der Welt hohen Niveau. 14,2 Millionen Deutsche sind betroffen. Am stärksten Alleinerziehende und Familien mit drei oder mehr Kindern. Fast zwei Drittel der Armen gehen einer Arbeit nach oder beziehen Rente und Pension. Diese Zahlen sind einfach nur peinlich.

Dass die Zahl der Armen wächst, haben die Entlastungspakete der Bundesregierung verhindert. Nachhaltig war das jedoch nicht. In Zeiten der Schuldenbremse, knapper Haushalte und schwieriger Wirtschaftsprognosen dürften die Zahlen in Zukunft wieder ansteigen.

Arbeit ist in Deutschland schon lange kein Garant für Wohlstand mehr. Viele Arbeitnehmer verdienen so wenig, dass sie auf Bürgergeld angewiesen sind. Andere können nicht oder nur eingeschränkt arbeiten, weil sie Kinder erziehen oder kranke Angehörige pflegen. Dass selbst der sozialdemokratische Arbeitsminister Hubertus Heil, lieber schärfere Sanktionen für die kleine Gruppe von Arbeitsverweigerern ins Spiel bringt, schießt an der Lebenswirklichkeit dieser Menschen vorbei.

Wer so respektlos über arme Menschen redet und ihre Probleme ignoriert, der braucht sich nicht wundern, wenn selbst viele in der Mittelschicht Verlustängste empfinden, die sie empfänglich für Politikverdrossenheit und rechten Populismus machen.

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