Spargelfans bangen Spargel zum Osterfest – ob das dies Jahr was wird?
Spargel gehört für viele zum Osterfest dazu wie der Osterhase und Schokoladeneier. In diesem Jahr ist Ostern schon Ende März. Wird’s da überhaupt schon was mit dem Spargel? Wir haben uns umgehört.
Landkreis Leer - Boden lockern, Dämme anlegen, Folien ziehen – Landwirt Janno Schmid in Großwolde hat die Vorbereitungen für die Spargelsaison nach eigenen Worten bereits vor einer Woche abgeschlossen. Alles andere liegt jetzt nicht mehr in seiner Hand. Sonne und Wärme braucht es jetzt, damit der Spargel sprießt. Eines steht für ihn allerdings fest: „Zu Ostern wird das bei uns mit dem Spargel noch nichts.“
Probestechen am Wochenende
Der Landwirt, der in der Region vor allem für Spargel und Erdbeeren bekannt ist und mit seiner Familie einen Hofladen in Großwolde betreibt, geht davon aus, dass der erste Spargel der Saison in den ersten zehn Tagen im April gestochen werden kann. Und das ist eigentlich auch schon früh. Daniel Santen aus Diele ist da optimistischer. Ob es im Rheiderland mit dem Spargel zu Ostern klappt? „Am Wochenende und am Montag werden wir auf jeden Fall probestechen“, sagt Santen und hofft das Beste. Er wolle das Ostergeschäft gerne mitnehmen. Auch wenn es in diesem Jahr etwas früher ist.
„Für meinen Vater war immer das Ziel, dass zum Muttertag Spargel gestochen werden kann“, erzählt Spargelbauer Janno Schmid aus Großwolde. Durch den Einsatz von schwarzer Folie über den Dämmen sei inzwischen ein deutlich früherer Erntestart möglich. Im Süden Deutschlands hat die Spargelernte in den vergangenen Tagen schon begonnen. Nicht nur, weil dort das Klima milder ist und es schon mehr Sonnenstunden gibt. Laut Schmid werden dort viele Spargeldämme beheizt. „Darunter sind Rohre oder Schläuche verlegt durch die warmes Wasser fließt.“ Dadurch wird das Pflanzenwachstum angeregt.
Unterirdische „Spargel-Heizung“
Auch Daniel Santen hat schon über so eine „Spargel-Heizung“ nachgedacht. „Dafür wird häufig die Abwärme von Biogas-Anlagen genutzt“, erzählt Santen. Er habe sich schon nach potenziellen Wärmelieferanten aus der Landwirtschaft umgehört. „Bisher habe ich aber noch niemanden gefunden, der Kapazitäten übrig hat.“ In den vergangenen Jahren hat Santen für eine besonders frühe Ernte auch Spargel in Gewächshäusern in Papenburg angebaut. Von dieser Praxis hat er sich inzwischen wieder verabschiedet. Und das nicht nur wegen der enorm gestiegenen Energiekosten, die den frühen Spargel teuer machten. „Die Erfahrungen haben einfach gezeigt, dass die Leute so früh im Jahr noch keine Lust auf Spargel hatten“, sagt Daniel Santen. Mit den Temperaturen steigt bei vielen offenbar der Vorfreude auf die saisonale Spezialität. „Die Leute fragen schon, wann es Spargel gibt.“ Am Montag geht’s raus aufs Feld zum Probestechen. Spätestens nächste Woche Mittwoch steht fest, ob der Spargelverkauf in Santens Hofladen in Diele pünktlich zum Osterfest beginnen kann.
Santen hofft auf eine gute Saison und dass das Wetter mitspielt. Er ist jedenfalls gerüstet. „Ich habe in diesem Jahr vier Hektar mehr angebaut“, erzählt der Spargelbauer. Bevor man ein neu angepflanztes Feld ernten kann, vergehen nach seinen Worten zwei bis drei Jahre. Der Spargel aus dem Hofladen in Diele findet nicht nur Absatz bei Kunden aus dem Rheiderland. Kunden kommen auch aus dem benachbarten Emsland und den Niederlanden. Seine Großkunden sind Gastronomiebetriebe auf den ostfriesischen Inseln und an der Küste. Spargel aus Diele kommt nach seinen Worten sogar in Sylter Restaurants serviert.
Spargel als Luxusgemüse
Nach Erfahrung von Janno Schmid ist der Spargelverkauf in den letzten Jahren schwieriger geworden. Während Experten vermuten, dass die Begeisterung für diese Gemüseart bei jüngeren Leuten nachlässt, hat Janno Schmid da eine andere Theorie. „Alles ist teurer geworden. Daher wird Spargel immer mehr zum Luxus“, hat er festgestellt. Man merke, dass das Geld überall knapp sei. „Da sparen Leute lieber am Essen als an ihrem Smartphone“, sagt Schmid. „Die Tendenz geht da hin, dass Stammkunden, die in der Saison fünfmal Spargel gekauft haben, jetzt vielleicht nur noch zweimal kommen.“
Viele Berufskollegen in anderen Spargelanbauregionen haben darauf reagiert und die Anbauflächen reduziert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat sich sich die Anbaufläche für das Edelgemüse in den Jahren 2018 bis 2023 um 12,4 Prozent reduziert. Viele Spargelerzeuger haben die Produktion sogar ganz eingestellt, weil die Verkaufspreise nicht mehr reichten, um die Betriebskosten zu decken. Daniel Santen und Janno Schmid denken daran aber noch nicht. In Ostfriesland ist das saisonale und regionale Gemüse wie frische Erdbeeren fester Bestandteil der kulinarischen Vorfreude auf den Sommer.