Empfehlungen der DGE  Neue Tipps für Ernährung stoßen auf breite Kritik

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 21.03.2024 18:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Empfehlungen überarbeitet. Nun heißt es: Für einen gesunden Erwachsenen ist ein Ei pro Woche vollkommen ausreichend. Foto: Weigel/DPA
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Empfehlungen überarbeitet. Nun heißt es: Für einen gesunden Erwachsenen ist ein Ei pro Woche vollkommen ausreichend. Foto: Weigel/DPA
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Nur 300 Gramm Fleisch und ein Ei pro Woche? Landwirte können mit solchen Empfehlungen wenig anfangen. Und auch aus der Politik kommt Kritik an den Ratschlägen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Leer/Hamburg/Bonn - Kürzlich hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ihre neuen lebensmittelbezogenen Empfehlungen veröffentlicht, in denen sie die pflanzlichen Lebensmittel stärker betont. Konkret bedeutet das: Bundesbürger sollen weniger Fleisch, Eier und Milchprodukte zu sich nehmen, dafür mehr Obst und Gemüse. Das sei nicht nur gesünder, sondern gleichzeitig auch nachhaltiger. Doch Kritik an den Empfehlungen kommt nicht nur von Landwirten und Politikern – auch Mediziner warnen vor gesundheitlichen Folgen der DGE-Ratschläge.

„Ich bewerte das ganze deutlich kritisch“, sagte Manfred Tannen, Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins (LHV) für Ostfriesland. Er halte es für falsch, die Themen Gesundheit und Nachhaltigkeit zu vermischen. Eine gesundheitsfördernde und ökologisch nachhaltigere Ernährung besteht laut DGE zu mehr als drei Vierteln aus pflanzlichen und zu knapp einem Viertel aus tierischen Lebensmitteln. Der Anteil tierischer Lebensmittel fällt damit geringer aus als bisher. So ist es laut DGE ausreichend, wöchentlich maximal 300 Gramm Fleisch und Wurst sowie ein Ei zu essen.

LHV-Präsident: 300 Gramm Fleisch sind nicht gleich 300 Gramm Fleisch

Doch Tannen mahnt zu mehr Differenzierung: 300 Gramm Fleisch seien nicht gleich 300 Gramm Fleisch. Denn bei der Frage, wie nachhaltig Fleisch ist, würden auch Faktoren wie der Transportweg und die Haltungsform eine Rolle spielen – und nicht nur die Menge. „Pauschale Aussagen dazu sind einfach nicht möglich“, sagte Tannen. Der LHV-Präsident erklärte, dass sich die Landwirtschaft an Marktveränderungen wie einen zurückgehenden Fleischkonsum anpassen müsse – doch dafür brauche es keine Empfehlungen. „Das passiert auch ganz automatisch über die Ladentheke.“

Kritisch sieht die neuen DGE-Empfehlungen auch Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbands der deutschen Geflügelwirtschaft: „Was da empfohlen wird, geht völlig an der Lebensrealität der Menschen vorbei“, sagte er. Nur ein Ei pro Woche, wie es die DGE empfiehlt? „Tatsächlich ist der Pro-Kopf-Konsum von Eiern in Deutschland zuletzt von 230 auf 236 gestiegen“, so Ripke. Auch der Verzehr von Geflügelfleisch habe zugenommen. „Wir werden noch einmal mit der DGE reden, wie sie zu solchen Empfehlungen kommt“, kündigte er an und schob hinterher: „Eier liefern unseren Verbrauchern preiswerte, ernährungsphysiologisch wertvolle essenzielle Aminosäuren, und wer ein Omelett zubereitet, benötigt dafür schon zwei bis vier Eier. Soll man darauf jetzt etwa verzichten?“

Connemann: Empfehlungen sind überholt und ungesund

Auch die CDU-Bundestagsabgeordnete und Chefin der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, Gitta Connemann (Hesel), sieht die Empfehlungen kritisch: „Keine Eier, keine Milch, dafür Getreide satt – Kernempfehlungen der DGE sind überholt, fachlich daneben, manche sogar ungesund“, sagte die Ostfriesin der „Bild“.

Letzterem stimmt auch die Deutsche Akademie für Präventiv-Medizin (DAPM) zu: „Wenn die DGE allen Menschen in Deutschland empfiehlt, 300 Gramm Getreideprodukte pro Tag zu verzehren, was circa 1200 Kalorien oder 60 Prozent der durchschnittlichen Kalorienzufuhr eines Menschen bedeuten würde, dann haben Millionen Menschen mit Übergewicht und Adipositas, Prädiabetes und Typ-2-Diabetes davon gesundheitliche Nachteile“, heißt es in einer Mitteilung der DAPM. Die Reduzierung des Verzehrs von tierischen Lebensmitteln könne zudem vor allem bei Kindern und Senioren zu einem Mangel an Eiweiß, Spurenelementen und Vitaminen führen.

Für Kinder und Senioren, wie es die DAPM schreibt, gelten die Richtlinien allerdings gar nicht. Die DGE erklärt hierzu: „Die Empfehlungen gelten für gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren, die sich mit einer Mischkost, inklusive Fleisch und Fisch, ernähren.“

Mit Material von DPA

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