Betreiberin zieht Konsequenzen  Schlägt Barenburger Post die letzte Stunde?

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 21.03.2024 11:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Immer auch ein offenes Ohr für ihre Stammkunden: Stefanie Cramer im Gespräch mit Ali Omar. Foto: Schuurman
Immer auch ein offenes Ohr für ihre Stammkunden: Stefanie Cramer im Gespräch mit Ali Omar. Foto: Schuurman
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Die kleine Poststelle ist in Emden Anlaufpunkt für ein ganzes Viertel. Warum die Betreiberin schweren Herzens schließen will.

Emden - Den Lottoschein müssen Barenburger Kunden schon seit Februar dieses Jahres woanders abgeben. Ende Juni 2024 ist es mit der kleinen Poststelle an der Hermann-Allmers-Straße neben der Sonnen-Apotheke wahrscheinlich ganz vorbei. Betreiberin Stefanie Cramer hat bei der Post die Kündigung eingereicht. „Aus Personalgründen“, sagt sie. „Leider.“

Würde gerne weiter in Barenburg arbeiten: Stefanie Cramer. Foto: Schuurman
Würde gerne weiter in Barenburg arbeiten: Stefanie Cramer. Foto: Schuurman

Ihr sei die Entscheidung, die Filiale aufzugeben, nicht leicht gefallen. Wer einmal als Kunde oder Kundin dort war, glaubt ihr das sofort. Mit großem Engagement und mit viel Freundlichkeit sind Stefanie Cramer und ihre Schwester Alexandra van Ellen als Aushilfskraft bei der Sache. „Die Post ist eigentlich mein Baby“, sagt Stefanie Cramer. Allein mit ihrer Schwester könne sie das Geschäft aber nicht mehr weiterführen. Alle Versuche, weiteres Personal dauerhaft zu bekommen, seien gescheitert. Und wenn die Filiale wegen fehlender Aushilfen nicht mehr zuverlässig öffnen könne, mache es keinen Sinn mehr. „Die Kunden lassen schon gelegentlich ihren Frust ab“, sagt sie. „Vor allem, wenn sie vor verschlossener Tür stehen, weil eine Aushilfe trotz Zusage nicht zur Arbeit gekommen ist.“

Lädchen mit Lotto und Gedöns für Patienten

Zu ihrem „Baby“ ist Stefanie Cramer vor fünf Jahren durch Zufall gekommen. Die gelernte Einzelhandelskauffrau war zunächst selbst Kundin in der Postfiliale, die die damaligen Betreiber nach zwölf Jahren abgeben wollten. Weil sie als Ehefrau eines selbstständigen Raumausstatters ohnehin ihr eigenes Ding machen wollte, schlug sie zu. Das Lädchen, in dem sie neben der Post-Filiale auch eine Lotto-Toto-Annahmestelle einrichtete und Dinge des alltäglichen Bedarfs als Kiosk für Patienten und Besucher des benachbarten Krankenhauses anbietet - auch Tageszeitungen, Getränke und Tabakwaren sei seinerzeit richtig gut angelaufen. Dabei habe ihr die Corona-Zeit fast in die Karten gespielt. „Das ganze Leben spielte sich auch für die Kundschaft nur noch über Versandhandel, Pakete und Post ab“, sagt sie.

Immer mehr Schließzeiten, bald womöglich ganz dicht: die kleine Post-Filiale an der Hermann-Allmers-Straße in Barenburg. Foto: Schuurman
Immer mehr Schließzeiten, bald womöglich ganz dicht: die kleine Post-Filiale an der Hermann-Allmers-Straße in Barenburg. Foto: Schuurman

Seit zwei Jahren aber wurde das Geschäft für sie und ihre Schwester immer schwieriger. Nicht wegen der Kundenfrequenz, die sei gleichbleibend hoch, aber eben wegen der personellen Besetzung. Phasenweise blieb der Laden tatsächlich zu, als noch eine Erkrankung dazukam. „Das war eine Katastrophe“, sagte Cramer. Viele Kunden würden seither öfter besorgt nachfragen, ob der Laden noch geöffnet habe - spätestens aber, seitdem der Lotto-Schalter geschlossen sei. Mit der Lotto-Gesellschaft hat Cramer den Vertrag schon im Februar auslaufen lassen, weil er sich sonst automatisch um zwei Jahre verlängert hätte. Der Vertrag mit der Post laufe eben noch bis Ende Juni.

„Barenburg ist einfach toll“

Mittlerweile ist Stefanie Cramer mit vielen Stammkunden per Du. Die kleine Poststelle sei längst zur Anlaufstelle gerade für die ältere Kundschaft geworden, sagt sie. „Das ist schon alles sehr persönlich. Man hält ein Pläuschchen, guckt mal eben, wie es dem anderen so geht.“ Auch auf den Stadtteil lässt Stefanie Cramer nichts kommen. „Barenburg ist einfach toll, die Menschen sind hier einfach toll.“ Wenn mal jemand zwei Cent zu wenig dabei habe und sie den Fehlbetrag aus dem Trinkgeld ausgleiche, dauere es keine Stunde, bis der Kunde die Cents wiederbringt. „Zwischenmenschlich ist es hier einmalig“, sagt Stefanie Cramer. „Man kriegt hier wahnsinnig viel zurück.“

Sie kann zupacken: Stefanie Cramer bei der Arbeit in der kleinen Filiale. Foto: Schuurman
Sie kann zupacken: Stefanie Cramer bei der Arbeit in der kleinen Filiale. Foto: Schuurman

Die Post habe großes Interesse daran, dass die Filiale im Stadtteil weitergeführt wird. In Barenburg und umzu gibt es auch keine Alternative. Auch für benachbarte Stadtgebiete dient die kleine Filiale als Paketabholstation. Vor allem, seitdem die ehemalige Hauptpost am Bahnhof ihre Türen endgültig schloss.

Internationales Paket-Geschäft

Und Stefanie Cramer hat sich zudem für spezielle Postsendungen den Ruf erworben, besonders kompetent zu sein. In ihre Filiale bringen nämlich viele Kunden 20-Kilo-Pakete, die nach Russland gehen. Ohnehin sei der Postversand in der Barenburger Filiale sehr international. „Das können nicht viele und das machen nicht viele“, sagt Stefanie Cramer mit Blick auf andere Poststellen und den hohen Aufwand bei solchen Sendungen. „Nur mit Briefmarken kann man eben kein Geschäft machen.“ Generell gelte: Alles, was gescannt wird, alles, was piept, bringt Umsatz. Egal ob Fernpaket oder Retoure: „Davon leben wir noch.“

Sie habe sich so reingekniet in den Job, sagt sie, dass sie sich mittlerweile hinter jeden Hauptpost-Schalter stellen könnte. Das klingt schon wieder wie eine Bewerbung für den Job, den Stefanie Cramer eigentlich Ende Juni aufgeben will. „Meine Schwester und ich würden ja weitermachen, dann aber als Angestellte ohne Personal-Verantwortung.“

Suche nach neuem Chef

Also wer weiß? Vermieterin Antje Hirsch von der benachbarten Sonnen-Apotheke hält sich die Nachfolge in dem kleinen Laden noch offen. Auch sie wünscht sich dort weiter eine Poststelle. Sollte sich ein Nachmieter finden, der den Chefposten übernimmt, wäre die letzte Stunde für die Barenburger Post vielleicht doch noch nicht geschlagen.

Die aktuellen Öffnungszeiten sind montags bis samstags von 9 bis 12 Uhr sowie montags und freitags zusätzlich von 15 bis 18 Uhr.

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