EWE-Zukunftsleitung  Großer Schritt für Energiewende in Jemgum gefeiert

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 18.03.2024 17:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
EWE-Vorstandschef Stefan Dohler (rechts) begrüßt Niedersachsens Ministerpräsident SPD Stephan Weil in Jemgum. Foto: Ortgies
EWE-Vorstandschef Stefan Dohler (rechts) begrüßt Niedersachsens Ministerpräsident SPD Stephan Weil in Jemgum. Foto: Ortgies
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In Jemgum wurde die Zukunftsleitung der EWE mit bekannten Gästen gefeiert. In nur 22 Monaten wurde sie fertiggestellt. 2028 könnte Wasserstoff fließen.

Jemgum - „Nächstes Mal gerne auch ohne Krise“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil augenzwinkernd am Rande der Feierstunde in Jemgum am Montag, 18 März 2024. Es geht um das Großprojekt Zukunftsleitung. Die Pipeline ist in der Rekordzeit von 22 Monaten geplant und gebaut worden. Unschöner Anlass für den Sprint war der Überfall Russlands auf die Ukraine und die Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit im Energiesektor. Um dem Ausfall der russischen Gaslieferungen entgegenzuwirken, um eine Alternative zu haben, wurde die 70 Kilometer lange Leitung als gemeinsames Projekt der EWE, von EWE-Netz und GTG Nord außergewöhnlich schnell fertiggestellt. Ministerpräsident Weil lobte die Geschwindigkeit, die „Niedersachsengeschwindigkeit“, wie er es nannte.

EWE-Vorstandschef Stefan Dohler (links), Niedersachsens Ministerpräsident SPD Stephan Weil und Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) feierten die Fertigstellung der Zukunftsleitung. Foto: Ortgies
EWE-Vorstandschef Stefan Dohler (links), Niedersachsens Ministerpräsident SPD Stephan Weil und Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) feierten die Fertigstellung der Zukunftsleitung. Foto: Ortgies

Die Leitung wurde an das LNG-Terminal in Wilhelmshaven angeschlossen, ebenso an den Speichern in Nüttermoor und Jemgum. Die Leitung kann nach Angaben der EWE mehr als vier Millionen Haushalte im Nordwesten versorgen. Zunächst mit Erdgas. Mittelfristig soll es aber um Wasserstoff gehen.

Bereits ab 2028 könnte Wasserstoff fließen

„Bereits ab 2028 könnte die Leitung wesentlicher Bestandteil des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes werden“, sagt EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler. „Denn der Schritt, eine Verbindung zu niederländischen Wasserstoffnetzen herzustellen, ist dann nicht mehr groß.“ „H²-ready“ bedeutet, dass die Leitung grundsätzlich für einen künftigen Transport von Wasserstoff (H²) ausgelegt ist. Ziel ist, dass grüner Wasserstoff in der Pipeline fließt.

Grün bedeutet, dass der Wasserstoff mit erneuerbarer Energie per Elektrolyse hergestellt wird, so könne er einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Durch den Strom von On- und Off-Shore-Windkraft gebe es eine große Chance, erklärte Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne). Der Nordwesten Niedersachsens – nicht zuletzt Ostfriesland – „wird somit zum Hotspot grüner Energieversorgung, nicht nur bei der Windenergie, sondern jetzt auch bei Transport und Speicherung grüner Gase.“ Der grüne Wasserstoff könnte vor allem in der Industrie – beispielsweise der Stahlindustrie – den Weg weg von fossilen Brennstoffen ebnen.

Zusammenspiel von vielen Akteuren

Dank des konstruktiven Zusammenspiels von Behörden, Unternehmen, Bund, Land und Kommunen, durch beschleunigte Verfahren habe es geklappt, das Großprojekt so schnell umzusetzen. Unter anderem hätten 1000 Eigentümer und Nutzungsberechtigte ihre Einwilligung gegeben, drei Landvolkverbände hätten verhandelt. „Nie gab es so wenige kritische Anrufe wegen eines Projektes bei mir“, erklärte Manfred Tannen, Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland. Man habe auf Augenhöhe mit den Landbesitzern verhandelt.

Ebenfalls konstruktiv sei der Protest einiger Landwirte verlaufen, die den Festakt nutzen wollten, um das Gespräch mit Ministerpräsident Weil suchten. Im LSV (Land schafft Verbindung) organisierte Landwirte wollten sich unter anderem zum Thema Agrardiesel austauschen.

Die Region solle auf mehrere Arten profitieren, hieß es am Montag: Die Wertschöpfung aus dem Wasserstoff-Netz solle auch vor Ort stattfinden, außerdem gehe es auch beispielsweise um Bildung. Der Blick werde, wenn man Fachpersonal in den Nordwesten bekommen wolle, auch darauf gerichtet, dass Bereiche wie die Kita- oder die Gesundheitsversorgung ausgebaut sein müssen.

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