Hamburg Trotz sinkender Inflation: Warum wird gefühlt alles teurer?
Die Inflationsrate sinkt – und trotzdem haben viele Leute das Gefühl, dass es keine Entspannung bei den Preisen gibt. Woran liegt das? Was kann gegen die Inflation getan werden und wie entsteht sie überhaupt?
Die Inflation in Deutschland schwächt sich ab: Mit der aktuellen Inflationsrate von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Inflationsrate auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2021. Dennoch scheinen sich die Preise von Gütern nur langsam zu entspannen – wenn überhaupt.
Das wirft die Fragen auf, wie die Inflationsrate überhaupt entsteht, welche Umstände die Inflation antreiben, was gegen eine hohe Inflationsrate getan werden kann und ob eigentlich alles immer teurer wird.
Als Inflation wird eine allgemeine Preiserhöhung bezeichnet, wodurch das Geld an Wert verliert. Das bedeutet, dass beispielsweise für einen Euro weniger erworben werden kann als zuvor. Wichtig ist dabei, dass es sich um eine allgemeine Preiserhöhung handelt, also nicht nur einzelne Produkte teurer werden.
Die Inflation wird mithilfe der Inflationsrate dargestellt. Diese Rate wird definiert, als der prozentuale Anstieg des Preisniveaus, in einem bestimmten Zeitraum. Dafür wird meist ein Jahr betrachtet. Für die Preisentwicklung werden regelmäßig sogenannte Basisjahre festgelegt. Von diesen Basisjahren wird dann der Anstieg des Preisniveaus berechnet. Erst in diesem Januar wurde als neues Basisjahr der Januar 2020 festgelegt, zuvor war es der Januar 2015.
Das allgemeine Preisniveau setzt sich aus einem Warenkorb aus rund 700 Produkten zusammen. Es werden also die Preisentwicklungen dieser 700 Produkte betrachtet, die möglichst genau das widerspiegeln sollen, was ein durchschnittlicher Haushalt einkauft. Einige der Kategorien sind: Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke, Bekleidung, Schuhe, aber auch Strom und Wasser.
Im Februar 2024 lag die Inflationsrate bei 2,5 Prozent im Vergleich zum Februar 2023. Das bedeutet, dass der gesamte Warenkorb aus den 700 Produkten nach der Gewichtung der einzelnen Produkte um 2,5 Prozent teurer ist, als noch vor einem Jahr.
Tatsächlich geht die allgemeine Inflationsrate etwas zurück und ist momentan auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2021. Zuletzt setzten auch einige Supermärkte die Preise für einige Produkte herab.
Dennoch merken viele Konsumenten kaum etwas von der sinkenden Inflationsrate. Das liegt teilweise daran, dass diese insgesamt zwar sinkt, einzelne Komponenten des Warenkorbs aber nicht. So liegt die Inflationsrate für Lebensmittel beispielsweise bei 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Bekleidung und Schuhe schlagen andererseits mit einer Inflationsrate von 4,6 Prozent höher zu Buche.
Die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand, erklärt: „Die Preissituation bei Energie entspannt sich weiter. Der Preisauftrieb für Nahrungsmittel hat sich deutlich verlangsamt und liegt nun erstmals seit mehr als zwei Jahren unter der Gesamtteuerung.“
Obwohl die Preise in den vergangenen vier Jahren stark gestiegen sind, wie der Gesamtindex zeigt, ist laut Europäischer Zentralbank (EZB) eine Inflationsrate von ein bis zwei Prozent gewünscht, da so die Gefahr einer Deflation und hohen Inflation am geringsten sei. Um eine solche Inflationsrate zu erreichen, kann die EZB den Leitzins verändern. Dieser legt fest, zu welchen Konditionen Banken bei der EZB Geld leihen oder anlegen können.
Bei einer hohen Inflation, wie sie in den vergangenen Jahren der Fall war, reagiert die EZB mit Zinserhöhungen. Der Leitzins liegt momentan bei 4,5 Prozent. So ist „weniger“ Geld im Umlauf und der Wert des Geldes steigt.
Die Friedrich-Ebert-Stiftung merkt allerdings an, dass bei einer Inflation, die von starken externen Faktoren getrieben wird – wie der Corona-Pandemie oder dem Krieg in der Ukraine – eine Erhöhung des Leitzinses nur bedingt helfen kann.
Gegen genau solche externen Faktoren kann die Regierung mit Entlastungspaketen gegensteuern. Seit dem Frühjahr 2022 wurden drei solcher Entlastungspakete beschlossen, um die Auswirkungen der Preissteigerungen etwas abzufedern.
Obwohl es immer eine gewisse Inflation geben sollte, steigt in der Regel ebenfalls das Lohnniveau stetig an. In den vergangenen Jahren sind die Reallöhne allerdings aufgrund der starken Inflation nicht gestiegen, weswegen viele Menschen effektiv weniger Geld zur Verfügung hatten.
Der Reallohn ist der Lohn unter Berücksichtigung der Inflationsrate. Obwohl die Nominallöhne laut Statistischem Bundesamt zuletzt so stark wie seit 2008 nicht mehr gestiegen sind (Anstieg um 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) lag der Anstieg der Reallöhne im Jahr 2023 nur bei 0,1 Prozent und erstmals seit 2019 wieder leicht positiv.
Die obige Grafik zeigt, dass gerade in den vergangenen Jahren die Inflation nicht nur besonders hoch war, sondern die Verbraucher diese auch besonders stark gespürt haben, da die Reallöhne gesunken sind. Ein entscheidender Grund, warum viele Menschen das Gefühl haben, alles würde teurer werden: Auch wenn sich die Inflationsrate normalisiert, die Reallöhne der vergangenen Jahre belasten Verbraucher noch immer.