Berlin Beamte zahlen in die Rentenkasse ein – was würde das bringen?
Im Gegensatz zu Arbeitnehmern in der freien Wirtschaft und einem Teil der Selbständigen zahlen Beamte nichts in die Rentenkasse ein – nehmen aber auch nichts heraus. Doch was würde es bedeuten, wenn Beamte sich am deutschen Rentensystem beteiligen, so wie es Hubertus Heil vorgeschlagen hat?
In Deutschland zahlen Beamte nicht in die Rentenkasse ein. Sie erhalten bei Eintritt in den Ruhestand statt einer Rente ein sogenanntes Ruhegehalt. Doch Teile der Parteienlandschaft sowie einzelne Ökonomen diskutieren, ob sich das ändern sollte. So hat Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) jüngst gesagt: „Wir werden in Deutschland auch darüber diskutieren, wie wir langfristig auch weitere Gruppen in den Schutz der gesetzlichen Rentenversicherung einbeziehen“. Doch würde dies das Rentensystem wirklich entlasten? Um das einzuordnen, lohnt ein genauer Blick auf Gehälter, Abgaben und Renteneinzahlungen.
Einfache Arbeitnehmer zahlen 18,6 Prozent ihres Bruttolohns als Rentenversicherungsbeitrag. Daran beteiligen sich sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer zu jeweils 50 Prozent. Bei Selbstständigen läuft es etwas anders. Sie können sich auf Antrag pflichtversichern lassen oder einzelne freiwillige Beitragszahlungen leisten.
Ganz anders läuft die Absicherung im Alter hingegen bei Beamten. Sie zahlen nicht in die Rentenversicherung ein und bekommen daher auch keine Rente ausgezahlt – auf sie wartet ein Ruhegehalt. Während ihres Berufslebens sind sie dem Staat dafür lebenslang verpflichtet.
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Beamte erhalten im Vergleich zu normal Angestellten ein bedeutend höheres Nettogehalt. Das liegt daran, dass sie keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen. So machen bei einem normalen Arbeitnehmer bei einem Jahresgehalt von 50.000 Euro die Rentenbeiträge ganze 4650 Euro aus, rechnet „Focus“ vor.
Die Zahlen, die das Statistische Bundesamt dazu lieferte, sind bereits von 2018. In diesem Jahr lagen die Personalausgaben von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen bei 292.451 Milliarden Euro. Von diesem Geld werden neben den Beamten auch die normalen Angestellten bezahlt.
So haben sich die Renten in den vergangenen Jahren verändert:
Die Beamtenquote in Deutschland liegt bei 34 Prozent. „Focus“ geht in seiner Rechnung davon aus, dass die Beamten entsprechend rund 34 Prozent der gesamten Personalausgaben erhalten und kommt auf 98,2 Milliarden Euro pro Jahr.
Rechnet man auf diesen Betrag die 18,6 Prozent Rentenversicherungsbeitrag, ergibt sich eine zusätzliche Summe von 18,3 Milliarden Euro für den Rententopf. Auch wenn das erstmal viel klingt, muss man bedenken, dass dieses Geld unter den über 22 Prozent der Menschen im Rentenalter aufgeteilt werden müsste. Zusätzlich müssten auch die Renten der Beamten aus der Rentenversicherung gezahlt werden.
Bei der Rechnung gibt es noch einen weiteren Aspekt zu beachten: Laut dem Statistischen Bundesamt leben Beamte im Schnitt etwa vier Jahre länger als Arbeitnehmer. Somit müsste die Rentenversicherung für Beamte entsprechend länger zahlen.
Die Mehrkosten schätzen die Statistiker auf etwa elf Prozent pro Jahr. Das sind nochmal zwischen 3,3 und 5,9 Milliarden Euro extra, heißt es. Während die Mehreinnahmen in der Rentenversicherung rund 18,3 Milliarden Euro betragen, liegen die geschätzten Zusatzausgaben bei 33,3 bis 59,4 Milliarden Euro pro Jahr.
Mit Beamten in der Rentenkasse könnte das System transparenter werden und es wäre einfacher für den Staat, die Rentenreformen für alle umzusetzen. Das Anpassen verschiedener Systeme würde wegfallen.
Es könnte aber auch teurer werden. So stellen die Wirtschaftsweisen in ihrem Jahresgutachten dar, dass die Rentenversicherung bei einem langsamen Umstieg bis 2070 höhere Einnahmen als Ausgaben gegenüber dem heutigen Stand hätte, ab dem Zeitpunkt aber draufzahlen würde, wenn neue Beamte in Rente gehen.
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