Bremerhaven  Das ärgert die Dänen: Grönland exportiert Fisch und Garnelen nun über Bremerhaven

Christian Eckardt
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Von Christian Eckardt
| 15.03.2024 08:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Schiffe der „Royal Arctic Line“ kommen jetzt regelmäßig nach Bremerhaven. Mit besonderer Ladung aus Grönland. Foto: IMAGO/Andreas Altenburger
Schiffe der „Royal Arctic Line“ kommen jetzt regelmäßig nach Bremerhaven. Mit besonderer Ladung aus Grönland. Foto: IMAGO/Andreas Altenburger
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Der Weg von Grönland nach Europa führt ab sofort direkt über Bremerhaven. Die Reederei Royal Arctic Line steuert mit den Exporten der größten Insel der Welt den Containerhafen in Norddeutschland an. Aus dem Mutterland Dänemark gibt es Kritik.

Die grönländische Staatsreederei Royal Arctic Line (RAL) nimmt den Eurogate-Containerterminal in Bremerhaven in ihren Fahrplan auf. Jeden Montag soll ein Frachter ankommen. Exportiert werden vor allem Fisch und Garnelen, für den Rückweg kommt alles an Bord, was die 56.000 Menschen auf der größten Insel der Welt für ihren Alltag benötigen.

In Dänemark stößt der neue Fahrplan der Reederei auf Kritik, weil der Hafen von Aarhus befürchtet, Ladung zu verlieren. 40.000 Container bewegen die Grönlander dort pro Jahr. Zusätzlich wird auf der „roten Linie“ aber auch noch Helsingborg in Schweden angelaufen.

Reederei-Manager John Aage Nielsen hat in dänischen Medien die Entscheidung für Bremerhaven damit begründet, dass viele Kunden sich den Anlauf eines deutschen Hafens gewünscht hätten. Mit dem Anlauf von Bremerhaven könne die Reederei aber auch Treibstoff sparen. Aage Nilsen spricht von annähernd gleichen Frachtaufkommen für Aarhus, ergänzt jedoch: „Auf lange Sicht wird es aber selbstverständlich sein, dass Waren, die für Europa bestimmt sind, nach Bremerhaven gehen.“ Grönländische Exporteure hätten aber auch vielfach Kühlhäuser in Dänemark. „Es liegt an ihnen, wo die Waren landen“.

Die Ankündigung der Reederei sorgt für Unruhe. Befürchtung: Die grönländische Reederei könne sich ganz aus Aarhus zurückziehen, weil gerade erst auch die dänische Container-Reederei Maersk angekündigt hat, die direkte Asien-Route mit großen Schiffen 2025 ab Aarhus einzustellen. Die Ladung für Aarhus soll in Bremerhaven auf kleinere Feederschiffe umgeladen werden.

Grönlands wichtigste Exportgüter sind Fisch und Schalentiere wie Tiefseegarnelen. 2023 betrug der Anteil dieser Güter 92 Prozent. Zu den größten Kunden von RAL gehört auch Royal Greenland, einer der weltweit größten Lieferanten von Fisch und Schalentieren. In Cuxhaven betreibt das Unternehmen zwei Fabriken für Garnelen und Seehasenrogen. Wie die dänische Tageszeitung Din Avis Aarhus berichtet, sei man bei Royal Greenland zur Entscheidung, Bremerhaven anzulaufen, befragt worden. Direktorin Susanne Arfelt Rajamand habe diese Initiative unterstützt. Es biete die Chance, das Geschäft auszubauen.

Gänzlich unbekannt ist die grönländische Staatsreederei in Bremerhaven nicht. Denn in den vergangenen Jahren hat das Polarforschungsinstitut AWI schon mehrfach eines der roten Frachtschiffe gechartert.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Nordsee-Zeitung in Bremerhaven.

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