Hamburg  Empfehlungen des Bürgerrats: Die beste Idee muss gewinnen

Julia Falkenbach
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Von Julia Falkenbach
| 14.03.2024 16:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Philipp Amthor (CDU) lobte in seiner Rede die Empfehlungen des Bürgerrats, kritisierte jedoch dessen Existenz. Foto: dpa/Jonathan Penschek
Philipp Amthor (CDU) lobte in seiner Rede die Empfehlungen des Bürgerrats, kritisierte jedoch dessen Existenz. Foto: dpa/Jonathan Penschek
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Die Debatte über die Vorgaben für Lebensmittel des Bürgerrats zum Thema Ernährung artete in zwei Teile aus: die Frage, ob Bürgerräte die Demokratie schwächen – und das eigentliche Thema der Debatte. Schade, denn die konstruktiven Ansätze ohne moralischen Zeigefinger verdienen mehr Aufmerksamkeit.

Es ist eine Schande, dass es so viel billiger und einfacher ist, sich ungesund zu ernähren, als gesund. Eine Schale Erdbeeren kostet das Dreifache einer Packung Gummibären. Gesunde Ernährung ist längst zu einem Privileg der Besserverdiener geworden.

Dieser Missstand muss behoben werden – und die Empfehlungen des Bürgerrats für Ernährung zeigen, wie das gelingen könnte. So sollen beispielsweise die Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse abgeschafft werden und Lebensmittel dank einer verpflichtenden, unabhängigen Kennzeichnung schneller als ungesunde Kalorienbombe entlarvt werden können. Der aktuell verwendete Nutri-Score ist zum einen freiwillig, zum anderen beruhend auf Angaben der Unternehmen, die sich die Produkte mit kleinen Anpassungen schönrechnen können.

Warum die Empfehlungen des Bürgerrats so wertvoll sind, zeigt sich deutlich im Vergleich zu jenen kürzlich vorgestellten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Deren rigorosen Ratschläge (nur ein Ei pro Woche, weitgehend vegan, am besten kein Zucker, Salz oder Fett) stießen bei vielen zu Recht auf Ablehnung und Trotz, frei nach dem Motto: Von euch lass’ ich mir nicht das Schnitzel verbieten! Nun möchte und sollte das auch niemand. Verbotspolitik mit der Moralkeule bringt nichts; erst recht nicht bei einem so persönlichen Thema wie Ernährung.

Gerade weil die Vorschläge dank ihrer Überparteilichkeit und Sachlichkeit so konstruktiv sind, ist es umso bedauerlicher, dass in der Bundestagsdebatte zum Thema viel zu wenig darüber gesprochen wurde. Die Opposition befürchtet eine Aushöhlung der parlamentarischen Demokratie durch Bürgerräte und streift die inhaltlichen Vorschläge nur oberflächlich. Die schärfste inhaltliche „Kritik“ an den Vorschlägen der Bürgerräte, vorgetragen von Vertretern der AfD und der FDP: Kostenloses Kitaessen sei sozial ungerecht, schließlich würden auch die Kinder von Besserverdienern davon profitieren. Wer kostenfreie Spaghetti für Kleinkinder als größtes Problem identifiziert, könnte auch einfach sagen: Danke für die inhaltlichen Impulse, lieber Bürgerrat, jetzt übernehmen wir!

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