Jugendkriminalität explodiert Entsetzen über junge Straftäter
Die Kinder- und Jugendkriminalität in den Landkreisen Aurich und Wittmund ist geradezu explodiert. Polizeichef Stephan Zwerg fordert Konsequenzen.
Aurich/Wittmund - Die Kinder- und Jugendkriminalität hat in den Landkreisen Aurich und Wittmund ein Rekordhoch erreicht. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 1421 Straftaten Minderjähriger. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 36,2 Prozent. Kinder und Jugendliche begingen vorwiegend Diebstähle, Körperverletzungen und Sachbeschädigungen.
Allein 174 Straftaten gehen auf das Konto einer 18-köpfigen Bande von Tätern im Alter von 14 bis 21 Jahren, die in der Auricher Innenstadt eine Serie von Raubüberfällen, Körperverletzungen, Autoaufbrüchen und Diebstählen begangen hatte. Die Jugendlichen und Heranwachsenden seien immer wieder in unterschiedlichen Zusammensetzungen aufgetreten, sagte Polizeichef Stephan Zwerg am Mittwoch bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2023 – mal zu dritt, mal zu viert, mal zu acht. „Die kannten sich alle locker und verabredeten sich zu Straftaten.“ Zu den Opfern gehörten auch Prostituierte. Diese waren in ihren Wohnungen überfallen und mit Messern verletzt worden.
Junge Intensivtäter werden importiert
Die Polizei richtete seinerzeit eine Ermittlungsgruppe ein, um der Bande das Handwerk zu legen. Es habe viele Durchsuchungen gegeben, sagte Kripo-Chef Dirk Oidtmann. Sieben Tatverdächtige kamen im Juni 2023 in Untersuchungshaft. „Die waren schon mit sehr hoher krimineller Energie unterwegs“, sagte Zwerg. Einer der Haupttäter sei erst 14 Jahre alt, berichtete Oidtmann. Bei der Festnahme sei er selbst dabei gewesen, so der Kripo-Chef. Dem Jugendlichen habe jeglicher Respekt vor der Staatsgewalt gefehlt. „Das war schon erschreckend.“
Zwerg wies zudem darauf hin, dass zunehmend schwer erziehbare und kriminelle Kinder und Jugendliche aus anderen Bundesländern in ostfriesischen Einrichtungen untergebracht würden. Auf diese Weise wollten andere Kommunen Kosten sparen, denn Immobilien- und Personalkosten seien hier geringer als in Großstädten. Auch die Straftaten dieser Intensivtäter flössen in die hiesige Kriminalstatistik ein.
„Kein Mensch wird kriminell geboren“
„Die kommen ja nicht nach Ostfriesland und sagen: Ich hör jetzt auf damit“, sagte Zwerg. Die steigende Kinder- und Jugendkriminalität sei nicht unwesentlich auf diesen Personenkreis zurückzuführen. „Da sitzt dann in manchen Einrichtungen eine Person nachts und hat sieben oder acht Hochkaräter in der Unterbringung“, so der Polizeichef. „Was soll der denn machen, wenn die aus dem Fenster steigen?“
Der Polizeichef warf ein grundsätzliches Problem auf: „Wir fangen viel zu spät an, mit den Kindern und Jugendlichen zu arbeiten.“ Sie seien meist schon im Grundschulalter auffällig, spürten aber keinerlei Konsequenzen. Es mangele an Prävention und Fürsorge. „Kein Mensch wird kriminell geboren“, sagte Zwerg. „Es wäre vieles zu verhindern gewesen, wenn man früher die Warnzeichen erkannt und bekämpft hätte. Ich glaube, das ist etwas, wo wir in Zukunft ranmüssen.“