Hamburg Wie es vor der Weltpremiere von „Hercules“ hinter den Kulissen zugeht
Am 24. März 2024 feiert das Disney-Musical „Hercules“ in Hamburg Weltpremiere. Bei einem Backstage-Besuch wird schnell klar: In Marmor gemeißelt ist hier noch lange nichts.
Bald stehen sich Hercules und Hades Auge in Auge gegenüber. Doch zunächst einmal sitzen sie Rücken an Rücken. Und zwar weder auf dem Olymp noch in der Unterwelt, sondern im Reich von Make-up-Künstler Kirk Cambridge-del Pesche. Der Broadway-Stylist ist Chef in der Maske im Stage Theater Neue Flora an der Hamburger Holstenstraße. Hier feiert das Disney-Musical „Hercules“ am 24. März Weltpremiere. Zu Beginn der heißen Proben-Phase durfte sich unsere Redaktion hinter den Kulissen umschauen.
An diesem Nachmittag steht die erste Durchlaufprobe an, das heißt, nachdem zuvor nur einzelne Szenen geprobt wurden, soll nun das ganze Stück einmal durchgespielt werden. „Ich bin aber nicht sicher, ob das heute wirklich etwas wird“, sagt Detlef Leistenschneider, der die Rolle des Hades spielt, aber gerade noch etwas mit seinen Haaren hadert. Die blaue Perücke macht noch nicht genug her, sie geht noch einmal hoch in den 5. Stock.
Dort hat Mia Neal ihre Werkstatt. Die US-Amerikanerin erhielt für die Frisuren im Film „Ma Rainey’s Black Bottom“ einen Oscar – es ist nur der bekannteste der vielen Preise, mit denen die Perücken- und Haar-Designerin bereits ausgezeichnet wurde. Die blaue Perücke des Hades hebt sich von den rund 100 anderen in Hercules ab, ist sie doch aus Yakhaar gefertigt. „Das Haar steht besonders kraft- und effektvoll ab“, weiß Neal. Apropos Effekt: Bis zur Premiere wird Hades‘ blaues Haupthaar in stundenlanger Handarbeit nun noch etwas verlängert und aufgehübscht.
Denn noch ist hier nichts in griechischen Marmor gemeißelt. Nicht täglich würden Bühnenbild, Dialoge und Abläufe neu angepasst, sagt Thomas „Tom“ Schumacher, sondern stündlich. Disneys Chief Creative Officer ist aus New York nach Hamburg gekommen. Seit 1988 arbeitet er für Disney, ein alter Hase also, aber mit typisch amerikanischem jugendlichen Elan. Schumacher redet schnell, wird nur gelegentlich übertönt von Sound-Effekten und Musik-Einspielungen hinter ihm. Er steht mit dem Rücken zur Bühne im Saal und ist begeistert von der Größe des Theaters, wo er bereits den Erfolg von „Aladdin“ verantwortete.
Größter Unterschied zur Musical-Atmosphäre in den USA? „Die Pause“, sagt Schumacher. „Ihr geht in Deutschland zwischendurch alle raus, das ist sehr ungewöhnlich für uns Amerikaner.“ Rund zwei Stunden Spielzeit wird „Hercules“ am Ende haben, aber, na klar, „nur ungefähr, genau wissen wir es jetzt selbst noch nicht.“
Das Bühnenbild ist eine amerikanisch-britische Co-Produktion. Dane Laffrey hat außer am Broadway schon Theater in Japan, Norwegen und Australien in Szene gesetzt, der Brite George Reeve ist als Video Designer für die nötigen optischen Effekte im Hintergrund zuständig. Der besondere „Hercules“-Clou: Requisite und Video-Einspielungen sollen zu einer Einheit verschmelzen.
Zur Veranschaulichung lässt Reeve das Titel-Motiv an die Wand werfen, auf dem sich die Konturen des antiken Helden aus Mosaiken zusammensetzen. Davor beginnen sich griechische Säulen zu drehen. Die Erklärung von Dane Laffrey geht im Getöse der einsetzenden Musik unter, doch die imposanten Bilder sprechen für sich.
Trotz aller Unwägbarkeiten vor einer Musical-Weltpremiere: Sky Switser und Gregg Barnes haben die Ruhe weg. Für die vielfach ausgezeichneten Kostümbildner vom Broadway ist es bereits die 45. gemeinsame Produktion, was sind da schon ein paar kurzfristige Änderungen mehr oder weniger? Switser schnappt sich eines der 266 Kostüme von einem der aneinander gereihten Kleiderständer. „Das gehört Hades und fängt auf der Bühne an zu rauchen“, sagt er lächelnd, bevor er sich zu einem kleinen Bildschirm an der Wand umdreht. Zu sehen und zu hören sind die fünf Musen auf der Bühne – die Durchlaufprobe hat begonnen.