Erneuerbare Energien Mehr Windkraft statt Photovoltaik in der Krummhörn
Welche Möglichkeiten für Photovoltaikanlagen in großem Stil bietet die Krummhörn? Geringe, sagt eine Studie. Dafür könnten weitere Windkraftanlagen entstehen.
Krummhörn - Deutschland möchte das Zeitalter der fossilen Energie hinter sich lassen. Dieser Wandel ist auch in der Krummhörn spürbar. Doch nicht alle Formen der erneuerbaren Energie sind dafür geeignet, in der Gemeinde weiter ausgebaut zu werden. Das hat eine aktuelle Potenzialstudie zu Windkraft und Freilandphotovoltaik (Freiland-PV) in der Krummhörn nun bewiesen. Die Studie wurde am Donnerstag, den 7. März 2024, beim geteilten Ausschuss zu Umwelt, Klima, Planung und Infrastruktur in Pewsum vorgestellt.
Politik, Verwaltung und auch viele Bürger waren anwesend, um zu hören, welche Möglichkeiten die Krummhörn für den Bau von Windkraftanlagen und Solarparks auf dem Gemeindegebiet bereithält. Die Antwort ist laut Potenzialanalyse eindeutig: Für den Bau von Windkraftanlagen weist die Krummhörn noch einige Kapazitäten auf, aber Solarparks wird es in dieser Form in der Kommune voraussichtlich nicht geben.
Photovoltaik: Strenge Regeln für Eignung
Nachdem der nicht-öffentlich tagende Verwaltungsausschuss (VA) des Rates zu Beginn des vergangenen Jahres den Auftrag für die Studie gegeben hatte, wurde von der Firma Thalen Consult aus Neuenburg ermittelt, auf welchen Flächen PV-Anlagen entstehen könnten.
Laut den Ingenieuren Gerke Galts und Rolf Bottenbruch, welche die Potenzialanalyse in der IGS Hinte-Krummhörn vorstellten, bietet die Gemeinde nur sehr begrenzte Flächen für den Bau von Freiland-PV-Anlagen. Das läge vor allem an den strengen Regeln, welche eine Fläche als Potenzialgebiet für Freiland-PV auswiesen. Besonders die Landwirtschaft ist hier von großer Bedeutung. Landwirtschaftlich wertvolle Gebiete kämen nicht für den Bau von Freiland-PV in Frage.
Kleinere Flächen kommen in Betracht
Denn im Gegensatz zu Windkraftanlagen, die sich hoch über der Erde erheben, werden PV-Module nur in einem geringen Abstand zum Boden angebracht. „Konventionelle Landwirtschaft ist dann nicht mehr möglich“, so Galts von Thalen Consult. „Höchstens kleinere Tiere, wie Schafe, Hühner oder Puten könnten noch unter und zwischen den Modulen umherlaufen.“
Hinzu kommt die Berechnung der Bodenzahl, welche die Ertragsfähigkeit der Böden bestimmt. Je höher die Bodenzahl, desto wertvoller ist der Boden für die Landwirtschaft. Bei einer Bodenzahl unter 50 kann davon ausgegangen werden, dass der betreffende Boden keinen großen Mehrwert für die Landwirtschaft hat. In der Gemeinde Krummhörn gibt es solche Flächen allerdings nicht.
Wenn man sich ganz streng an diese Regeln halte, dann gäbe es in der gesamten Krummhörn keine geeigneten Flächen, die für den Ausbau von Freiland-PV in Frage kämen, heißt es von Thalen Consult. Lediglich eine kleine Fläche im Süden, Richtung Emden, könne man eventuell in Betracht ziehen. Dort sei die Bodenzahl zwar höher als 50, aber nur in geringfügigem Maße, erklärt Galts. Außerdem sei die Bodenzahl lediglich eine Richtlinie, aber kein Ausschlusskriterium für die Eignung als Fläche für eine PV-Anlage.
Krummhörn: Mehr Windräder sollen kommen
Im Idealfall würden rund 0,5 Prozent des Gemeindegebiets, das entspricht ungefähr 80 Hektar, für Freiland-PV ausgewiesen. Das sei aber nur als Orientierung gedacht und ein Nichterfüllen dieses Ziels sei keineswegs mit Sanktionen verbunden, wie es bei Windkraftanlagen der Fall sei, erklärt Galts. Das heißt für die Kommune, dass mehr Freiflächen-Photovoltaik zwar erstrebenswert sei, aber keineswegs verpflichtend.
Politik und Verwaltung sehen das ähnlich. Statt PV-Anlagen auf wenig geeigneten Flächen sollen lieber noch mehr Windkrafträder kommen.
In der Nachbargemeinde Hinte hingegen beschloss der Rat bereits erste Schritte, um einen 25 Hektar großen Solarpark nahe der Autobahnausfahrt Pewsum entstehen zu lassen. Dort soll ein neues kombiniertes Gewerbegebiet mit anschließender Freiland-PV gebaut werden, der Rat stimmte bereits der Änderung des Flächennutzungsplanes zu. In der Krummhörn setzt man stattdessen auf Windkraft.
Deutschland hat ambitionierte Klimaziele: Bis zum Jahr 2040 sollen in der Bundesrepublik bis zu 400 Gigawatt an Energie ausschließlich durch Photovoltaik gewonnen werden. Im Jahr 2023 belief sich dieser Wert auf rund 81 Gigawatt pro Jahr, verteilt auf 3,7 Millionen Anlagen, laut aktuellen Statistiken des Frauenhofer Instituts.