Bielefeld  Ehemaliger Profi-Boxer in Bielefeld erschossen: Wer war Besar Nimani?

Jürgen Mahncke, Paul Brinkmann, Jens Reichenbach
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Von Jürgen Mahncke, Paul Brinkmann, Jens Reichenbach
| 11.03.2024 17:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Blumen, Trauerkerzen und ein Foto erinnern in der Bielefelder Innenstadt an den 38-Jährigen, der dort am Samstagabend erschossen wurde. Foto: dpa/Friso Gentsch
Blumen, Trauerkerzen und ein Foto erinnern in der Bielefelder Innenstadt an den 38-Jährigen, der dort am Samstagabend erschossen wurde. Foto: dpa/Friso Gentsch
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In der Bielefelder Fußgängerzone ist am frühen Samstagabend der Ex-Boxer Besar Nimani tödlich getroffen worden. Zeugen berichten, dass zuvor zwei Männer in einem Café auf ihr Opfer gewartet hätten. Die Täter sind weiterhin auf der Flucht. Was ist passiert? Eine Spurensuche.

Fundorte von Patronenhülsen und anderen Beweisstücken sind mit kleinen Kreisen auf dem Pflaster eingangs der Fußgängerzone Obernstraße, Ecke Klasingstraße durch die Spurensicherung markiert worden. Etwa 16 Schüsse müssen der oder die Täter am Samstag gegen 18 Uhr auf den Ex-Profiboxer Besar Nimani abgegeben haben. Mehrere Magazine wurden vermutlich leergeschossen, abgefeuert auf den 38-Jährigen.

Mit einem 3-D-Scanner analysieren Ermittler der Mordkommission „Ober“ am Sonntagmittag den Tatort. Statt mit Zollstock und Kreide wird die Umgebung digital erfasst. Später kann das Panorama dann exakt am Schreibtisch ausgewertet werden. Am Samstagabend geht es wie ein Lauffeuer durch die gesamte Stadt: In der Fußgängerzone sind Schüsse gefallen, ein Mann wurde getroffen, alles ist abgesperrt.

Gegen 18.30 Uhr sind zahlreiche Polizeiautos und Rettungskräfte vor Ort. Die Lage ist zunächst unklar. Das Polizeiflatterband hindert daran, weiter zum Tatort vorzudringen. Auskünfte gibt es von der Polizei keine. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr, heißt es lapidar. Die Beamten haben einen weißen Sichtschutz aufgebaut. Er verdeckt den Blick auf das tödlich getroffene Opfer. Vor den Sperrbändern haben sich vermutlich Freunde und Angehörige des Toten versammelt, diskutieren. Die Stimmung ist aggressiv.

Wer ist der Tote? Aus verschiedenen Quellen ist zu hören, dass es sich um den 38-jährigen Ex-Profiboxer Besar Nimani handeln soll. Dies wird bald zur Gewissheit, denn auch seine Ehefrau hat sich zum Tatort begeben. Das Tatgeschehen liegt zunächst im Dunkeln.

In einer Pressemitteilung der Polizei, die am Samstag um 22.09 Uhr veröffentlicht wird, heißt es: „Nach den derzeitigen Erkenntnissen hielt sich der Bielefelder gegen 18 Uhr im Bereich der Obernstraße in Höhe der Klasingstraße auf. Dort näherten sich ein oder mehrere Täter und schossen auf das Opfer. Der Bielefelder mit kosovarischer Staatsangehörigkeit verstarb aufgrund der Schwere seiner Verletzungen noch am Tatort. Im Bielefelder Stadtgebiet läuft derzeit ein größerer Polizeieinsatz. Die Fahndung nach dem Täter oder den Tätern dauert an.“

Zu diesem Zeitpunkt hatten Recherchen der Neuen Westfälischen bereits ergeben, wer der Tote ist. Er parkte kurz vor 18 Uhr seinen BMW X5 verbotswidrig eingangs der Fußgängerzone. Als Nimani sein Auto verlässt, kommen nach Zeugenaussagen zwei Männer auf ihn zu und schießen auf den Mann. Die beiden Männer sollen sich vorher in einem kleinen Café aufgehalten und dort auf ihr Opfer gewartet haben, heißt es von Zeugen. Bestätigt wird das von den Ermittlern nicht. Nach der Tat flüchten die Täter vermutlich Richtung Alter Markt.

Passanten, die das Geschehen beobachtet haben, sind fassungslos. „In der guten Stube Bielefelds werden trotz der vielen Passanten tödliche Schüsse abgefeuert. Mir wird angst und bange“, sagt ein älterer Mann. In der Nacht wird ein möglicher Täter im Bolbrinkersweg im Stadtbezirk Gadderbaum festgenommen. Er ist schnell wieder auf freiem Fuß. In der Innenstadt kontrolliert ein Spezialeinsatzkommando mehrere Wohnungen, ohne Erfolg. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass sich Opfer und Täter gekannt haben müssen.

Besar Nimani wurde 1985 in Mitrovica geboren und kam 1997 nach Bielefeld. Dort begann er mit dem Boxen bei der Sportvereinigung Brackwede. Nimani wurde Westfalenmeister und westdeutscher Meister. Als Profi gewann er seinen ersten Kampf 2011. 2012 wurde er Europameister im Halbmittelgewicht der International Boxing Federation (IBF). 2014 wurde er internationaler Meister der IBF. Seinen letzten Profikampf gewann Nimani 2019.

Doch Nimani begleiten nicht nur sportliche Erfolge. Er eckt auch immer wieder an. Im Dezember 2012 griff Nimani einen Mann an und wurde vom Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt. Monate später geriet Nimani gemeinsam mit seinem Bruder und einem Begleiter in einem Imbiss in der Innenstadt in einen Streit.

Weiterlesen: Tod von Besar Nimani: Die Gerüchteküche brodelt

Dabei soll Nimanis Bruder dem gegnerischen Mann eine Flasche auf den Kopf geschlagen haben. Der Angegriffene zog daraufhin eine Waffe und schoss um sich. Dabei wurde Besar Nimani am Bein und im Gesäß getroffen. Das Landgericht Bielefeld verurteilte den Schützen unter Anerkennung der Notwehr wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Bewährungsstrafe. Während des Prozesses machte Nimani auf sich aufmerksam, da er förmlich ausrastete, da er sich von der gegnerischen Verteidigung provoziert fühlte.

2016 betätigte die Ehefrau den Notruf wegen häuslicher Gewalt. Schwer bewaffnete Polizisten rückten damals zum Wohnhaus des Boxers aus.

Die Mordkommission „Ober“ bittet Zeugen, die Angaben zur Tat machen können oder Bild-/Videomaterial angefertigt haben, sich an die Polizei Bielefeld unter (0521) 545-0 oder jede andere Polizeidienststelle zu wenden.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der Neuen Westfälischen in Bielefeld.

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