Infrastruktur  Score eröffnet Emdens erste Raststätte für Lkw und Busse

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 11.03.2024 17:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Für das Projekt Rastplatz am Start: Anja Manssen und Klaus Frerichs. Foto: Schuurman
Für das Projekt Rastplatz am Start: Anja Manssen und Klaus Frerichs. Foto: Schuurman
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Auch am Ende der Autobahn 31 kann jetzt gerastet werden: Score eröffnet eine erste Parkanlage für Lkw und Reisebusse in Emden.

Emden - Darauf haben Lkw-Fahrer sowie manche Anlieger lange gewartet: Emden bekommt die erste Raststätte für Lastkraftwagen. Anfang Mai will Score den Rastplatz an der Frisiastraße nahe des Außenhafens eröffnen. Er sieht zunächst 28 Stellplätze für Lkw, aber auch für Reisebusse und Pkw-Gespanne mit Wohnwagen vor.

Nicht nur für Emden, auch für Score ist es die erste Anlage dieser Art, wie Klaus Frerichs, verantwortlich für die Netzentwicklung in dem Emder Unternehmen, bei einem Pressegespräch vor Ort erklärte. Und man fängt zunächst auf halber Fläche an. Auf 6000 Quadratmeter werden aktuell noch Restarbeiten bei der Pflasterung der Stellplätze erledigt, diese Woche soll die finale Asphaltdecke für die Fahrspuren aufgetragen werden. Nochmal so viel Platz stünde bei entsprechender Nachfrage zur Verfügung. „Gegebenenfalls für feste Stellplätze von Kunden oder beispielsweise für die Lkw-Wäsche“, sagte Frerichs. „Da warten wir aber erst mal ab.“

Blick von der Tanksäule auf den künftigen Rastplatz. Foto: Schuurman
Blick von der Tanksäule auf den künftigen Rastplatz. Foto: Schuurman

Hoher Bedarf an Rastplätzen für Lkw

Seit etwa fünf Jahren sei die Idee, den Rastplatz für Lkw zu bauen, gereift. Es habe bestärkende Gespräche mit der Stadt Emden gegeben, auch hinsichtlich des Angebots für Reisebusse. Versuche aber, Fördergelder für eine solche Anlage beim Land zu bekommen, seien gescheitert, obwohl bundesweit der Bedarf an Rastplätzen für den Lkw-Verkehr bekannt sei. „Wir sind hier aber kein Knotenpunkt“, sagte Frerichs. „Trotzdem wollen wir uns hier für die Zukunft aufstellen und die Situation vor Ort entzerren.“

Entlang des Außenhafens bis ins Gewerbegebiet rund ums Dollartcenter stehen die Lkw auf Standstreifen, deren Fahrer Pausen machen müssen oder übernachten wollen. Für Zulieferer von VW und des gesamten Frisiaparks oder auch in anderen Stadtteilen Emdens gab es bisher keine andere Möglichkeit, als „wild“ zu parken. Immerhin war an der Straße Zum Nordkai zuletzt ein deutlich breiterer Standstreifen für Lkw eingerichtet worden, auch Abfallbehälter wurden dort aufgestellt. Tatsächlich gab und gibt es immer wieder Klagen von Anliegern darüber, dass Lkw-Fahrer ihren Müll sonst eben dort hinterlassen, wo sie einen Parkplatz und Einkaufsmöglichkeiten finden konnten.

Könnte vom Rastplatz profitieren: die Score-Tankstelle an der Frisiastraße. Foto: Schuurman
Könnte vom Rastplatz profitieren: die Score-Tankstelle an der Frisiastraße. Foto: Schuurman

Parken, Duschen und Wäsche waschen

Seitens der Score hofft man nun darauf, dass ein Teil der Berufskraftfahrer künftig den neuen Rastplatz anfährt. Die Nutzung ist anders als auf dem Standstreifen natürlich nicht umsonst, sie sei aber insbesondere auf die Ruhezeitverordnungen von Kraftfahrern angepasst. So kostet eine Stunde Parken drei Euro, vier Stunden fünf Euro und zwölf Stunden zehn Euro. Inklusive ist dann die Nutzung der Toilettenanlage. Duschen kostet mit fünf Euro nochmals extra. Dafür sind Sanitär-Container aufgestellt. Es soll auch noch eine Waschanlage dazukommen - der gleiche Kompakt-Container mit Industriewaschmaschinen, wie er an der Score-Tankstelle an der Petkumer Straße steht. Alles funktioniert bargeldlos. Und nur mit dem QR-Ticket gibt es auch Zugang zur Toilettenanlage.

Alles untergebracht im „Raotel“-Appartement: WC und Waschgelegenheit samt Dusche. Foto: Schuurman
Alles untergebracht im „Raotel“-Appartement: WC und Waschgelegenheit samt Dusche. Foto: Schuurman

Schon in Betrieb gegangen ist das „Roatel“ - eine Namenschöpfung aus Road und Hotel. „Ein Raotel ist ein komfortables Mikrohotel mit vier Einzelzimmern, die in einem geräumigen Seefrachtcontainer eingebaut sind“, wirbt das gleichnamige Beherbergungsunternehmen aus Düsseldorf, das diese Container bundesweit an Raststätten betreibt. Eigentlich sind es vier Miniatur-Appartments. Auf kleinstem Raum gibt es Bett, Dusche und WC. Gebucht werden kann die Unterkunft ausschließlich online ab 49 Euro die Nacht. Das Angebot richtet sich auch, aber nicht nur an Berufskraftfahrer. Das „Roatel“ wird unabhängig vom übrigen Rastplatz betrieben.

Tankstelle könnte von Rastplatz profitieren

Weil auch der Rastplatz autark ist, hat die Score-Anlage zunächst nichts mit der schon bestehenden Score-Tankstellenanlage nebenan zu tun. So gebe es zwar keine Verzehrgutscheine für Rastplatz-Nutzer wie es sonst auf Autohöfen üblich ist. Synergien für den Tankstellen-Pächter erhoffe man sich aber dennoch, so Frerichs.

Könnte vom Rastplatz profitieren: die Score-Tankstelle an der Frisiastraße. Foto: Schuurman
Könnte vom Rastplatz profitieren: die Score-Tankstelle an der Frisiastraße. Foto: Schuurman

Die gesamte Anlage soll am 7. Mai mitsamt Schrankenanlage und Begrünung fertig sein, erklärte Score-Projektleiterin Anja Manssen. Die Bauarbeiten hätten sich wetterbedingt ziemlich in die Länge gezogen. Der viele Regen habe außerdem nochmals dazu beigetragen, dass der Erdaushub auf dem schwierigen Kleiboden und die „Unterfütterung“ für den Parkplatz aufwendiger geworden seien. Schließlich müsse die Pflasterung dem Schwerlastverkehr standhalten. Zu den Kosten des Projekts äußerten sich die Projektleiter allerdings nicht. „Wir müssen die Anlage jetzt natürlich entsprechend bewirtschaften, auch ohne Förderung“, sagte Frerichs.

Ist erst im August 2023 in Betrieb gegangen: die Waschhalle der Score an der Frisiastraße. Foto: Schuurman
Ist erst im August 2023 in Betrieb gegangen: die Waschhalle der Score an der Frisiastraße. Foto: Schuurman

Mit einer Auslastung können die Betreiber aber wohl fest rechnen. Die nächsten Autobahn-Raststätten sind viele Kilometer weit entfernt, 50 Kilometer weiter in Rhede ist ein Autohof im Aufbau. Auf der A 31 ist die nächste Raststätte „Ems-Vechte“ 120 Kilometer entfernt, bis zum Autohof Apen-Remels auf der A28 sind es 45 Kilometer.

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