Personal am Klinikum Leer Klinikum-Chef und Ärztlicher Direktor gesucht – Chefarzt geht
Nachdem Klinikum-Chef Holger Glienke seinen Abschied ankündigte, wird bald auch ein Ärztlicher Direktor gesucht werden müssen. Ein Arzt muss sein Skalpell erst einmal niederlegen.
Leer - Zuerst kündigte der Geschäftsführer seinen Abschied an, nun gibt es noch zwei weitere Entwicklungen: Aber eins nach dem anderen. Kürzlich bat Holger Glienke in gegenseitigem Einvernehmen um die Aufhebung seines Vertrages als Klinik-Chef zum Jahresende. Nun geht auch die Zeit von Dr. Hans-Jürgen Wietoska als Ärztlicher Direktor am Klinikum bald zu Ende. „Ende August werde ich diesen Teil meiner Tätigkeit auslaufen lassen“, erklärt er. Seit Jahrzehnten habe er den Posten als Ärztlicher Direktor innegehabt. „Es wird sicherlich nicht ganz einfach, eine Nachfolge zu finden“, sagt er. Von 1991 bis 2016 lenkte Hans-Jürgen Wietoska als Chefarzt die Geschicke der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin. Seit 2009 sei er zudem Ärztlicher Direktor und damit auch Mitglied der Krankenhausleitung gewesen, heißt es vom Klinikum.
Wieso geht der Geschäftsführer?
Vor Wietoska hatte Holger Glienke als Geschäftsführer seinen Abschied angekündigt. In einem Brief an die Mitarbeiter, der der Redaktion vorliegt, erklärte er, dass 2024 sein letztes Jahr in Leer sein werde. „Nach 21 Jahren beende ich meine Tätigkeit aus sehr persönlichen Gründen“, so Glienke. Zukünftig wolle er mehr Zeit seiner Familie widmen. „Meine Frau und ich kehren zurück nach Schleswig-Holstein und sind somit auch unseren inzwischen erwachsenen Kindern örtlich wieder näher“, schreibt er.
Wie lief es für ihn und das Klinikum?
Holger Glienke arbeitete seit April 2003 an führender Stelle für die Klinik, zunächst als Betriebsleiter des damaligen Kreiskrankenhauses, nach der Umwandlung in eine gGmbH 2004 als Geschäftsführer des Klinikums. Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen. „Das Klinikum war über zwei Jahrzehnte mein berufliches Zuhause. Ich hatte das große Glück, hier gestalten zu dürfen und eine Erfolgsgeschichte zu schreiben“, so Glienke.
Er beschreibt, dass er das Klinikum vom kleinen, defizitären Kreiskrankenhaus mit 220 Betten und 500 Mitarbeitern zu einem Gesundheitsunternehmen mit drei Kliniken (Leer, Weener, Borkum), 475 Betten und 1400 Mitarbeitern gemacht habe. „Unsere Kliniken sind baulich und medizin-technisch sowie medizinisch-pflegerisch und konzeptionell auf der Höhe der Zeit und bereit für die Anforderungen der Zukunft“, schreibt er. Der wirtschaftliche Erfolg des Klinikums sei im Vergleich zu anderen Kliniken bundesweit eine absolute Ausnahme.
Wer wird die Nachfolge von Glienke und Wietoska übernehmen?
Für beide Posten – Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor – wird also nun eine Nachfolge gesucht. Das bestätigt das Klinikum auf Nachfrage. In Sachen Nachbesetzung liege die Entscheidungshoheit beim Träger. Genauer gesagt beim Aufsichtsrat. Der werde sich „in den nächsten Monaten damit beschäftigen“, schreibt Jannick Brünink, Sprecher des Klinikums. Geplant sei für den Geschäftsleiter-Posten „eine Nachfolge im vierten Quartal dieses Jahres zu etablieren.“
Das gleiche gelte für die Besetzung beziehungsweise Ernennung des Ärztlichen Direktors, so Brünink. Welche Voraussetzungen gibt es? Der Ärztliche Direktor müsse aus dem Kollegium der Chefärzte stammen. Er werde ebenfalls durch den Aufsichtsrat bestellt – im Einvernehmen mit der Geschäftsführung. Der Posten werde für die Dauer von jeweils drei Jahren besetzt. Im Falle von Wietoska laufe diese Amtszeit eben turnusmäßig im August aus.
Was, wenn nicht schnell genug nachbesetzt werden kann?
Ob es eine Übergangslösung bei der Position des Ärztlichen Direktors geben wird, hänge „sicher“ davon ab, wann man eine Nachfolgebesetzung der Geschäftsführung finde, so Brünink.
Tut sich noch mehr?
Ja, es gibt noch eine weitere Personalie, die sich ändern wird. Die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie werde zum 1. April 2024 eine neue Chefärztliche Leitung mit Dr. Phillip Werner erhalten, schreibt Brünink. „Nachdem Herr Dr. Ulitzka, der in Kürze auf sein 64. Lebensjahr zusteuert, um Vertragsauflösung bereits im letzten Jahr gebeten hat.“
Also ging es darum, kürzer zu treten? Zwar will Ulitzka in Zukunft den Posten des Chefarztes aufgeben. „Ich würde aber gerne direkt weiter praktizieren und zwar am Hans-Susemihl-Krankenhaus Emden.“ Wegen einer Klausel im Vertrag dürfe er allerdings ein Jahr lang gar nicht in einem gewissen Umkreis praktizieren, so Ulitzka. Patientinnen und Patienten hätten sich bereits bei ihm gemeldet, die dadurch nun länger auf ihre OP warten würden, um sie wieder von ihm durchführen zu lassen. „Zu personellen Einzelmaßnahmen“ könne man keine Details bekanntgeben, schreibt Klinikumssprecher Brünink.