Analyse zu Rockern und Rechtsextremismus Ostfriesische Rebellen tragen Nazi-Symbole – Polizei merkt nichts
Wie blind müssen Staatsschützer auf dem rechten Auge sein, um jahrelang zu übersehen, dass ostfriesische Rocker SS-Totenköpfe und NS-Reichsadler auf ihren Lederwesten tragen? Eine Analyse.
Ostfriesland/Hannover/München/Dresden - Totenköpfe sind nicht nur bei Rockern beliebt. Jolly Roger schafft es sogar in manche Kinderzimmer. „Jolly Roger“ wird der Totenkopf auf der Piratenflagge genannt – weißer Schädel auf schwarzem Grund. Der Klassiker unter den Totenköpfen. Solche Fahnen gibt es nicht nur in Hamburg als Touristen-Souvenir zu kaufen, sondern auch im Internet-Versandhandel wie bei „Amazon“.
„Jolly Roger“ ist ein ziemlich drollig klingender Name für einen knöchernen Gesellen, der einst für Kampf und Tod stand. Und dafür, dass „keine Gefangenen gemacht werden“, wie der Historiker Dr. Niels Weise vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin (IfZ) erklärt. Der Totenkopf als Symbol der Todesverachtung sei schon früh für Regimenter mit elitärem Anspruch interessant gewesen – bis hin zur Schutzstaffel, der SS. Diese Verbrechertruppe von Nazi-Diktator Adolf Hitler hat in Vernichtungslagern den Massenmord an Juden, politischen Gegnern der Nationalsozialisten und anderen Menschen betrieben und Kriegsverbrechen begangen.
Weltoffenheit – bei Fußball-Fans auf St. Pauli und Rockern in Ostfriesland
Fans des FC St. Pauli – ein Fußball-Club mit politisch linkem Image – nutzen hingegen eine Piratenfahne, um Toleranz zu demonstrieren. Der Totenkopf wird in diesem Fall nicht auf schwarzen Grund gezeigt, sondern er ziert eine Regenbogenflagge, die beispielsweise für Vielfalt und Akzeptanz steht und von der Schwulen- und Lesbenbewegung genutzt wird.
Ein Versuch, Toleranz zu demonstrieren, findet sich auch im Vereinsregister des Amtsgerichts Aurich, in der Akte des „Rebel Souls MC Germany“. MC steht für Motorrad-Club. Mitglieder von MCs werden landläufig als Rocker bezeichnet.
Die „Rebel Souls“ schreiben in einer Art Vorwort zu ihrer Vereinssatzung: „Jedes Mitglied ist gleichberechtigt und darf nicht wegen seiner Ansichten, Religion, Geschlechts oder Abstammung benachteiligt werden. Es hat das Recht zur freien Meinungsäußerung.“ Ein Motorrad-Club, der es offensichtlich für erforderlich hält, ein Bekenntnis zu demokratischen Grundwerten abzulegen.
Der „Rebel Souls MC Germany“ aus dem Vereinsregister hatte seinen Sitz ursprünglich in Ostrhauderfehn, dann in Moormerland. Auf Facebook nennt sich der Club „Rebel Souls MC Großefehn“ und hat Veranstaltungshinweisen zufolge ein Clubhaus in Strackholt.
Auf ihrer Facebookseite präsentieren sich die „Rebel Souls“ auf unzähligen Fotos in schwarzen Lederwesten, die in der Szene „Kutten“ genannt werden. Auf denen steht unter anderem der Club-Name. So weit, so „normal“ für einen Motorrad-Club. Das gilt im Grundsatz auch bezüglich des Faibles für Totenköpfe.
Bei einigen der selbsternannten „rebellischen Seelen“ schmückt allerdings ein Totenkopf-Anstecker die Kutte. Kein „Jolly Roger“, sondern ein Totenkopf, wie er – heutzutage in Deutschland – normalerweise nicht öffentlich gezeigt wird.
Politische Vogelkunde – Reichsadler und Rockeradler
Nahe dem Totenkopf tragen die Rocker einen Adler auf der Brust, der nicht an den Bundesadler erinnert, sondern wie der Reichsadler aussieht – ein Hoheitsabzeichen aus der Nazi-Zeit. Augenscheinlich einziger Unterschied: An der Stelle, an welcher der Reichsadler das Hakenkreuz trägt, ist auf dem Rockeradler eine Metallniete angebracht.
Der Eichenlaubkranz, wie er beim Hoheitszeichen während der Nazi-Diktatur das Hakenkreuz umschließt, ist um die Niete herum erkennbar. „Diese Form des Reichsadlers hat es nur 1933 bis 1945 gegeben, sie war ursprünglich das Hoheitszeichen der NSDAP“, berichtet Niels Weise – also die Version mit Eichenlaubkranz. Demnach ist es gar nicht erforderlich, hinter die Rocker-Niete zu blicken, um einen etwaigen Bezug zum Nationalsozialismus (NS) zu erkennen. Hinzu kommen beim „Rebel Souls“-Adler die für den Nazi-Adler charakteristische Form der Schwingen und der Blick nach rechts. Für den Historiker steht fest: „Der Reichsadler in dieser Form ist ein NS-Symbol.“
Geschichtsträchtige Kombination – SS-Totenkopf und NS-Reichsadler
Die Kombination von einem solchen Adler und einem solchen Totenkopf findet sich außer auf den Kutten der ostfriesischen Rocker auf Artikeln von Militaria- und anderen Versänden im Internet. Und zwar auf Mützen der SS .
Manche Anbieter der Devotionalien machen Totenkopf und Reichsadler im Internet teilweise unkenntlich. Sie halten das offensichtlich aus juristischen Gründen für erforderlich, um sich nicht strafbar zu machen.
Nachfrage beim „Secretary“ des Rebel Souls MC Großefehn, dessen E-Mail-Adresse auf der Facebook-Seite zu finden ist: „Warum tragen Sie auf Ihren MC-Kutten Adler exakt des Typs, wie sie die SS an Uniformen beziehungsweise Uniformmützen getragen hat [...]? Warum trägt ein Großteil der Prospects und Member Ihres Motorrad-Clubs Totenköpfe in exakt der Ausprägung an der Kutte, wie sie auch die SS [....] getragen hat?“
Weitere Fragen zu diesem Themenkomplex: „Was wollen Sie damit zum Ausdruck bringen? Handelt es sich bei den genannten SS-Insignien um Originale? Falls nein: Warum ist dann eine Niete an der Stelle des Adlers, an der im Original das Hakenkreuz sitzt?“
Der „Vorstand des Rebel Souls MC Germany e. V.“ hat die Fragen nicht einzeln beantwortet, sondern mit einer Stellungnahme auf die Presseanfrage reagiert, in der nur manche Fragen beantwortet werden. Zur Kleidung findet sich darin folgende Aussage: „Der Rebel Souls MC Germany e.V. hat keine Kleidervorschrift. Was ein Mitglied trägt, ist ihm selbst überlassen. Dennoch befindet sich auf keinem Kleidungsstück ein ,SS-Symbol‘. Wir bitten um genauere Recherche ihrerseits, bevor Sie solche Behauptungen aussprechen.“
Historische Expertise – Bewertungen einere Uniform-Spezialistin
Unsere Redaktion hat Historikerinnen und Historiker mit dem Adler und dem Totenkopf von den Rocker-Kutten konfrontiert und dazu befragt. „Sowohl beim Totenkopf als auch beim Adler handelt es sich um das charakteristische Hoheitsabzeichen beziehungsweise das charakteristische Totenkopfabzeichen der SS“, antwortet Anja Reichenstetter, eine Historikerin des Sachgebiets „Uniform“ am Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden.
„Der Totenkopf wurde meines Wissens von nahezu allen SS-Mitgliedern an der Dienstmütze getragen, von einigen Verbänden außerdem am Kragenspiegel.“ Die Uniform-Spezialistin erläutert: „Bereits 1923 nutzte Hitlers Stoßtrupp den Totenkopf. [...] 1934 wurde ein speziell für die SS entworfenes Modell eingeführt, wobei beide Abzeichen parallel getragen wurden. Der Totenkopf blieb bis zum Ende des Krieges das Symbol der SS.“
Historische Expertise – Bewertungen eines SS-Spezialisten
Der bereits erwähnte Historiker Dr. Niels Weise ist SS-Experte und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am IfZ, das 1949 gegründet wurde, „um als erstes Institut überhaupt die nationalsozialistische Diktatur wissenschaftlich zu erschließen“. Weise hat sich im Rahmen seiner Promotion mit dem SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Theodor Eicke befasst, der unter anderem Inspekteur der Konzentrationslager, Führer der SS-Totenkopfverbände und Führer der SS-Division „Totenkopf“ war.
Die Totenköpfe auf den „Rebel Souls“-Kutten hat Weise „zweifellos als SS-Totenköpfe“ identifiziert: „Was die Rocker tragen, ist ganz eindeutig der SS-Totenkopf.“ Dass der Totenkopf SS-typisch „in Kombination mit dem Reichsadler“ getragen werde, deutet aus Sicht des Historikers darauf hin, dass beides „bewusst getragen“ werde.
Strafrechtliche Betrachtung – SS als verfassungswidrige Organisation
Und das könne strafbar sein, merkt der Historiker an. Nach Paragraf 86a im Strafgesetzbuch kann das „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen“ mit einer „Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe“ geahndet werden.
Weise hat einen Infobrief der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags zum „strafbaren Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen“ mitgeschickt. Darin heißt es: „Aus dem rechtsextremen Spektrum mit seiner zentralen Betonung von Symbolen unterfallen zahlreiche Kennzeichen dem Kennzeichenverbot. Dies gilt namentlich für viele allgemein bekannte Kennzeichen von NS-Organisationen, also etwa das Hakenkreuz als Kennzeichen vor allem der NSDAP, das ,Zivilabzeichen’ der SA, die zweifache Siegrune der SS sowie die einfache Siegrune des deutschen Jungvolkes. Ebenfalls erfasst ist das Totenkopf-Symbol in der von der SS verwendeten Gestaltung.“
Unsere Redaktion hat der niedersächsische Verfassungsschutzbehörde Fotos von den Totenköpfen der Rocker vorgelegt und gefragt, ob es sich um den SS-Totenkopf handle und öffentliche Tragen strafbar ist. „Das Abzeichen in der von Ihnen übersandten Darstellung ist die Version, die im historischen Nationalsozialismus als Symbol für die SS [...] verwendet wurde“, antwortete der Nachrichtendienst. „Daher ist heutzutage dessen Verwendung strafbar.“
Dieses Abzeichen werde „von Rechtsextremisten als Ausdruck der Verehrung des historischen Nationalsozialismus, seiner Führungspersönlichkeiten und seiner Organisationen verstanden“, erklärt der Verfassungsschutz. Die strafrechtliche Würdigung im Einzelfall unterliege der zuständigen Staatsanwaltschaft. Aber: „Grundsätzlich kommt eine Strafbarkeit insbesondere nach § 86a Strafgesetzbuch in Betracht.“
Das Bundesamt für Verfassungsschutz schreibt in seiner Rechtsextremismus-Broschüre zu „Symbolen, Zeichen und verbotenen Organisationen“, dass ein entsprechender Totenkopf „nach einem Urteil des Landgerichts Lübeck als Uniformabzeichen der SS-Verbände der NSDAP ein Symbol einer verbotenen Organisation“ verkörpere und somit unter den Strafgesetzbuch-Paragrafen zum „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen“ falle.
Offenbar kann bereits eine gewisse Ähnlichkeit eines Totenkopfs mit der SS-Variante für eine Verurteilung reichen. Das Lübecker Gericht stellte laut Verfassungsschutz fest, dass das verfahrensgegenständliche „Totenkopfsymbol dem Uniformabzeichen der SS-Verbände der NSDAP, das sich auf jeder Kopfbedeckung und teilweise auch am rechten Kragenspiegel der Uniformen der SS-Verbände befand, zum Verwechseln ähnlich sieht.“
Rauchende Colts – Aufgaben eines „Sergeant at Arms“ im MC
Rocker aus dem „Fehn District“ präsentieren sich nicht nur mit Totenkopf und Adler, sondern auch waffenaffin. So wird das Logo der „Rebel Souls“ zwischen zwei rauchenden Colts in Stellung gebracht.
Die „Rebel Souls“ gehören offensichtlich zu den Motorrad-Clubs, die einen „Sergeant at Arms“ benötigen. Das englische Wort „Arms“ heißt, ins Deutsche übersetzt, „Waffen“. Als Sergeant at Arms des „Rebel Souls MC Großefehn“ firmiert ein „Oliver von Schwamberger“ auf Facebook – im Vereinsregister ist ein Oliver Schwamberger als Teilnehmer der Gründungsversammlung des „Rebel Souls MC Germany“ am 1. Februar 2020 dokumentiert.
Auch auf seiner Kutte weist sich der Sergeant at Arms des ostfriesischen Motorrad-Clubs aus. Unsere Redaktion wollte von den „Rebel Souls“ wissen: „Warum hat Ihr MC einen ,Sergeant at Arms‘ – was sind dessen Aufgaben?“ Diese Frage blieb in der Presseauskunft des Club-Vorstands jedoch unbeantwortet.
Unsere Redaktion hat das niedersächsische Landeskriminalamt (LKA) gefragt, welche Aufgaben ein Sergeant at Arms in einem Rocker-Club hat beziehungsweise welche Funktion er erfüllt. Die Antwort des LKA: „Der Sergeant-at-Arms ist für die Disziplin (Sanktionierung/Überwachung von Verstößen gegen interne Clubregeln) und Sicherheit bei internen Veranstaltungen (Clubfeiern, et cetera) zuständig. Er organisiert zudem den Schutz des Clubs (Bereithalten von Waffen, Schlagwerkzeugen, et cetera, zum Beispiel für Auseinandersetzungen mit anderen Clubs).“
Politische Flaggenkunde – Rebellion gegen Abschaffung der Sklaverei
Bei Rebellen kann es dem Wortsinne nach schon mal zu Auseinandersetzungen kommen. Aber welcher Rebellion hängen die ostfriesischen Motorradfahrer an? Es fällt auf, dass die Club-Flagge an die Fahne der amerikanischen Südstaaten-Rebellen angelehnt ist. Jene haben bekanntlich gegen die Abschaffung der Sklaverei und die Nordstaaten gekämpft. Die Südstaaten-Flagge besteht aus einem blauen Kreuz mit Sternen auf rotem Grund.
Die Fahne der Sklavenhalter ist bei Rechtsextremisten beliebt. So hat der rechtsextremistische „Heimdall-Versand“ beispielsweise eine „Südstaaten The Rebel Flagge“ im Angebot.
Nachfrage beim Rebel Souls MC: „Warum spielt Ihr Motorrad-Club in seinem Namen ,Rebel Souls‘ im Zusammenwirken mit seiner Flagge, die optisch an die Südstaaten-Flagge angelehnt ist, auf die Südstaaten-Rebellen an – was will Ihr MC damit zum Ausdruck bringen? Warum hat sich der MC beispielsweise nicht umgekehrt dazu entschieden, die Nordstaaten-Symbolik aufzugreifen?“
Die Antwort des Club-Vorstands: „Wie Sie sicherlich erkennen können, handelt es sich bei der Flagge nicht um die Südstaaten-Flagge der USA.“ Die Motorradfahrer kennen sich mit der Fahne aber offensichtlich aus: „Wie Ihnen sicherlich bekannt sein dürfte, befinden sich auf der Südstaaten-Flagge 13 Sterne. Auf der von uns benutzten Flagge befinden sich 12 Sterne.“ Das stimmt. Im Zentrum, in dem auf der Südstaaten-Fahne der 13. Stern prangt, haben die Rocker ihr Club-Logo eingefügt.
Der „Rebel Souls“-Vorstand schreibt weiter: „Die Farben der Südstaaten-Flagge sind rot, blau und weiß. Die von uns genutzte Flagge besteht aus den Farben grün, schwarz und weiß/grau. Somit handelt es sich nicht um eine Südstaaten-Flagge und hat folglich auch keinen politischen Hintergrund.“ Haben die Rocker trotz ihrer schwarzen Lederwesten politisch also eine sprichwörtlich weiße Weste?
Prospekte befördern – zu Vollmitgliedern, aber nicht in den Briefkasten
Unsere Redaktion wollte von der Club-Führung wissen, ob Mitglieder oder Anwärter auf eine Mitgliedschaft nationalistische, fremdenfeindliche oder rassistische Überzeugungen pflegen. Die Antwort: „Kein Mitglied des Rebel Souls MC Germany e.V. pflegt nationalistische oder fremdenfeindliche/rassistische Überzeugungen. Eine anderslautende Behauptung, von wem auch immer, würden wir als Üble Nachrede, strafbar gemäß Paragraf 186 Strafgesetzbuch, sowie als Verleumdung, strafbar gemäß Paragraf 187 Strafgesetzbuch, werten und entsprechende rechtliche Konsequenzen ziehen.“
Mit dem Mitglieder-Status ist es beim „Rebel Souls MC“ so eine Sache. „Zurzeit besteht unser Verein aus sechs aktiven Mitgliedern“, teilt der Vorstand mit. Die Anwesenheitsliste der aktuellsten Club-Versammlung, die Ende Februar 2024 im Vereinsregister enthalten war, datiert vom 3. Dezember 2021. Dort sind zehn Anwesende aufgeführt und eine elfte Person, die sich per Vollmacht vertreten ließ. Hier hatten Männer und eine Frau aus Ostrhauderfehn, Krummhörn, Moormerland, Papenburg, Emden, Hesel und Barßel zusammengefunden.
„Die Aufnahme in den Motorradclub muss bei diesem beantragt werden“, heißt es in der Satzung des Vereins. „Über die Aufnahme entscheidet die Mitgliederversammlung mit einer Drei-Viertel-Mehrheit aller stimmberechtigten Mitglieder.“ In Rocker-Clubs ist es üblich, dass sich Leute, die „Member“ (Mitglied) werden wollen, zuerst bewähren müssen. Den Kutten-Abzeichen beim „Rebel Souls MC“ nach zu urteilen, ist das auch dort so. Es gibt Hangarounds (Hänger), die zu Prospects (Anwärtern) aufsteigen können, ehe sie die Chance haben, Fullmember (Vollmitglied) zu werden.
Aber apropos Prospects: Beim „Rebel Souls MC“ gibt es wie beim „Gremium MC Aurich“ eine Besonderheit. Von diesen Clubs werden – ausweislich ihrer Facebook-Beiträge – bewährte Hänger zu „Prospekten“ erklärt. Ein solcher Prospekt kann befördert werden – er kommt aber in keinen Briefkasten, sondern als Vollmitglied in den Motorrad-Club.
Schwarz-weiß-rot – Überzeugungen von führenden Rockern
Um sicher zu gehen, dass es sich um Club-Mitglieder handelt, hat unsere Redaktion die Facebook-Profile von Führungsmitgliedern der „Rebel Souls“ ausgewertet. Die zentrale Frage dabei: Pflegt – wie vom Vorstand behauptet – keiner der Rocker nationalistische, fremdenfeindliche oder rassistische Überzeugungen?
Das Facebook-Profil von „President“ Peter Mück bietet, soweit es öffentlich einsehbar ist, nicht viel Inhalt. Es fand sich aber – zumindest bis vor kurzem – ein Kommentar von Mück unter einem Facebook-Beitrag von Mario Ehlert, den seine Kutte – Stand: 9. Juli 2023 – als „Secretary“ (Schriftführer) der „Rebel Souls“ ausweist. Außerdem ist seine Adresse aus einer Anwesenheitsliste des Vereins identisch mit der Adresse, welche die Mitglieder in ihrer Versammlung am 3. Dezember 2021 zum neuen Sitz des Vereins erklärt haben.
Ehlert hat am 26. August 2022 einen Beitrag auf Facebook geteilt, in dem die Forderung erhoben wurde, den Begriff „Indianer“ nicht mehr zu verwenden, da es sich um einen „rassistisch geprägten Begriff“ handle. Der Rocker kommentierte diesen, indem er 32-mal „Indianer“ schrieb und hinzufügte: „Reicht das? Die spinnen doch!!“ Mück, der so genannte „President“, hat kommentiert: „Du Nazi....“ – es folgen vier schallend lachende Gesichter (Smileys).
Am 6. Januar 2024 teilte Ehlert einen Beitrag der Facebook-Seite „Heimatliebe ist kein Verbrechen“ – zu den Bauernprotesten. Für deren Widerstand zeigen einige „Rebel Souls“ Sympathien – ähnlich wie das auch Mitglieder des „Gremium MC“ tun. Die von Ehlert verbreitete Parole der Heimatliebe-Seite: „Wird der Bauer unbequem, ist er plötzlich rechtsextrem.“
Was ist „Heimatliebe ist kein Verbrechen“ für eine Seite oder was für eine Initiative? Ein Impressum findet sich auf der Facebook-Präsenz nicht – aber einiges an Propaganda. Demnach soll durch „Grünrot“ der Tod des deutschen Volkes drohen.
Auf derselben Facebook-Seite wird das Aussterben der „weißen Hetero-Familie in der Werbung“ behauptet.
Außerdem gibt es von „Heimatliebe ist kein Verbrechen“ einen „Herzlichen Glückwunsch“ an die AfD, als ein Mitglied der rechtsextremen Partei in Thüringen eine Landratswahl gewonnen hat.
Als „Vice-President“ des „Rebel Souls MC Großefehn“ stellt sich auf Facebook Jens Onken vor.
Einem Beitrag zufolge, den er auf seiner Seite geteilt hat, hat er ein generelles Problem mit der Kultur von Geflüchteten.
„Ohne Worte“ findet es der Club-Vize, dass „Sprachunterricht für minderjährige Flüchtlinge“ zur „Vorgabe im Bereich Bewerbungsschreiben in der Schule“ erhoben worden sei – wie er behauptet.
Jens Onken bedient sich auch der Optik der schwarz-weiß-roten Reichsflagge, die bei Rechtsextremisten beliebt ist. Derartig hat er eine Botschaft eingerahmt. Laut dieser erwartet er erstmal Respekt „gegenüber meiner Kultur, meiner Sprache, meinem Land und meiner Familie“ – erst dann könne „mal über Toleranz“ gesprochen werden. Da ist sie also wieder, die im Vorwort der Vereinssatzung proklamierte Toleranz.
Der „Vice-President“ ist einer der „Rebel Souls“, die Adler und Totenkopf auf der Kutte tragen.
Rechtsextreme Rocker – „Keine derartigen polizeilichen Erkenntnisse“
Hat die Polizei eventuell Rechtsextremisten in ostfriesischen Motorrad-Clubs festgestellt? Die Polizeidirektion Osnabrück, der die Polizeiinspektionen Leer/Emden und Aurich/Wittmund unterstellt sind, antwortet: „Verbindungen von wenigen Einzelpersonen aus den Outlaw-Motorcycle Gangs zu der rechten Szene sind bekannt.“ Der „Rebel Souls MC“ zählt allerdings – anders als die Clubs von „Hells Angels“, „Bandidos“, „Outlaws“ und „Gremium“ – nicht zu den Outlaw-Motorcycle-Gangs, denen die Polizei kriminelle Machenschaften attestiert.
Unsere Redaktion hat nachgehakt: „Gibt es Motorrad-Clubs in Ostfriesland, die als Club eine Affinität zum Rechtsextremismus-Bereich aufweisen – beispielsweise, weil sie von Personen mit rechtsextremistischem Hintergrund gegründet wurden, einschlägige Flaggen im Clubhaus hängen haben, einschlägige Runen auf der Kutte tragen oder ähnliches?“ Die Antwort der Polizeidirektion lautet: „Nein. Wir haben keine derartigen polizeilichen Erkenntnisse.“
Nach polizeilichem Ermittlungsstand haben die „Rebel Souls“ also trotz ihrer schwarzen Lederkutten sprichwörtlich politisch weiße Westen. Und die Polizei sollte es wissen. Das Landeskriminalamt hat kürzlich versichert, dass die Rockerszene in Niedersachsen „intensiv beobachtet“ und „die bestehenden, bewährten Bekämpfungskonzepte konsequent angewendet beziehungsweise fortentwickelt“ werden.
Seelenverwandtschaft – „Rebel Souls“ und Outlaw-Motorcycle-Gangs
Bei anderen ostfriesischen Motorrad-Clubs sind die „Rebel Souls“ offenbar gerne gesehene Gäste. Darauf deuten Bildergalerien auf Facebook-Seiten der Clubs hin. Umgekehrt kommen andere Clubs nach Strackholt zu Besuch. Die Rocker aus dem „Fehn District“ pflegen Kontakt zu mehreren Outlaw-Motorcycle-Gangs – zum „Gremium MC Aurich“, zum „Gremium MC Wilhelmshaven“ und zu den „Bandidos“-Unterstützern vom „Mala Compania MC Aurich“.
Abgesehen davon haben die „Rebel Souls“ sprichwörtlich eine soziale Ader. Am 4. November 2023 haben die Rocker die „kleinsten der freiwilligen Feuerwehr Spetzerfehn“ besucht – um Spenden zu übergeben, die beim „offenen Clubtag“ gesammelt worden sein sollen. Zum Gruppenfoto mit den Kindern stellte sich die MC-Delegation mit Club-Flagge und in Kutten auf – inklusive NS-Reichsadler- und SS-Totenkopf-Schmuck.
Das Kind im Manne entdeckt, wer auf der Facebook-Seite des „Sergeant at Arms“ Oliver (von) Schwamberger bis ins Jahr 2017 zurückgeht. Dem Augenschein nach war „Kleen“ (wie er sich auf Facebook auch nennt) Olli damals noch in der Piraten-Phase: „Pirate Till The End“, verkündete er damals pathetisch – Pirat bis zum Schluss.
Das ist sieben Jahre her – mit dem Seeräuber-Spielen scheint Schluss zu sein. Schwamberger hat den Totenkopf gewechselt und ist Rocker-Rebell geworden.
Lizensierungs-Hinweise zu Wikimedia-Fotos: Reinhard Heydrich, SS-Mütze (1), SS-Mütze (2).