Osnabrück  Passivrauchen: So schädlich ist Zigarettenqualm für Haustiere

Arlena Schuenemann
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Von Arlena Schuenemann
| 08.03.2024 11:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zigarettenrauch kann für Haustiere gefährlich werden – etwa für Hunde, die in Raucherhaushalten leben. Foto: imago/Image Source
Zigarettenrauch kann für Haustiere gefährlich werden – etwa für Hunde, die in Raucherhaushalten leben. Foto: imago/Image Source
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Wer eine Zigarette raucht, dem dürften die Auswirkungen auf die eigene Gesundheit bewusst sein. Aber auch Passivrauchen ist schädlich – und zwar nicht nur für Menschen, sondern auch für Haustiere. Welche Folgen kann Zigarettenrauch für sie haben?

Es ist längst bekannt, dass beim Rauchen schädliche und krebserregende Inhaltsstoffe freigesetzt werden. Aber auch die Gefahr des Passivrauchens sollte nicht unterschätzt werden. In einem verqualmten Raum atme man pro Stunde etwa so viele Giftstoffe ein, wie wenn man selbst eine Zigarette rauchen würde, heißt es etwa bei „Lungenärzte im Netz“, einer Info-Homepage des Verbands pneumologischer Kliniken. Insbesondere durch vor sich hin glimmende Zigaretten gelangen demnach giftige Inhaltsstoffe in hoher Konzentration in die Raumluft. Dieser sogenannte Nebenstromrauch sei sogar schädlicher als der eigentliche Hauptstrom, den Raucher direkt inhalieren.

Wer sich dem nicht aussetzen möchte, kann entweder ein Fenster öffnen oder den Raum verlassen. Anders ist das jedoch bei Kleinkindern – und auch bei den meisten Haustieren. Ein Vogel im Käfig ist dem Qualm in der Luft genauso hilflos ausgesetzt wie Hamster, Hauskatze oder Hund.

Grundsätzlich rufe Passivrauchen bei Tieren ähnliche Probleme hervor wie bei Menschen, erklärt Ursula von Einem, Pressesprecherin des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte. Und diese machen sich vor allem im Atemsystem bemerkbar. „Die Lunge ist bei allen Säugetierarten ähnlich aufgebaut“, erläutert auch Thomas Steidl, Vorsitzender des Kleintierausschusses der Bundestierärztekammer. Tiere aus Raucherhaushalten leiden daher – ebenso wie viele Raucher – vermehrt an Atemwegserkrankungen wie Asthma oder chronischem Husten. Aber auch das Krebsrisiko ist bei ihnen erhöht.

„Hunde, die mit chronischem Husten beim Tierarzt vorgestellt werden, können auch einen Lungentumor haben“, berichtet Steidl. Als Fachtierarzt für Klein- und Heimtiere hat er 30 Jahre lang eine eigene Praxis betrieben. „Im Gespräch mit den Besitzern stellt sich dann oft heraus, dass diese Hunde aus Raucherhaushalten stammen.“ Die Behandlungsmöglichkeiten seien begrenzt. Meist würden die Tiere palliativ versorgt, um ihnen möglichst lang eine hohe Lebensqualität zu bieten.

Der US-amerikanische Wissenschaftler John S. Reif, ehemaliger Professor für Umweltgesundheit an der Colorado State University, hat bereits 1998 untersucht, inwiefern sich Passivrauchen auf das Krebsrisiko bei Hunden auswirkt. Dabei hat er festgestellt, dass die Schnauzenform der Tiere die Art der Erkrankung beeinflusst. In Raucherhaushalten erkranken Hunde mit kürzeren Schnauzen, wie etwa Möpse oder Beagle, demnach deutlich öfter an Lungenkrebs als Hunde mit langen Schnauzen.

Reifs Erklärung für das Phänomen: Je größer die Schnauze, desto mehr Giftstoffe werden beim Einatmen aus der Luft gefiltert und gelangen so gar nicht erst in die Lunge. Jedoch sammeln sich diese Partikel dadurch vermehrt auf den Schleimhäuten in der Nase. Hunde mit langen Schnauzen, beispielsweise Dobermänner oder Windhunde, erkranken daher zwar seltener an Lungenkrebs, entwickeln aber häufiger bösartige Tumore im Nasen- oder Nebenhöhlenbereich.

Auch Katzen leiden durch Passivrauchen nicht nur an Atemwegserkrankungen, sondern auch vermehrt an Krebs. Im Vergleich zu Hunden oder anderen Haustieren sind die Stubentiger sogar besonders gefährdet. Das liegt an ihrer ausgesprochenen Reinlichkeit. Denn die Giftstoffe im Zigarettenrauch befinden sich nicht nur in der Luft. Sie lagern sich auch auf Gegenständen und Möbeln ab – und im Fell der Katze.

„Es ist plausibel, dass Katzen diese schädlichen Partikel beim Putzen mit der Zunge aufnehmen“, erläutert Tierarzt Thomas Steidl. So gelangen die Gifte auch oral und über die Schleimhäute in den Körper des Tieres. In Raucherhaushalten entwickeln Katzen daher vermehrt bösartige Karzinome im Mund- und Nasenbereich. Außerdem erkranken sie häufiger an Lymphdrüsenkrebs, was eine US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2002 belegt.

Kleinere Haustiere wie Kaninchen oder Hamster bleiben von den schädlichen Auswirkungen des Zigarettenqualms ebenfalls nicht verschont. Sogar Fische sind davon betroffen, denn Nikotin ist leicht wasserlöslich und kann über die Belüftungsanlage ins Aquarium gelangen. „Zudem gibt es Hinweise, dass Vögel mindestens so stark betroffen sind wie Hunde und Katzen“, betont Veterinär Steidl. „Sie haben zwar ein anderes Atmungssystem als Säugetiere; das scheint aber ebenso anfällig für die Giftstoffe im Qualm zu sein.“ Vielen Vogelbesitzern sei zudem nicht bewusst, dass Dämpfe, die beim Erhitzen von Teflon entstehen, höchst toxisch für die Tiere seien. Raclette oder das Erhitzen von Teflon-beschichteten Pfannen sei daher im Beisein von Wellensittichen und Co. tabu.

Wie aber können Raucher ihre Haustiere vor den Auswirkungen von Passivrauchen schützen? Am besten, indem sie selbst ganz auf Zigaretten verzichten würden, rät Steidl. „Wer das nicht kann oder möchte, sollte möglichst im Freien rauchen, etwa im Garten oder auf dem Balkon.“ In der Wohnung zu rauchen, während die Tiere selbst nicht im gleichen Raum sind, schützt diese nämlich nur bedingt, da sich die schädlichen Partikel aus der Luft auch auf Gegenständen und Möbeln ablagern.

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