Alte Schultafeln suchen neue Heimat Jümmer Grundschulen verschenken alle Kreidetafeln
In Jümme weichen Kreidestaub und Tafelschwamm der digitalen Zukunft. Die Samtgemeinde schmeißt nicht nur die alten Tafeln raus, sondern verschenkt sie. Das ist der Grund.
Filsum - „Schultafeln zu verschenken, können in den Osterferien abgebaut und abgeholt werden“ - das vermeldete die Samtgemeinde Jümme vor Kurzem auf ihrem Facebook-Account. Brauchen die Grundschulen von Nortmoor, Detern und Filsum etwa keine Tafeln mehr? Wir haben nachgefragt.
Werden die Tafeln nicht mehr gebraucht?
„Diese nicht mehr“, sagt Ralf Möhlmann, er ist allgemeiner Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters und für die Grundschulen in Jümme zuständig. Die Kreidetafeln haben ausgedient, weil in den Osterferien alle Klassen der Samtgemeinde mit Digitaltafeln ausgestattet werden. Die neuen Tafeln kommen dann an die Plätze der alten Tafeln und für die alten gibt es keine Verwendung mehr. „Sie werden verschenkt, weil es keinen Markt dafür gibt. Wer braucht schon solche Schultafeln?“, sagt Möhlmann. In den Osterferien werden die alten Tafeln von den Hausmeistern der drei Grundschulen abgebaut, die Wände werden gestrichen und die neuen Tafeln installiert.
Wie kann sich Jümme so viele neue Tafeln leisten?
Dass die Gemeinde das Geld für diese Maßnahme investieren kann, hat sie Elske Schulte zu verdanken. Sie arbeitet in der Kämmerei und hat am Sonnabend, 1. Juli 2023, um Mitternacht im Rathaus gesessen und für die Samtgemeinde Fördermittel im Restmittelverfahren beim Digitalpakt Schule beantragt. Ein Windhundverfahren, bei dem im ganzen Land 3508 Anträge gestellt wurden, und nur 69 Geld bekommen. Unter anderen auch die Stadt Leer und der Landkreis Leer hatten Fördergeld beantragt. Jümme gab um 45 Sekunden nach Mitternacht den ersten und um 1.21 Minuten nach 0 Uhr den zweiten Antrag ab - und bekam die Zuschläge. Die anderen beiden Anträge gingen leer aus. So bekam Jümme 32.000 Euro aus dem Topf des Digitalpakt Schule.
Wird das Geld aus dem Digitalpakt nur für Tafeln investiert?
Nein. Insgesamt hat Jümme aus dem Fördertopf rund 140.000 Euro abgerufen. Dafür wurden alle Grundschulen mit Lan und Wlan ausgestattet, das Verwaltungssystem iServ und die Digitaltafeln angeschafft. Insgesamt kostet Jümme die Digitalisierung der Schulen 230.000 Euro, wovon 171.000 Euro aus diversen Fördermaßnahmen kommen. „Der nächste Schritt wäre dann die Ausstattung aller Kinder mit Tablets“, sagt Möhlmann. Damit sei man auch schon angefangen, auch mithilfe der Schulfördervereine.
Was können die neuen Tafeln?
Wenn Filsums Schulleiter Gunnar Hein die neuen Tafeln demonstriert, gerät er ins Schwärmen. Auf den Whiteboards ist es möglich zu schreiben und Tafelbilder zu erstellen. Das geht allerdings noch etwas kreativer als auf der Kreidetafel, denn zum Beispiel können Lehrer und Schüler virtuelle Post-Its setzen. Die Tafeln ersetzen aber nicht nur die Kreidetafel, sie sind Oberlicht-Projektor, Beamer, DVD-Player und Computer in einem. „Lehrer können fach- und themenspezifische Apps einsetzen oder passende Videos oder Tonaufnahmen aus dem Internet abspielen“, erklärt Hein. Die Tafeln funktionieren wie ein riesiges Tablet, daher gebe es weder bei Schülern noch bei Lehrern große Scheu, was die Nutzung der neuen Technik betrifft. Verbunden mit den Tablets der Schülerinnen und Schüler könne man gemeinsam die Arbeitsergebnisse der Kinder an der Tafel spiegeln und gemeinsam besprechen.
Lernen die Kinder denn überhaupt noch das Schreiben mit der Hand?
Ja, betont Schulleiter Hein ausdrücklich. „Es ist kein Ersatz für die Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen“, sagt der Lehrer. Allerdings müsse man sich auch klar machen, dass der Umgang mit den digitalen Medien für die Kinder etwas sehr Alltägliches sei. „In der Schule lernen sie den richtigen Umgang damit“, sagt er. Die Medienkompetenz sei für Kinder heute wichtig. „Es ist ein Werkzeug und nimmt keine Arbeit ab“, sagt der Schulleiter. Bei einem Referat zum Beispiel könnten die Kinder zwar alles mit Hilfe von digitalen Medien recherchieren - doch das Präsentieren und die mit der Präsentation einhergehenden Fragen müssten sie selbst beantworten. „Da zeigt es sich, ob sie sich mit dem Thema beschäftigt haben“, so Hein.