Den Haag Trotz Ukraine-Krieg: Wirtschaft der Niederlande knackt die Billionengrenze
Der niederländischen Wirtschaft ist es 2023 zum ersten Mal gelungen, das Bruttoinlandsprodukt auf mehr als eine Billion Euro zu steigern. Das Land besitzt allerdings nicht nur einen exportstarken Agrarsektor, sondern auch eine leistungsfähige High-Tech-Industrie.
Die Wirtschaftsleistung der Niederlande hat im vergangenen Jahr 2023 erstmals die magische Marke von einer Billion Euro geknackt. Obwohl die Ökonomie im zurückliegenden Jahr mit einem Plus von 0,1 Prozent nur sehr verhalten zulegte, ist das Land nicht in eine Rezession abgerutscht und konnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2023 auf 1,033 Billionen Euro steigern, meldet das Zentralamt für Statistik CBS.
Das CBS weist außerdem darauf hin, dass sich das BIP der Niederlande in den zurückliegenden 20 Jahren glatt verdoppelt hat. Denn im Jahr 2002 meldeten die Niederlande erstmals eine jährliche Wirtschaftsleistung (BIP) von 500 Milliarden Euro. Nur im Jahr 2009 während der Finanz-, Kredit- und Eurokrise sowie im Corona-Pandemiejahr 2020 stieg die Wirtschaftsleistung nicht.
Innerhalb der EU haben die Niederlande damit hinter Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien die fünftgrößte Volkswirtschaft. Weltweit rangieren die Niederlande auf Platz 18 der wirtschaftlichen Großmächte. Zum Vergleich: Die Volkswirtschaft der USA ist 25-mal größer als die niederländische. Die deutsche Wirtschaft, wichtigster Handelspartner der Holländer, ist 4,5-mal größer.
Dabei sind die Niederlande nicht nur im agrarischen Wirtschaftssektor gut aufgestellt, sondern zeichnen sich auch durch eine starke High-Tech-Industrie aus. Das Kronjuwel dieser ist die in Veldhoven bei Eindhoven ansässige ASML, die mit einem aktuellen Börsenwert von rund 350 Mrd. Euro auch eines der teuersten Unternehmen Europas ist. Die ASML ist Weltmarktführer beim Bau von fotolithografischen Systemen für die Halbleiterindustrie, welche zur Herstellung von Mikrochips benötigt werden. Alle großen Chiphersteller, wie die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), Intel, Samsung, Motorola, NXP, bauen ihre Halbleiter mit ASML-Maschinen.
Die Agrar-Supermacht Niederlande ist nach den USA der größte Exporteur von landwirtschaftlichen Produkten in der Welt. Im Jahr 2023 exportierten die Niederlande landwirtschaftliche Produkte im Wert von 123,8 Mrd. Euro, 1,6 Prozent mehr als in 2022, meldet das „Wageningen Economic Research Institut“ (WEcR), der Agrar-Universität Wageningen.
Die holländischen Exportschlager im Agrarsektor sind aber nicht nur die berühmten Tulpen aus Amsterdam, sondern auch der Käse: Gouda, Edamer (11,9 Milliarden Euro), dazu Fleisch (11,1 Milliarden Euro), Getränke wie Heineken-Bier (8,1 Milliarden Euro) sowie Fette und Öle (8,1 Milliarden Euro).
Der Löwenanteil der niederländischen Agrarexporte – 71 Prozent – geht in die 27 Länder der Europäischen Union (EU). Wichtigster Absatzmarkt ist das Nachbarland Deutschland. Die deutschen Verbraucher nehmen 24 Prozent aller landwirtschaftlichen Produkte aus den Niederlanden ab. Weitere wichtige Exportmärkte für Tulpen, Käse und Fleisch aus den Niederlanden in der EU sind unter anderem Belgien (12 Prozent), Frankreich (8 Prozent) und außerhalb der EU das Vereinigte Königreich (8 Prozent).
„Die gerade publizierten Exportzahlen des Agrarsektors zeigen, dass wir eine wichtige und innovative Rolle auf dem Weltmarkt spielen. Darauf können wir stolz sein“, so Landwirtschaftsminister Piet Adema. „Aber wir dürfen auch nicht aus dem Auge verlieren, die Landwirtschaft und den Agrarsektor zu erneuern und zu verändern. Er muss nachhaltiger werden“, so Adema.