Hannover  Bei Alkoholsucht liegt Niedersachsen knapp über dem Bundesschnitt

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 05.03.2024 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein Kneipenwirt reicht einem Gast ein Glas Bier. „Sowohl das Suchtpotenzial als auch die gesundheitlichen Risiken von Alkohol werden von vielen unterschätzt“, beklagt Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Niedersachsen und Bremen. Foto: Christoph Soeder/dpa
Ein Kneipenwirt reicht einem Gast ein Glas Bier. „Sowohl das Suchtpotenzial als auch die gesundheitlichen Risiken von Alkohol werden von vielen unterschätzt“, beklagt Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Niedersachsen und Bremen. Foto: Christoph Soeder/dpa
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Übermäßiger Alkoholkonsum kann in eine Abhängigkeit münden. In Niedersachsen gibt es mehr Betroffene als im Bundesdurchschnitt. In Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Berlin aber ist die Situation noch alarmierender.

Bei der Zahl der Menschen mit Alkoholproblemen liegt Niedersachsen mit 1,85 Prozent der Bevölkerung knapp über dem Bundesdurchschnitt von 1,71 Prozent. Das geht aus einer Auswertung des Instituts für Gesundheitssystemforschung der Krankenkasse Barmer hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

Demnach wurden im Jahr 2022 in Niedersachsen 151.000 Männer und Frauen mit Alkoholsucht ambulant oder stationär behandelt. Die Zahl wurde ausgehend von den Versicherten-Daten der Barmer für die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Die Krankenkasse hat nach eigenen Angaben in Niedersachsen rund 800.000 Versicherte und ist damit im Bundesland die drittgrößte Kasse nach der AOK und der Techniker Krankenkasse (TK).

„Sowohl das Suchtpotenzial als auch die gesundheitlichen Risiken von Alkohol werden von vielen unterschätzt. Das hat auch damit zu tun, dass Alkohol in Deutschland ein Kulturgut und gesellschaftlich akzeptiert ist. Dabei ist Alkohol ein Zellgift, das für die Entstehung von mehr als 200 Krankheiten mitverantwortlich ist“, warnt Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Niedersachsen und Bremen. Darunter seien Krankheiten wie Krebs, psychische Störungen und Leberzirrhose.

Deutlich mehr Betroffene als in Niedersachsen gab es laut Barmer in Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Berlin. Dort waren im vergangenen Jahr 2,35 Prozent, 2,28 Prozent und 2,14 Prozent der Bevölkerung wegen Alkoholabhängigkeit in medizinischer Behandlung.

Die geringsten Anteile gab es in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg mit 1,45 beziehungsweise 1,5 Prozent. „Die massiven regionalen Unterschiede bei der Alkoholabhängigkeit sind rein medizinisch nicht erklärbar. Hier dürften auch soziodemografische Faktoren eine Rolle spielen“, sagt Barmer-Chefin Sander.

Insbesondere von Alkoholabhängigkeit betroffen waren der Untersuchung zufolge Menschen in der zweiten Lebenshälfte. „Alkoholismus entwickelt sich in der Regel über viele Jahre. Eine Sucht wird aktuell verstärkt bei Personen diagnostiziert, die in den 50er- und 60er-Jahren geboren wurden. Wichtig ist, dass die Betroffenen eine passgenaue Hilfe suchen und bekommen“, betont Sander und verweist darauf, dass ein Alkohol-Selbsttest helfen könne, Risiken aufzuspüren.

Wer den Verdacht habe, ein Alkoholproblem zu haben, könne online einen anonymen Selbsttest machen oder sich ärztlichen Rat einholen. Je nach Ergebnis werde dann entschieden, welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Auch eine Suchtberatung oder Selbsthilfegruppen seien gute erste Anlaufstellen sowohl für Betroffene als auch für deren Angehörige.

Laut Barmer-Analyse wurden in Deutschland im Jahr 2022 insgesamt 1.058.000 Männer und 467.000 Frauen mit Alkoholsucht ambulant oder stationär behandelt. Dies bedeute einen leichten Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren.

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