Nach 47 Jahren  VW Emden nimmt Abschied vom erfolgreichen Passat

Martin Teschke
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Von Martin Teschke
| 01.03.2024 15:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Abschied für immer: der letzte Passat aus Emden. Foto: Volkswagen
Ein Abschied für immer: der letzte Passat aus Emden. Foto: Volkswagen
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Im VW Werk Emden ist am Freitagmittag nach 47 Jahren der Passat Variant verabschiedet worden – nach dem Golf das meistverkaufte Auto von Volkswagen. Es fielen auch emotionale Worte.

Emden - Der Abschied vom VW Passat dürfte den Mitarbeitern in Emden am Freitag gleich doppelt schwer gefallen sein. Sie mussten nicht nur die komplette Verlagerung der Produktion des Bestsellers ins Ausland mitverfolgen, sondern sie blicken auch noch in eine angespannte Zukunft. Gleichzeitig erfuhren die Kollegen in Emden nämlich, dass die Montage der E-Autos für die nächste Woche erst einmal ausfällt. Sämtliche Mitarbeiter müssen daheim bleiben und die Arbeitszeit im zweiten Halbjahr nachholen. Eine Ära geht zu Ende – und ein schwieriger Weg liegt vor dem Werk in Emden mit seinen mehr als 8000 Mitarbeitern.

Ein Blick in die Geschichte: Vor 50 Jahren startete einer der erfolgreichsten Volkswagen durch – der Passat. Mit mehr als 30 Millionen verkauften Exemplaren, so VW, sei der Passat nach dem Golf und noch vor dem Käfer das bis heute meistverkaufte Volkswagen-Modell. Ein Drittel des gesamten Volumens wurde demnach in den vergangenen 47 Jahren in Emden gefertigt. Am Freitag, 1. März 2024, lief der letzte Passat Variant Band. Die Geschichte des Passat wird künftig in Bratislava weitergeschrieben: In dem slowakischen Volkswagen Werk wird die vor wenigen Wochen vorgestellte neunte Generation des Erfolgsmodells produziert. Die Zukunft des Werks Emden ist dagegen nahezu vollelektrisch: Die rund 8000 Beschäftigten konzentrieren sich künftig auf die Produktion des ID.4, des ID.7 und des ID.7 Tourer. Als letzter verbliebener Verbrenner wird in Ostfriesland noch der Arteon Shooting Brake gefertigt.

Die Plakette, die belegt, dass das hier der letzte Passat aus Emden ist. Foto: Volkswagen
Die Plakette, die belegt, dass das hier der letzte Passat aus Emden ist. Foto: Volkswagen

47 Jahre lang Passat gebaut

Schwartz betonte am Freitag in einer Mitteilung: „Der Passat ist das Modell, das wir in unserer 60-jährigen Standortgeschichte mit Abstand am längsten gebaut haben. So wie der Tee zu Ostfriesland gehört, so gehört gewissermaßen auch der Passat zu Emden. Daher ist es für uns alle ein emotionales Kapitel, das wir heute beenden.“ Jahrzehntelang sei der Emder Standort Leitwerk für das Modell gewesen und habe anderen Produktionsstandorten weltweit mit Rat und Tat zur Seite gestanden. „Viele Kolleginnen und Kollegen haben auf ihre ganz eigene Art und Weise mit tollen, bewegenden Ideen den Passat verabschiedet“, so Schwartz. „Das mitzuerleben war für mich beeindruckend und wird mir in Erinnerung bleiben.“ Mit dem ID.7 Tourer stehe ein Modell in den Startlöchern, das ein würdiger Nachfolger für den Passat sei und dessen Erfolgsgeschichte vollelektrisch in Emden weiterschreiben werde. „Dem Team in Bratislava übergeben wir den Passat mit den besten Wünschen.“

Passat sicherte Wohlstand in Emden

Betriebsratsvorsitzender Manfred Wulff: „Acht Passat-Generationen haben vielen Menschen und Familien eine gute und nachhaltige Beschäftigung gegeben. Mit dem Passat ist unser Werk zu einer vollumfänglichen Fabrik gewachsen.“ Die zahlreichen Preise, die man mit dem Passat für Volkswagen gewonnen habe, seien ein Beleg für die hohe Qualität der in Ostfriesland gefertigten Fahrzeuge.

„Wir trauern dem Passat am Standort natürlich hinterher, weil er unseren Familien über Jahrzehnte Wohlstand beschert hat“, sagte Wulff laut Mitteilung. Mit der Umrüstung auf Elektromobilität habe man das Werk jedoch zukunftsfest aufgestellt. „Nun werden wir alle Kraft und Zuverlässigkeit in die neuen Elektromodelle einbringen. Der ID.4 und die beiden ID.7 Modelle als neue Flaggschiffe der ID. Familie und elektrische Nachfolger des Passat sind unser Einstieg in das Zeitalter der Elektromobilität.“

Abschied in Mondscheingrau

Gemeinsam mit rund 200 Mitarbeitern aus allen Gewerken verabschiedeten Unternehmen und Betriebsrat nicht nur den letzten Passat in Mondsteingrau auf seinem Weg zum Kunden nach Mosel, sondern auch den letzten Arteon.

Das Fahrzeug in R-Line-Ausstattung in Oryxweiß Perlmutteffekt sei für einen Kunden in Polen bestimmt, so das Unternehmen. Beide Fahrzeuge erhielten demnach exklusive Edelstahlplaketten, die an den historischen Moment erinnern.

Ein Blick zurück in die Anfänge

Am 1. Juli 1977, dem ersten Tag nach dem Werksurlaub, wurde der erste Passat in Emden aufgelegt. Die Verlagerung des Passat von Wolfsburg nach Emden sei der Beginn einer jahrzehntelangen Erfolgsgeschichte für das Volkswagen-Werk am Meer gewesen, hieß es in einer Pressemitteilung. Investitionen in die Fertigungstechnik in Höhe von 170 Millionen D-Mark im Jahr 1977 hätten den Standort Emden von einem Käfer-Werk zur flexiblen Automobilproduktionsstätte für Mittelklassemodelle gemacht. Alle acht Passat-Generationen seien seitdem in Emden gefertigt worden: Das volumenstärkste Modell war zwischen 1996 und 2005 der Passat B5 mit rund zwei Millionen am Standort produzierten Einheiten. Gefolgt vom Passat B8, von dem rund 1,4 Millionen Fahrzeuge in Emden produziert wurden. Seit 2017 ergänzte der Volkswagen Arteon die Emder Produktpalette um einen sogenannten Fastback „mit großzügigem Raumangebot, sportlichem Charisma und einer hohen Variabilität“.

„Mit dem Passat und dem Arteon hat Emden Geschichte geschrieben und setzt diese jetzt in einer vollelektrischen Zukunft mit den Top-Modellen ID.4, ID.7 und ID.7 Tourer fort“, so das Unternehmen. „Mehr als eine Milliarde Euro sind für die Fertigung von E-Fahrzeugen in den Standort investiert worden, um diesen als hochmoderne Automobilfabrik für die Zukunft aufzustellen.“

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