Deutschland In diesen Bereichen leisten Männer weniger als Frauen
Im Garten und Handwerk übernehmen viele Männer die Aufgaben. In anderen Bereichen hingegen machen sie noch deutlich weniger unbezahlte Sorgearbeit als Frauen.
Anlässlich des Equal Care Day, der am 29. Februar 2024 auf die unfaire Verteilung von Fürsorgearbeit aufmerksam machen soll, hat das Statistische Bundesamt Zahlen zu der Sorgearbeit veröffentlicht. Diese zeigen, dass der „Gender Care Gap“, also die geschlechtsspezifische Betreuungslücke, aktuell 43,8 Prozent beträgt. Das bedeutet, Männer verwenden durchschnittlich 43,8 Prozent weniger Zeit für unbezahlte Sorgearbeit als Frauen.
Laut Zeitverwendungserhebung 2022 verbringen Männer im Durchschnitt knapp 21 Stunden ihrer Zeit pro Woche mit unbezahlter Sorgearbeit, Frauen hingegen fast 30 Stunden. Pro Tag sind das also 77 Minuten weniger Arbeit des Mannes. Zur Sorgearbeit zählen hauptsächlich die Bereiche Haushalt, Kinderbetreuung und Pflege.
Nur im Bereich Garten und Handwerk verbringen die Männer mehr Zeit als die Frauen. Der größte Unterschied ist im Bereich Küche und Haushalt. Dort verbringen die Männer jeweils über drei Stunden pro Woche weniger als die Frauen. Auch mit der Betreuung und Pflege verbringen Männer fast doppelt so wenig Zeit wie Frauen. Pro Woche nutzen die meisten Männer dafür knapp zwei Stunden und Frauen mehr als dreieinhalb Stunden.
Ein kleinerer Abstand ist beim Einkaufen. Hier verbringen die Männer mit vier Stunden etwa eine Stunde weniger pro Woche als Frauen.
Zuletzt wurde die Erhebung vor zehn Jahren durchgeführt – diese lag bei 52,4 Prozent. „Die Lücke zwischen Frauen und Männern bei der unbezahlten Arbeit wurde im Zeitvergleich kleiner, sie ist aber nach wie vor beträchtlich“, sagt Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes bei der Pressekonferenz.
Der Zeitaufwand der Männer verbesserte sich seit 2012/13 insgesamt um 1 Stunde und 20 Minuten. Jedoch stieg auch der Aufwand der Frauen im Zehnjahresvergleich nochmal an.
Einer von vier erwerbstätigen Vätern würde gerne weniger Zeit damit verbringen, seiner bezahlten Arbeit nachzugehen und sich stattdessen lieber mit anderen Sachen beschäftigen. Dem gegenüber steht jede vierte erwerbstätige Mutter, die gerne mehr Zeit für ihren Beruf hätte.
Diese Aufteilung, dass sich Mütter hauptsächlich um den Haushalt und die Kinder kümmern und Väter zur Arbeit gehen, habe sich laut den Angaben des Statistischen Bundesamtes im Vergleich zu 2012/2013 fast gar nicht verändert.
Die Dienstleistungsgesellschaft Verdi fordert die Bundesregierung auf, das geplante „Familienstartzeit“-Gesetz umzusetzen. Dieses ist im Koalitionsvertrag vereinbart worden, jedoch bisher aufgrund einer Blockade der FDP noch nicht in Kraft getreten.
Das Gesetz soll Eltern nach der Geburt ihres Kindes eine bezahlte Freistellung für zwei Wochen zusichern. Vor allem Väter sollen dann die Chance haben, mehr Zeit für Sorgearbeit zu nutzen.