Urlaub im Fischerdorf  Wer in Greetsiel übernachten will, hat viel Auswahl – zu viel?

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 29.02.2024 07:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Fast 800 Ferienwohnungen gibt es allein in Greetsiel. Symbolfoto: DPA
Fast 800 Ferienwohnungen gibt es allein in Greetsiel. Symbolfoto: DPA
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Gibt es noch genügend Platz für Einheimische in Greetsiel? Nachfragen dieser Zeitung zeigen: Das Verhältnis zwischen Ferien- und Dauerwohnen ist wohl teilweise noch schlechter als gedacht.

Greetsiel - Fast drei Monate ist es her, dass die Gemeinde Krummhörn den Auftakt gemacht hat: Nachdem auf mehrere Wohngebiete Veränderungssperren gelegt wurden, hat die Verwaltung das Oldenburger Büro NWP mit der Erstellung eines „Entwicklungskonzeptes Wohnen/Ferienwohnen“ beauftragt. Eines der Ziele: den „Wildwuchs“ an Ferienwohnungen im Küstenort einschränken.

Diese Zeitung hatte im Nachgang des Info-Abends zu dem Thema dazu aufgerufen, weitere Ferienwohnungen zu nennen, denn: Eine genaue Übersicht darüber, wo sich überall Häuser und Wohnungen befinden, die überwiegen oder nur als Ferienwohnungen genutzt werden, gibt es bis heute nicht.

Erste Anfänge gegen „Wildwuchs“ sind gemacht

Auf den Aufruf gab es verschiedene, aber dennoch überschaubare Rückmeldungen. Gerade in einem Gebiet gab es dennoch einen deutlichen Zuwachs an Ferienwohnungen: im Bereich Pferdekoppel, Pilsumer Weg, Boomstroat und Achterum. Hier wurde der Gemeinderat bereits tätig.

So wurden vor rund einem Jahr, im März 2023, für die Bebauungspläne 0536 (Pilsumer Weg und Achterum), 0541 (Pferdekoppel) und 0542 (Boomstroat) Veränderungssperren erlassen und neue Bebauungspläne auf den Weg gebracht. Die neuen Bebauungspläne - für den Pilsumer Weg und Achterum muss ein bestehender Bebauungsplan geändert werden, bei den Gebieten Pferdekoppel sowie Boomstroat wird zum ersten Mal ein solcher Plan erstellt - sollen unter anderem die Höhe von künftigen Neubauten regeln. Aber auch wie viel Fläche eines Grundstücks beispielsweise durch Parkplätze versiegelt werden kann, soll geregelt werden.

Greetsiel deutlich über den Verhältnissen

Das Problem an vielen Ferienwohnungen in Greetsiel: Sie wurden in Wohngebieten eingerichtet. Dies gilt sowohl für sogenannte reine als auch für allgemeine Wohngebieten. Bei letztgenannten gab es eine rechtliche Lücke, die vor ein paar Jahren geschlossen wurde. Allerdings setzte die Gemeinde Krummhörn die Änderung nicht in den eigenen Bebauungsplänen um.

Laut Vorstellung von NWP geht man davon aus, dass in allgemeinen Wohngebieten maximal 20 bis 25 Prozent der Wohnflächen für Ferienwohnen zur Verfügung gestellt werden darf. Greetsiel überschreitet diesen Richtwert regelmäßig. Im Schnitt ergibt sich aufgrund der NWP-Auswertung: Rund 43 Prozent der Nutzungsanteile entfallen im Schnitt auf „Ferienwohnen“ (Hotels sind mit erfasst), die verbleibenden 57 Prozent entfallen auf „Dauerwohnen“ und sonstige Nutzungen. Ausgewertet wurde nach Wohneinheiten in den Plangebieten, dargestellt wird es nach Gebäudeeinheiten. Sprich: Eine Wohneinheit in einem Gebäude als Ferienwohnung bedeutet nicht, dass im gleichen Gebäude nicht auch andere Nutzungen stattfinden.

Entwicklungskonzept soll bald vorgestellt werden

Die Gemeinde will derweil den nächsten Schritt in Richtung „Entwicklungskonzept Wohnen/Ferienwohnen“ tun. Das bestätigte Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) an diesem Montag, 19. Februar 2024, auf Nachfrage. In Kürze solle es eine weitere Zusammenkunft geben. Ziel sei es, so Looden, noch in dieser Jahreshälfte das Entwicklungskonzept Politik und Öffentlichkeit vorzustellen.

Auch an den zu verändernden Bebauungsplänen werde weiter gearbeitet, heißt es auf Nachfrage aus dem Rathaus. Das Entwicklungskonzept soll auch bei der Änderung beziehungsweise Neuaufstellung der Pläne hilfreich sein. Zugleich soll das Entwicklungskonzept Teil eines „Masterplan Greetsiel“ sein, mit dem die künftige Entwicklung des Ortes gesteuert werden soll.

Laut der Gemeindeverwaltung, das ergab eine Abfrage im vergangenen Jahr, sind allein in Greetsiel 780 Ferienwohnungen gemeldet. Das ist der Großteil aller Ferienwohnungen, die zur sogenannten „Zone 1“ gehören. Diese Zone umfasst die Orte Greetsiel, Pilsum, Hauen und Uiterstewehr. Insgesamt gibt es hier 840 „Ferienobjekte“. Das ist deutlich mehr als in allen anderen Orten der Krummhörn. Hier sind insgesamt 240 Ferienobjekte verzeichnet.

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