ID.7 Tourer VW Emden fährt Produktion der E-Autos Mitte März hoch
Der neue Elektro-Kombi ist bei VW in Emden lange herbeigesehnt worden. Nun ist der ID.7 Tourer da. Und die Politik wirft sich schon für ihn in die Bresche.
Emden - Mit der Präsentation des ID.7 Tourer hat das VW-Werk in Emden am Freitag den letzten Schritt zu einer neuen Automobil-Ära eingeleitet. Die Produktion von Benzinern und Dieselautos spielt in Ostfriesland nun nur noch eine untergeordnete Rolle. Die gute Nachricht für den Standort Ostfriesland dabei: Schon ab 18. März werden die Elektroautos in Emden wieder im Zwei-Schicht-Betrieb vom Band laufen – 700 bis 800 Fahrzeuge pro Tag.
„Die Transformation ist in der nächsten Woche abgeschlossen“, sagte Betriebsratschef Manfred Wulff bei einer Pressevorführung im Werk Emden. „Wir haben sehnsüchtig auf den Tourer gewartet. Nun ist er da. Und wir sind mächtig stolz.“
Nachfolger des Passat
Der Tourer ist die Kombi-Version der vollelektrischen Limousine ID.7, die bereits seit Sommer vergangenen Jahres in Emden montiert wird. Der ID.7 gilt als Nachfolger des seit Jahrzehnten in Ostfriesland produzierten Passat. Etwa achteinhalb Millionen Passat sind hier produziert worden. Am nächsten Donnerstag wird damit Schluss sein. Dann rollt der letzte Passat Variant vom Band, und auch die Arteon Limousine läuft dann aus. Übrig bleibt der Arteon Shooting Brake, der wegen Umbauarbeiten in der Produktion für einige Wochen pausiert und dann ab dem 2. April in einer Stückzahl von 40 Autos pro Tag weiter montiert wird – voraussichtlich bis Ende 2025.
„Der Tourer wird unsere Fabrik auslasten“, sagte Werksleiter Uwe Schwartz am Freitag. „Unsere nächste große Herausforderung ist nun die Markteinführung des Autos.“ Bis zum Sommer, wenn der ID.7 Tourer an die Händler ausgeliefert werden soll, müssen genügend Fahrzeuge produziert sein. In zwei bis drei Wochen kann man sich als Kunde das Auto im Internet dann schon mal konfigurieren. Produziert wird der ID.7 Tourer für den europäischen Markt, die ID.7 Limousine zusätzlich ab dem zweiten Halbjahr noch für den nordamerikanischen Markt. Der Preis der Kombi-Version dürfte leicht über dem der Limousine liegen. So hat VW das bislang immer gehandhabt. Die ID.7 Limousine ist mit 57.000 Euro an den Start gegangen. Nach einer Studie des Bochumer Center Automotive Research sind für ID-Modelle allerdings bis zu 19 Prozent Nachlass möglich.
Event für ein ganzes Jahr
Für den VW-Standort Emden ist der Endpreis von ID.4 und ID.7 zunächst einmal zweitrangig. „Für uns ist das ganze Jahr nun ein Event“, sagte Werksleiter Schwartz. Am 14. September sei zum 60. Geburtstag des Werks ein großes Familienfest geplant. Am 1. März 1964 war mit dem Bau der Werkshallen in Emden begonnen worden.
Zum Feiern ist in Emden allerdings nicht allen zumute. „Die Stimmung im Werk schwankt zwischen zwei Extremen“, sagte Schwartz. „Wir sind stolz darauf, wo wir angekommen sind. Es ist aber auch Sorge da, dass die Auslastung gefährdet ist.“ VW Emden sei nun zum Erfolg gezwungen. Ähnlich sieht das der Betriebsratsvorsitzende. Zur Beruhigung habe beigetragen, dass bei VW bis 2029 eine Beschäftigungssicherung gelte. 2024 werde noch ein schwieriges Jahr bleiben. Er könne jetzt nur auf das Jahr 2025 hoffen. Wulff: „Auch an uns gehen die politischen Rahmenbedingungen natürlich nicht spurlos vorbei.“ Er spielte damit auf eine schwache Ladeinfrastruktur, zurückgefahrene Kaufprämien für die Kunden und hohe Produktionskosten unter anderem aufgrund hoher Energiepreise an.
Wirtschaftsminister fordert Brückenstrompreis
Diese Energiepreise treiben auch die niedersächsische Landesregierung um. „Unser Manko sind die Energiepreise“, sagte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) im Interview mit unserer Zeitung. „Die Vorteile durch die zunehmende Verfügbarkeit erneuerbarer Energien an der Küste sind noch nicht zu ökonomischen Vorteilen geworden. Wir haben hier nicht günstigere Strompreise als im Rest der Republik.“
Das Land Niedersachsen hält rund 20 Prozent der Anteile an VW und ist damit äußerst interessiert am Erfolg des Konzerns. Lies: „Wir fordern daher weiterhin vom Bund, einen Brückenstrompreis durchzusetzen. Wenn wir hier im Norden günstigere Strompreise haben, dann kommen die Unternehmen auch zu uns.“ Ein sogenannter Brückenstrompreis soll die Energiekosten für Industrie und Mittelstand für eine gewisse Zeit drosseln. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ist bei dem Thema bislang eher zurückhaltend.