Abwrackung steht an Greetsiel muss von einem Krabbenkutter Abschied nehmen
Ohne Krabbenkutter wäre Greetsiel nicht denkbar. Eins der Schiffe wird nun abgewrackt. Was sind die Gründe und wie steht es um die Flotte insgesamt?
Greetsiel - Das idyllische Fischerdorf Greetsiel ohne Krabbenkutter? Kaum vorstellbar. Umso mehr fällt es natürlich auf, wenn eins der Schiffe im Hafen auseinander genommen wird. Es handelt sich um den Kutter „Nordstrand (NOR 232)“. Dieser liegt aktuell vor der kleinen Greetsieler Werft im Hafen an der Kaimauer und alles, was vom Wasser aus abbaubar war, ist bereits entfernt. Nur noch die Schiffsschale ist übrig. Live-Bilder vom Hafen kann man hier sehen.
Ab dem 25. März wird es dann ernst: Der Kutter wird an Land geholt und innerhalb etwa einer Woche vollständig zerlegt. Das erklärt Gerold Conradi im Gespräch mit dieser Zeitung. Er ist nicht nur Sprecher der Greetsieler Fischer und selbst viele Jahrzehnte mit einem Kutter rausgefahren. Er ist auch Betriebsleiter der Greetsieler Werft. Conradi kennt alle Kutter, hat auf seiner Homepage technische Daten zu den Schiffen aus Greetsiel, Norddeich und weit darüberhinaus zusammen getragen.
Kutter war schon länger nicht „im Dienst“
Der Kutter „Nordstrand“ wurde 1966 gebaut bei der Schiffswerft Bültjer in Ditzum, weiß Conradi. Den Auftrag hatte die Fischerei Noormann aus Norddeich erteilt. Später ging das Schiff in den Besitz von Dirk de Beer über und fuhr von Greetsiel aus. Die Familie de Beer ist in Greetsiel und darüberhinaus für ihren Krabben- und Fischhandel bekannt. Auf Nachfrage bei Geschäftsführer Bernd de Beer zum Kutter „Nordstrand“ und dem Grund des Abwrackens möchte dieser keine Auskunft geben.
Nach Information dieser Zeitung hatte der Kutter aber bereits ein, zwei Jahre nur noch im Hafen gelegen. Einen Kapitän hatte er nicht mehr. Auf Nachfrage bei Gerold Conradi, wann ein Kutter eventuell „auf“ ist, erklärt dieser, dass ein paar der Kutter im Greetsieler Hafen durchaus älter als „Nordstrand“ seien. Es komme einfach auf die Pflege an. „Wenn ein Kutter nicht mehr rausfährt, dann wird er auch nicht gepflegt“, sagt er.
„Jedes Schiff, das abgewrackt wird, macht einen traurig“
In seiner Zeit auf der Werft sei bislang kein Kutter abgewrackt worden. „Nordstrand“ ist also der erste für ihn. „Jedes Schiff, das abgewrackt wird, macht einen traurig“, sagt er. „Ein Schiff hat auch eine Seele“, findet der langjährige Fischer. Das Abwracken selbst läuft dann ziemlich unzeremoniell ab. Das Holzschiff wird aus dem Wasser geholt. Ein Bagger mit Spezialgreifer macht sich ans Werk. Da nichts von dem Material wiederverwendet werden kann, wird kurzer Prozess gemacht. Die Kutter-Reste werden speziell entsorgt.
„Das war früher natürlich ganz anders“, sagt er. Als sein Vater 1970 einen neuen Kutter bekam und den alten abwracken ließ, wurde das Material im eigenen Ofen verheizt. Nur der Vorsteven, das ist der vordere Teil des Kutters, wurde aufgehoben und stand lange als Erinnerungsstück im „Oll Pastoren Tuun“ (alter Pastorengarten) in Greetsiel.
26 Kutter gibt es noch
Dass zeitnah weitere Kutter abgewrackt werden könnten, fürchtet Gerold Conradi aktuell nicht. Im vergangenen Jahr erst war für einen „herrenlosen“ Kutter ein neuer Kapitän gefunden worden. Aktuell seien 17 Krabbenkutter direkt im Hafen, 26 gibt es ingesamt noch plus Muschelkutter. Greetsiel ist der größte Kutterhafen Niedersachsens. Die Flotte ist nicht nur wirtschaftlich wichtig für das Fischerdorf, sondern vor allem auch touristisch.
Würde es keine Kutter oder keine aktiven Fischer mehr geben, dann hätte das sicherlich negative Auswirkungen auf die Gästezahlen, warnen Touristiker und Fischer immer wieder. Gleichzeitig gibt es immer mehr Schwierigkeiten für Fischer. Die hohen Dieselpreise während der Energiekrise machten ihnen zu schaffen. Gefürchteter sind aktuell die Auswirkungen eines von der EU vorgeschlagenen Verbots von Grundschleppnetzen in bestimmten Schutzgebieten. Das Wattenmeer wäre davon voll betroffen - und damit alle Küstenfischer.
Erst Ende Januar 2024 war als Konsequenz in Pewsum der „Zukunftspakt Küstenfischerei“ vorgestellt worden. Der wurde nicht nur von der Krummhörner Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) unterzeichnet, sondern auch von den Bürgermeistern aus Jemgum und Neuharlingersiel, ostfriesischen Landräte, Touristikern, Fischern, der Landwirtschaftskammer für Niedersachsen und der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg. Damit will man bis in die EU-Spitze hinauf darum bitten, gemeinsam eine Lösung zu finden, die sowohl den Umweltgedanken einbindet, als auch die Fischerei ermöglicht.