Unsere zehn Lieblings-Kuriositäten  Bucket-List mit Ostfrieslands Besonderheiten zu Wasser und zu Lande

Melanie Hanz
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Von Melanie Hanz
| 25.02.2024 13:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Die 1,80 Meter Spurweite der Ledabrücke in Amdorf bieten eine spannende Überfahrt. Foto: Archiv
Die 1,80 Meter Spurweite der Ledabrücke in Amdorf bieten eine spannende Überfahrt. Foto: Archiv
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Ostfriesland hat in Sachen Straßen, Wege und Verkehr einige Besonderheiten zu bieten. Hier kommen unsere zehn Lieblings-Kuriositäten – von Holzwegen bis zur Kesselschleuse.

Ostfriesland - Eine 450 Jahre alte Treidelfähre, gleich fünf Radfernstraßen und eine Autobrücke, die einem die Schweißperlen auf die Stirn treibt: Ostfriesland hat in Sachen Straßen, Wege und Verkehr einige Besonderheiten zu bieten. Hier kommen die zehn Lieblings-Kuriositäten der OZ-Redaktion.

Auf dem Holzweg

Wer durchs Moor wandert, sollte unbedingt auf dem sprichwörtlichen Holzweg bleiben – sonst gibt es mindestens nasse Füße. Das gilt beim Spaziergang am Ewigen Meer bei Eversmeer: Der 2,4-Kilometer lange Rundweg ist als Bohlenweg angelegt. Zwölf Tafeln liefern Interessantes zum Ewigen Meer, für Kinder gibt’s Frage-und-Antwort-Spiele und Klapp- und Drehelemente. Allerdings ist der Rundweg seit Jahren nur in Teilen begehbar – die Sanierung zieht sich hin. Das Ewige Meer ist mit 89,2 Hektar Wasserfläche der größte Hochmoorsee Deutschlands.

Auf gleich drei Moorpfaden in Ostfriesland gibt es Interessantes zu entdecken. Hier das Stapeler Moor. Archivfoto: Ortgies
Auf gleich drei Moorpfaden in Ostfriesland gibt es Interessantes zu entdecken. Hier das Stapeler Moor. Archivfoto: Ortgies

Wie vor hunderten Jahren die Ostfriesen das unwegsame Moor durchquerten, zeigt auch der Moorerlebnispfad „Stapeler Moor“ bei Uplengen: Der 1,6 km lange Rundwanderweg mit Aussichtsturm beinhaltet die Nachbildung eines uralten Bohlenwegs. Auch dort erklären Schautafeln Flora und Fauna des Moores.

Dass man nicht nur auf Bohlenwegen durchs Moor gelangt, zeigt der Moorinfoweg Esterwegen: Er widmet eine von 17 Stationen den Möglichkeiten, auf dem Holzweg zu bleiben – nämlich auf Bohlenweg, Bohlendamm, Bohlensteg, Pfahlweg, Pfahlsteg, Pfahldamm und Knüppeldamm, Strauchweg und Pflockreihe.

Spur halten

Unbedingt Spur halten: Das gilt auch auf Deutschlands schmalster Autobrücke: Die 1,80 Meter Spurweite der Ledabrücke in Amdorf bieten eine spannende Überfahrt, die garantiert für Schweißausbrüche sorgt. Und zwar nicht nur, weil die Brücke so eng ist, sondern auch, weil sie 50 Meter in hohem Bogen über den Fluss führt – heißt: Erst geht es recht steil hinauf und dann wieder hinunter.

Die 1,80 Meter Spurweite der Ledabrücke in Amdorf bieten eine spannende Überfahrt. Foto: Archiv
Die 1,80 Meter Spurweite der Ledabrücke in Amdorf bieten eine spannende Überfahrt. Foto: Archiv

Die Stahlfachwerkbrücke hat eine Gesamtbreite von 2,5 Metern und führt seit 1956 über die Leda. Da Gegenverkehr schlichtweg unmöglich ist, regelt eine Ampel die Überfahrt. Unbedingt vorher die Breite des Autos feststellen! Fahrzeuge mit einem Gewicht von zwei Tonnen dürfen über die Brücke fahren. Und wenn man es auch kaum glauben mag: Selbst Sprinter bleiben nicht stecken.

Zu Lande, zu Wasser

Es ist ein Kreuzungspunkt von Radwanderweg, Ems-Jade-Kanal und Straße – das typische Ensemble aus Schleuse, Brücke und historischen Gebäuden macht den Bereich der Schleuse Rahe zu einem schönen Ausflugsziel. Der Ems-Jade-Kanal wurde 1880 bis 1886 gebaut. Zur Überwindung der Höhenunterschiede auf der 72 Kilometer langen Strecke dienen eine Vielzahl von Brücken und Schleusen. Eine davon ist die Schleuse „Kukelorum“ in Aurich/Rahe. Das 55 Meter lange Bauwerk hat zwei Kammern mit insgesamt drei Stemmtorpaaren. Diese Anordnung erlaubt ein an verschiedene Schiffsgrößen angepasstes, wirtschaftliches Schleusen.

Die Brücke Rahe gehört zum Ensemble der Kukelorum-Schleuse. Foto: NLWKN
Die Brücke Rahe gehört zum Ensemble der Kukelorum-Schleuse. Foto: NLWKN

Zu ihrem Namen kam die Schleuse Kukelorum, weil der einstige Schleusenwärter den Kanal zu beobachten hatte – „kieken und luren“ –, um Schiffe frühzeitig zu sehen. Kukelorum heißt heute die Gaststätte an der Schleuse – Hannes Flessner (1928-1984) hat sie besungen: „Bit Kukelorum ant Rahste Verlaat“.

Über den Fluss

Einst war sie wichtiger Teil des Lüdeweges, Haupthandels- und Reisewegs zwischen dem Bischofssitz Münster und der Hafenstadt Emden: Die Treidelpünte bei Amdorf-Wiltshausen am Zweistrom von Leda und Jümme ist nachweislich seit mehr als 450 Jahren in Betrieb und gilt als die älteste handgezogene Wagenfähre Europas. Die Fahrzeiten der Pünte beginnen immer am 1. Mai und enden am 4. Oktober. Betreut wird die Fähre vom Püntenverein.

Die Pünte Wiltshausen. Foto: Archiv
Die Pünte Wiltshausen. Foto: Archiv

Und so funktioniert die Treidelpünte: Das Fährseil ist von Ufer zu Ufer gezogen, so lose, dass es auf dem Flussboden sinken kann, wenn die Fähre nicht in Betrieb ist. Auf der Fähre läuft es über zwei Rollen – im Wechsel immer auf der Seite, auf die das Wasser drückt. An diesem Seil wird die Fähre von Hand über den Fluss gezogen.

Eine Flussquerung per Kurbel ist am Holtlander Ehetief möglich: Die Kurbelfähre auf der nur für Radfahrer angelegten Alternativstrecke zum Friesischen Heerweg zwischen Holtland und Filsum kann jeder von Hand selbst bedienen.

Ein Angebot auf Zeit ist die Friesenfähre zwischen Weener und Mitling Mark (Westoverledingen): Sie ist die Ersatzlösung für die im Dezember 2015 von einem Frachtschiff gerammte Friesenbrücke. Bis Ende 2024 soll die Eisenbahnbrücke mit Geh- und Radweg wieder aufgebaut sein. Die Friesenfähre startet am 1. April in ihre fünfte Saison. Die Nutzung ist kostenlos; die Fähre fährt „auf Abruf“ – per Anruf beim Schiffsführer.

Die kleine Ditzum-Petkum-Fähre ist die einzige noch heute bestehende Fährverbindung über die Unterems. Sie wurde 1926 von der Meyer-Werft gebaut und vor einigen Jahren so umgebaut, dass neben Radfahrern und Fußgängern auch drei Pkw auf die andere Seite gefahren werden können. Dabei geht es rückwärts an und vorwärts von Bord.

3500 Fahrrad-Kilometer

Sage und Schreibe 3500 Kilometer ausgebaute und beschilderte Radwege führen längs und quer durch Ostfriesland. Fünf Ostfriesland Rad-Routen bündeln die schönsten Strecke – jede hat ihren ganz eigenen Reiz: die Ammerlandroute, die Deutsche Fehnroute, die Friesenroute Rad up Pad, die Internationale Dollard Route und die Tour de Fries.

Ostfriesland hat fünf große Radverkehrs-Routen mit 3500 Kilometer Wegen. Foto: Archiv
Ostfriesland hat fünf große Radverkehrs-Routen mit 3500 Kilometer Wegen. Foto: Archiv

Und wem das nicht reicht, kann noch den Emsradweg und den internationalen Nordseeküstenradweg abfahren.

Anrufschranken

Sie sind Relikte aus Bundesbahnzeiten: kleine Bahnübergänge, deren Schranken dauerhaft geschlossen sind. Will man das Gleis überqueren, ruft man per Knopfdruck über eine Wechselsprechanlage den zuständigen Schrankenwärter oder Fahrdienstleiter, der die Schranken dann öffnet. In Ostfriesland sind mehrere so genannte Anrufschranken zu entdecken – bei Engerhafe zum Beispiel, bei Steenfelde, in Gandersum und im Hammrich in Logabirum.

Damit sich im Hammrich in Logabirum die Schranken am Bahnübergang heben, muss man per Knopfdruck beim Schrankenwärter anrufen. Die Gegensprechanlagen gibt’s übrigens in zwei Höhen: für Fußgänger und für Treckerfahrer. Foto: Hanz
Damit sich im Hammrich in Logabirum die Schranken am Bahnübergang heben, muss man per Knopfdruck beim Schrankenwärter anrufen. Die Gegensprechanlagen gibt’s übrigens in zwei Höhen: für Fußgänger und für Treckerfahrer. Foto: Hanz

Rund 480 solcher Anrufschranken gab es Mitte 2020 in ganz Deutschland noch, etwa 60 davon in Niedersachsen. Die Deutsche Bahn ersetzt sie sukzessive durch gesicherte Bahnübergänge mit Schrankenüberwachung oder Freimeldeanlage und Rückstauerkennung.

Zu Fuß von Ihlow nach Norden

Schola Dei - „Schule Gottes“ heißt der Pilgerweg, der seit 2007 Ihlow mit Norden verbindet. Ausgangspunkt für die rund 40 Kilometer lange Tour mit 16 Stationen ist das ehemalige Zisterzienserkloster „Schola Dei“ (1228 bis 1529) im Wald von Ihlow. Das Kloster hatte die damals größten Kirche zwischen Groningen und Bremen. Endpunkt ist die heute größte mittelalterliche Kirche Ostfrieslands: Ludgeri in Norden.

Freie Fahrt in alle Himmelsrichtungen

Sie ist Drehscheibe des Bootsverkehrs in Ostfriesland: Im Emder Stadtteil Wolthusen findet man die Kesselschleuse aus dem 19. Jahrhundert. Das Bauwerk verbindet den Ems-Jade-Kanal mit dem Fehntjer Tief, dem Roten Siel und dem Emder Stadtgraben, über den man bis zum Großen Meer gelangen kann. Aus jeder der vier Schleusenkammern ist die Fortsetzung der Fahrt in drei Richtungen möglich – Boote haben also freie Fahrt in alle Himmelsrichtungen.

Die EmderKesselschleuse ist Drehscheibe des Bootsverkehrs in Ostfriesland – und einzigartig in Europa. Foto: Archiv
Die EmderKesselschleuse ist Drehscheibe des Bootsverkehrs in Ostfriesland – und einzigartig in Europa. Foto: Archiv

Die Kesselschleuse gehört dem Land und wird vom NLWKN betrieben. Zuständig ist die Betriebsstelle in Aurich. Die Anlage besteht aus einer Zentralkammer, dem Kessel, mit einem Durchmesser von 33 Metern und vier weiteren kleineren Schleusenkammern. Über diese vier Kammern werden ankommende Schiffe in die kreisrunde Zentralkammer geschleust und können den Schleusenkessel durch eine der anderen Schleusenkammern wieder verlassen. Der Ausgleich des Wasserstandes erfolgt übrigens ohne den Einsatz von Pumpen: Ein Schleusenwärter ist für den Zu- und Abfluss des Wassers durch Öffnen bzw. Schließen der richtigen Schütze verantwortlich.

Aufs Gleis gesetzt

Sie sind irgendwie urig: Die Borkumer Kleinbahn (Spurweite 900 mm), die Inselbahn Langeoog (Spurweite 1000 mm) und die Wangerooger Inselbahn (Spurweite 1000 mm) sind nicht nur Hauptverkehrsmittel auf ihren Inseln, sondern haben auch große Bedeutung für den Tourismus.

Einen Sonderfall stellt die Spiekerooger Inselbahn (Spurweite 1000 mm) dar, die seit 1981 nach der Einstellung des regulären Verkehrs mit Zügen und Triebwagen auf einer Teilstrecke als Museumspferdebahn betrieben wird. Die Museumspferdebahn ist bislang die einzige ihrer Art in Deutschland.

Die Museumsbahn Küstenbahn Ostfriesland (MKO) fährt von Norden nach Dornum mit Stopps in Lütetsburg, Hage und Westerende. Foto: MKO
Die Museumsbahn Küstenbahn Ostfriesland (MKO) fährt von Norden nach Dornum mit Stopps in Lütetsburg, Hage und Westerende. Foto: MKO

Auf dem Festland rollt zwischen Norden und Dornum die Museumseisenbahn Küstenbahn Ostfriesland – kurz MKO. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in Norden unterhält außerdem ein Eisenbahnmuseum im Lokschuppen des ehemaligen Bahnbetriebswerks in Norden.

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