Osnabrück Geringe Kosten, hohe Renditen: Warum Anleihen-ETFs für Anleger attraktiv sind
Millionen Anleger legen bereits Geld in ETFs an. Jetzt sind auch mit Anleihen-ETFs wieder gute Renditen drin, teilweise bis zu fünf Prozent. Was Anleger und Anlegerinnen beim Kauf beachten müssen und wie sie zu hohe Risiken vermeiden.
Auch für Anleihen gibt es wieder Zinsen. Wer einem Staat oder einem Unternehmen über den Kauf einer Anleihe Geld leiht, kann sich über Renditen von zwei, drei oder mehr Prozent freuen. Und wer als Fondsanleger lieber zu börsennotierten Indexfonds, bekannt auch als ETFs greift, kann jetzt wieder in Anleihen-ETFs investieren. Diese bilden die Kursentwicklung eines Index mit oft hunderten Anleihen nach. Wie das am besten geht – hier die wichtigsten Fragen und Antworten.
Mit einer Anleihe leihen Anleger und Anlegerinnen einem Unternehmen wie BASF oder Apple oder einem Staat wie der Bundesrepublik Deutschland oder den USA für eine bestimmte Laufzeit Geld. Dafür erhalten die Kreditgeber vom Schuldner Zinsen. Der Kauf vor allem einzelner Unternehmensanleihen kann jedoch riskant sein, weil es bei Firmen, die in die finanzielle Bredouille geraten, bei der Rückzahlung der Anleihen zu Zahlungsausfällen kommen kann.
Wem ein Investment in eine oder mehrere Anleihen zu kompliziert, zu riskant oder zu aufwändig ist, kann auch in gemanagte Anleihenfonds (bekannt auch als Rentenfonds) investieren. Dabei wählen Fondsmanager die Anleihen aus. Die Anleihen-ETFs folgen hingegen einem Index, der die Kursentwicklung eines Korbs mit bestimmten Anleihen abbildet.
Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg empfiehlt die Anleihen-ETFs, da die gemanagten Rentenfonds deutlich höhere laufende Kosten und höhere Kaufgebühren (Ausgabeaufschläge) aufweisen, ohne aber im Durchschnitt bessere Renditen zu bringen. Es gibt Staatsanleihen-ETFs und Unternehmensanleihen-ETFs, oft mischen die ETFs auch beide Varianten. Auf dem Markt sind außerdem ETFs mit verschiedenen Laufzeiten. Welche Wertsteigerung sich mit dem ETF erwirtschaften lässt, hängt davon ab, zu welchem Kurs der ETF gekauft und wieder verkauft wird.
Das Risiko wird auf verschiedene, oft hunderte Schuldner verteilt. Fällt einmal eine Anleihe aus, wirkt sich dies nicht so dramatisch aus, wenn alle anderen Anleihen pünktlich bedient werden. Anleihen-ETFs zu kaufen und zu verkaufen geht einfach mit ein paar Klicks über ein online geführtes Wertpapierdepot.
Die laufenden Kosten von oft weniger als 0,2 Prozent pro Jahr sind geringer als bei den gemanagten Rentenfonds. Wer ein Zusatzeinkommen braucht, kann auf ausschüttende Anleihen-ETFs setzen, bei denen die Zinsen regelmäßig gutgeschrieben werden. Finanzexperte Nauhauser empfiehlt, vor dem Kauf einen Blick in das sogenannte Factsheet des Fonds zu werfen: „Dort ist kurz und bündig aufgeführt, was in dem ETF wirklich drinsteckt.“
Staatsanleihen-ETFs mit hoher Bonität können Renditen von ein bis drei Prozent jährlich einbringen. Bei Unternehmensanleihen-ETFs sind Renditen von drei bis fünf Prozent möglich. Auch bei Anleihen-ETFs gibt es jedoch wie bei Aktien-ETFs Risiken. Je länger die Laufzeiten der Anleihen und je schlechter die Bonitäts-Noten für die Anleihen, desto stärker sind mögliche Kursschwankungen und desto höher ist das Verlustrisiko.
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Anleihen-ETFs litten 2022 unter deutlichen Kurseinbußen von teilweise mehr als 20 Prozent. Der Grund: Als die Zinsen 2022 schnell stiegen, gaben die Kurse der bereits gekauften Anleihen nach, weil es für neue Anleihen höhere Zinsen gibt.
Zuletzt war die Wertentwicklung der Fonds aber überwiegend positiv. Anlegerinnen und Anleger haben wie bei Aktien-ETFs aber stets die Möglichkeit, Kursverluste einfach auszusitzen und auf bessere Zeiten zu warten. Finanzexperte Nauhauser rät Anlegern, die auf Nummer sicher gehen wollen, in ETFs mit sicheren deutschen Staatsanleihen mit weniger als einem Jahr Laufzeit zu investieren. „Je länger die Restlaufzeit der Anleihen, desto höher das Kursrisiko“, sagt er.
Bankenvolkswirte rechnen damit, dass die Anleihekurse steigen werden. Der Grund: Die Notenbanken dürften in diesem Jahr Schritt für Schritt die Leitzinsen senken. Das hat zur Folge, dass die zuvor herausgegebenen Anleihen mit höheren Zinskupons attraktiver werden und ihre Kurse steigen. Gleichzeitig können Käufer von Anleihen-ETFs sich die gestiegenen Zinsen für eine längere Zeit sichern.