Osnabrück  DFL-Investorendeal platzt: Die Fans sind mächtig, Reformen trotzdem nötig

Malte Goltsche
|
Von Malte Goltsche
| 21.02.2024 17:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Proteste gegen den DFL-Investorendeal gab es überall, auch in Osnabrück. Foto: imago/Noah Wedel
Proteste gegen den DFL-Investorendeal gab es überall, auch in Osnabrück. Foto: imago/Noah Wedel
Artikel teilen:

Die DFL wollte mit einem finanzkräftigen Investor hoch hinaus. Aber: Sie ist eingeknickt – vor der Macht der aktiven Fanszenen. Und zeigt damit unfreiwillig, was den deutschen Fußball einzigartig macht.

Andere Ligen seien in Sachen Vermarktung, medialer Präsenz und Digitalisierung weit enteilt. Der deutsche Fußball könne nur mit einem „strategischen Partner“ Anschluss an andere internationale Topligen halten, der Abermillionen in den Sport pumpt, so die DFL.

Die Abstimmung – der zweite Versuch nach dem gescheiterten ersten Durchgang im Mai – am 11. Dezember triefte vor Intransparenz. Eine geheime Abstimmung mag zwar grundsätzlich im Sinne der Demokratie sein. Wenn aber im Zuge dieser Abstimmung die Grundfesten des deutschen Fußballs nicht geachtet werden, ist sie nicht legitim.

Mehr zum Thema: DFL verzichtet auf Investoreneinstieg

Zu diesen Grundfesten gehört die 50+1-Regel, die Hannovers Clubboss Martin Kind offensichtlich gebrochen hat, weil er gegen den Willen der 96-Fans als ihr Vertreter die entscheidende Stimme für den Investor gegeben hat. In manchen Fällen war solch ein Dialog zwischen Vereinen und Fans kaum möglich, weil die DFL den Zeitplan vor der Abstimmung so eng gestaltete. Der Eindruck, dass die DFL den Deal durchpeitschen wollte, ohne die Fans zu informieren und anzuhören, verfestigte sich.

Die aktiven Fanszenen lehnten sich dagegen auf und protestierten auf mutige, kreative, beharrliche – und am Ende erfolgreiche Art und Weise. Die Mitbestimmung der Anhänger – so verwässert sie an manchen Fußballstandorten sein mag – ist das, was den deutschen Fußball ausmacht. Dass Fans über die Vorgänge in ihren Clubs möglichst demokratisch entscheiden können, ist das höchste Gut dieses deutschen Kulturproduktes. Erst daraus entsteht die Kraft der Kurven und die im Vergleich zu anderen Topligen einzigartige Stimmung in deutschen Arenen.

Wer einmal im Herzen der Bremer Ostkurve stand, eine Schalker Mitgliederversammlung miterlebt hat oder mit Eintracht Frankfurt nach Barcelona gefahren ist, den interessiert es nicht im Ansatz, wie die Busankunft der TSG Hoffenheim in Heidenheim aussieht – und das Gleiche gilt für die von der DFL anvisierten Fans in Indien, China oder den USA.

Statt ins Ausland zu schielen und nach dem größten Geldkoffer zu suchen, muss die DFL sich auf das besinnen, was sie zur Verfügung hat: ein möglichst großes Maß an Mitbestimmung, Tradition und die tiefe emotionale Verankerung des Fußballs in fast jeden Winkel der Bundesrepublik.

Die Frage, wie sich der deutsche Fußball weiterentwickeln kann, ist nicht geklärt. Nötig sind Reformen weiterhin, vor allem in Sachen Digitalisierung, Vermarktung und der Geldverteilung.

Wie wäre es zum Beispiel, wenn Fans nicht mehr mehrere Pay-TV-Abos abschließen müssten, um einen Bundesliga-Spieltag zu sehen? Oder das entsprechende TV-Geld so verteilt würde, dass wieder ein echter Wettbewerb entsteht? Oder die 50+1-Regel endlich wieder überall gelebt würde? Oder es einen Fandialog als feste Institution bei der DFL gäbe, bevor wegweisende Entscheidungen fallen sollen? Bei solchen Ideen flögen sicher keine Tennisbälle.

Auch lesen: VfL Osnabrück begrüßt Absage des DFL-Präsidiums an den Investorendeal

Ähnliche Artikel