Kolumne „Klare Kante“ Bürokratisierte Kunst nach Vorschrift
In der Bundeshauptstadt steigt derzeit wieder die Berlinale mit Stars und Glamour. All das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Filmfestival an Glanz verliert, findet unser Kolumnist.
Die Hauptstadt gleicht noch bis zum Wochenende einem glitzernden Laufsteg. Der wegen seiner Rolle in „Oppenheimer“ oscar-verdächtige Cillian Murphy, Golden Globe-Gewinner Matt Damon, Iris Berben, Veronica Ferres und Regisseur Wim Wenders waren neben vielen anderen auf dem Roten Teppich der 47. Berlinale zu sehen.
Alle „Bussi-Orgien“ bei zahlreichen Empfängen mit Stars und Starlets können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Berlinale wie ihr Standort von abnehmendem Glanz gekennzeichnet ist. Die neue Chefin, die aus London gekommene US-Amerikanerin Tricia Tuttle, muss einsparen, Programme reduzieren, abspringende Sponsoren wiedergewinnen und für internationale Stars wieder attraktiver werden.
Berlin pflegt vor allem sein Image als „politisches Festival“, was seiner Anziehungskraft nicht dient. So wirkte die Demonstration gegen den Rechtsextremismus und die Ausladung lokaler AfD-Funktionäre eher wie eine demokratische Pflichtübung, der „Strike Germany“-Aufruf einiger Regisseure wegen der angeblich zu pro-israelischen Haltung der deutschen Regierung als ein schrilles Begleitkonzert zum Film „No Other Land“, in dem „Free Palestine“ Rufe ertönten und Israel als Apartheidstaat denunziert wurde.
Nun ist man gespannt auf die von Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) geplante Reform der Filmförderung, also die Verteilung von 600 Millionen Euro für den am Tropf des Staates hängenden deutschen Film. Positiv sind vorgesehene Steueranreize für Produktionen, die ins Land gelockt werden sollen und andere neue Rahmenbedingungen der Förderpolitik.
Dass die grüne Kulturbeauftragte aber von Ideologie nicht lassen kann, zeigen inhaltliche „Vorgaben zur ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit, einschließlich Diversität, Geschlechtergerechtigkeit und Inklusion“. Das atmet bürokratisierte Kunst nach Vorschrift, widerspricht dem Grundgesetz und ist kein großes Kino.
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