Bei Groningen und Kickers gespielt Warum Corvin Braun mit 21 Jahren mit Fußball aufgehört hat
Vor einem Jahr spielte der Rheiderländer noch in der Regionalliga – nun gar nicht mehr. Was dahinter steckt, was er nun macht und welche Ex-Mitspieler nun Profis sind.
Oldenburg - In seiner Jugendzeit drehte sich bei Corvin Braun nahezu alles um das runde Leder. Doch das war einmal. Die Prioritäten des mittlerweile 22-Jährigen, der in der vergangenen Saison noch für Kickers Emden in der Regionalliga auflief, haben sich geändert. Obwohl er verletzungsfrei ist, ist es nun schon ein Dreivierteljahr her, dass das einstige ostfriesische Top-Talent das letzte Mal gegen einen Ball getreten hat. Es war Mitte Juni 2023 bei einem Probetraining beim Regionalliga-Nordost-Absteiger VfB Germania Halberstadt. Ein Vertrag war damals nicht zustande gekommen – ebenso nicht ein neuer Kontrakt beim BSV Kickers Emden.
Böse drum ist der ehemalige Jugendspieler des FC Groningen deshalb nicht wirklich. „Ich bin so weit ganz glücklich, wie es gerade ist“, sagt der Rheiderländer. Glücklich, ohne Fußball zu spielen. „Ehrlich gesagt habe ich einfach die Lust am Fußball verloren. Ich habe einige harte Jahre mit wenig Spielzeit hinter mir“, reflektiert der Blondschopf. Mit 21 Jahren hörte Corvin Braun im vergangenen Sommer also mit dem Kicken auf. Für immer? „Es kann gut sein, dass ich mir bald wieder einen Verein suche. Vielleicht spiele ich aber nicht mehr so leistungsorientiert wie bisher, sondern in der Bezirksliga“, sagt er.
Erst Post, bald bei der Polizei
Bei seinem Heimatverein TV Bunde? Als B-Jugendlicher des FC Groningen sagte Braun 2019 unserer Zeitung, dass er gerne einmal zum TV Bunde zurückkehren würde, nach der Fußball-Karriere. „Sollte es für mich nicht zum Profi reichen, würde ich gerne schon früher zum TV Bunde zurückkehren“, hatte der damals 17-Jährige gesagt. Und den Gedanken einer Rückkehr zum TV hat Corvin Braun noch immer. „Da habe ich noch immer Freunde. Mit Steffen Buse, der dort in der 1. Herren spielt, habe ich einst mit dem Fußballspielen in der G-Jugend angefangen. Vielleicht laufen wir ja noch mal zusammen auf. Doch aktuell liegt mein Fokus auf anderen Dingen.“
Da wäre auf der einen Seite der berufliche Weg und auf der anderen das private Glück mit Freundin Merle Lambrecht aus Nortmoor. Zum anderen betreibt Corvin Braun seit Sommer noch intensiver Kraftsport als zuvor ohnehin schon. Am 1. März fängt Corvin Braun ein duales Studium bei der Polizei in Oldenburg an. „Meine Schwester ist auch Polizistin. Ich fand das immer schon interessant und freue mich darauf“, sagt Braun. Bis dahin arbeitet der 22-Jährige bei der Post. Miete, Lebensmittel und Co. bezahlen sich schließlich nicht von selbst. Ende Oktober ist Corvin Braun bei seinen Eltern in Bunde ausgezogen. Gemeinsam mit seiner Freundin lebt er jetzt in Oldenburg, es ist ein ganz anderer Alltag. „Wir wuppen das ganz gut, denke ich“, schmunzelt Corvin Braun.
Weggefährte Reis nun beim Hamburger SV
Auch wenn er selbst nicht mehr gegen den Ball tritt, ist seine Leidenschaft für den Fußball ungebrochen. „Abends nach Feierabend schaue ich unheimlich gerne Fußball auf dem Sofa. Und ich habe jetzt ja auch die Zeit, mal wieder regelmäßig selbst ins Stadion zu gehen.“ Bei seinem Lieblingsklub Werder Bremen ist Braun Mitglied geworden, um besser an Tickets zu kommen. Auch beim FC Groningen schaut er sich gelegentlich noch Spiele vor Ort an. Die Sympathien für den niederländischen Klub sind geblieben. Acht Jahre spielte Braun dort, von der D-Jugend bis zur U21. Er war Teil einer „Goldenen Generation“ beim FC Groningen. In der U17 holte sie als erste Nachwuchsmannschaft des Vereins die niederländische Meisterschaft. „Ein paar Jungs aus meinem damaligen Team spielen jetzt bei Groningen in der Ersten“, freut sich Braun mit.
Manch einer seiner Mitspieler in der Jugend wurde mittlerweile für Millionenbeträge ins Ausland transferiert. Tomas Suslov (nun Hellas Verona) und Bjorn Meijer (nun FC Brügge) beispielsweise. Mit Ludovit Reis, der beim Hamburger SV unter Vertrag steht, ist Braun eine Zeit lang jeden Morgen im Bulli zum Training gefahren. „Ich wurde in Bunde eingesammelt, Ludovit in Zuidbroek“, schildert Braun. „Er wohnte dort in einer Gastfamilie gemeinsam mit Darlin van der Werff – der dann später ja auch eine Zeit lang bei Kickers Emden gespielt hat.“
Schwieriger Stand bei Kickers Emden
Corvin Braun schloss sich im Sommer 2021 dem BSV Kickers an. „Ich hatte da zwei harte Fußball-Jahre hinter mir. In der A-Jugend hatte ich mir das Kreuzband gerissen, dann kam Corona. In Emden wollte ich mir Spielpraxis holen und dann vielleicht höher gehen“, sagt Braun. Doch es kam anders. „Rückblickend muss ich sagen, dass ich es mir zu leicht vorgestellt hatte. Auch wenn du eine Akademie bei einem Profiklub durchlaufen hast, musst du dich erstmal im Herrenfußball durchsetzen.“
In seiner ersten Herrensaison, in der Kickers aus der Oberliga aufstieg, bestritt Braun 22 Spiele, nur fünf von Beginn an. „Meine Stammposition im defensiven Mittelfeld war mit Ibrahim Sillah und Matthias Goosmann fest besetzt. Das war nicht so leicht für mich, da vorbeizukommen.“ Trotz seiner Rolle als Ergänzungsspieler in der Oberliga wollte Kickers mit Braun das Regionalliga-Abenteuer angehen. Diese Chance wollte Braun ergreifen.
Er bekam tatsächlich mehr Spielzeit, mauserte sich zwischenzeitlich zum Stammspieler, wenn auch in einer für ihn ungewohnten Dreierkette. „Sportlich lief es aber ja nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Der Abstieg stand früh fest. Und dann wurden mit dem Einstieg von Henning Rießelmann schon Leute für die neue Saison verpflichtet. Mit mir wurde lange aber nicht geredet. Da hatte ich mit Kickers abgeschlossen.“ Zwanghaft nach einem neuen Klub hatte er gar nicht gesucht. Über einen Berater, der Kontakt zu ihm aufnahm, kam das Probetraining in Halberstadt zustande. Es war das letzte Mal, dass Braun gegen den Ball trat.