Folge 2  Kurioser als die Polizei erlaubt – die ungewöhnlichsten Fälle

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 19.02.2024 12:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
So mancher Einsatz lässt die Polizeikräfte kopfschüttelnd zurück. Illustration: Malchus
So mancher Einsatz lässt die Polizeikräfte kopfschüttelnd zurück. Illustration: Malchus
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Die Polizei muss sich in Ostfriesland oft mit ernsten Fällen auseinandersetzen. Aber manchmal sind Dinge dabei, die einen schmunzeln oder den Kopf schütteln lassen. Lesen Sie selbst.

Ostfriesland - Was war das denn? So manche Polizeimeldung liest man mit einem Kopfschütteln. Neben ernsten Einsätzen gibt es im Polizeialltag auch immer wieder Kurioses und erstaunliche Situationen. Und manchmal verwundern Täterinnen und Täter mit ihren – nennen wir es „kreativen“ Einfällen. Wir stellen hier die kuriosesten Polizeimeldungen der vergangenen Wochen vor.

Das Recht des Stärkeren

Den Bus hätte der junge Mann besser wegfahren lassen. Symbolfoto: Pixabay
Den Bus hätte der junge Mann besser wegfahren lassen. Symbolfoto: Pixabay
Er wollte es einfach nicht einsehen: Anfang Februar hat sich ein 24-Jähriger mit einem Bus angelegt. Aber eins nach dem anderen: Gegen Mittag wurde die Polizei gerufen. Sie wurden, so teilen die Beamten mit, über einen „Vorfall“ am Bahnhofsring in Leer informiert. Alles hatte damit angefangen, dass ein 24-Jähriger seinen Fernreisebus verpasst hatte. Er fuhr ihm sozusagen vor der Nase davon. Oder wie die Polizei es formuliert: „Er konnte den bereits abfahrenden Bus bei seiner Ankunft am ZOB noch sehen.“ Das wollte der junge Mann scheinbar nicht hinnehmen.

Also entschloss er sich dazu, „sich auf die Straße und damit in den Fahrweg des Busses zu stellen.“ Der 43-jährige Busfahrer wurde zum Anhalten genötigt und konnte nicht nach Plan weiterfahren. „Er erstattete Anzeige bei der Polizei. Der 24-Jährige muss sich nun in einem Ermittlungsverfahren verantworten.“ Da hätte er lieber auf den nächsten Bus warten sollen.

Nicht gerade blitzgescheit

Das Rücklicht des Anhängers wurde eingeschlagen. Foto: Archiv
Das Rücklicht des Anhängers wurde eingeschlagen. Foto: Archiv
Seit September 2022 halten so manche Autofahrerinnen und Autofahrer in Emden wachsam Ausschau nach „ihr“: der teilmobilen Blitzer-Anlage Engelke. Sie ist benannt nach der Figur im Emder Stadtwappen „Engelke up de Muer“ (Engel auf der Mauer) und trägt auch einen farblichen Aufkleber der Figur. Fast 6000 Mitglieder hat die Facebook-Gruppe „Wo steht der Engelke Blitzer?“ mittlerweile.

Vor wenigen Tagen wurde der Blitzer-Anhänger im Steinweg beschädigt, teilt die Stadt mit. Unbekannte schlugen ein Rücklicht ein. Die Stadt hat Anzeige erstattet. Es sei das erste Mal gewesen, dass der Blitzer beschädigt wurde. Das Vorgängermodell des Blitzer-Anhängers wurde im Dezember 2021 mal von Unbekannten in der Trogstrecke mit Verkehrsbaken zugestellt. Also wenn ein Raser seine Wut am Blitzer ausgelassen hat, hat es eindeutig den Falschen getroffen, denn Engelke hatte ja nicht den Bleifuß.

Dreiste Diesel-Diebe

Immer mal wieder schlagen dreiste Diesel-Diebe auch in dieser Region zu. Ungewöhnlich ist aber, dass Diebe innerhalb von nur drei Tagen gleich zweimal auf der Großbaustelle bei der neuen Friesenbrücke bei Hilkenborg Kraftstoff aus Baustellenfahrzeugen abgezapft haben. Obwohl die abgezäunt ist. (7. Februar 2024, ab 16 Uhr und Donnerstag, 8. Februar 2024, bis 7 Uhr)

Beim ersten Mal haben die Diebe nach Angaben der Polizei aus einem Tank eines Baustellenfahrzeugs rund 400 Liter Diesel gestohlen. Baggern? Fehlanzeige: „Mitarbeiter des geschädigten Unternehmens stellten am Morgen zu Arbeitsbeginn fest, dass der Tank eines Baggers vollständig geleert worden war und dass mehrere Hundert Liter Diesel fehlten“, teilte die Polizei mit. Der Schaden beläuft sich nach Angaben der Beamten auf einen höheren dreistelligen Eurobetrag.

Auf der Baustelle der Friesenbrücke waren Diebe unterwegs. Foto: Ammermann/Archiv
Auf der Baustelle der Friesenbrücke waren Diebe unterwegs. Foto: Ammermann/Archiv
Nur weniger Tage später waren die Diebe wieder am Werk. Sie haben den Tankdeckel eines Baggers aufgebrochen, und zapften laut Polizei rund 300 Liter Diesel aus dem Baustellenfahrzeug ab. Wie die Diebe das gemacht haben, wird ermittelt. „Spuren, die auf ein Aufbohren der Tanks hindeuten, wurden dabei in beiden Fällen nicht festgestellt“, teilte die Polizei mit. Die Täter werden gesucht: Ganz unauffällig dürften sie nicht gewesen sein: „Es ist davon auszugehen, dass die Täter mit entsprechend geeignetem Transportmaterial vor Ort erschienen sind, um den Kraftstoff auch abtransportieren zu können.“ Vielleicht waren es auch mehrere Personen – immerhin wurden hunderte Liter gestohlen. „In beiden Fällen wird wegen des besonders schweren Falles des Diebstahls ermittelt. Das Strafgesetzbuch sieht dafür eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu zehn Jahren vor“, sagte der Beamte.

Eiskalt erwischt

Noch ein Dieb schafft es in die kuriosen Fälle. Allerdings nicht, weil er auch so etwas Großes gestohlen hätte, wie Hunderte Liter Kraftstoff. Sondern weil er – Achtung, Wortwitz – „eiskalt“ war. In der Fußgängerzone in Leer hat der Unbekannte in die Kasse eines Verkaufsstandes für Softeis gegriffen. Er erbeutete eine Handvoll Bargeld.

Falsches Spiel

Noch eine Meldung fällt in die Kategorie: „Wer macht denn sowas?“ Auf einem Spielplatz in Emden trennten Unbekannte mehrere Taue und ein Netz aus einem Klettergerüst. Es handelte sich dabei um sogenannte Herculesseile, die im Inneren stahlverstärkt sind, wie die Polizei schreibt. Erstens: Wow, das muss anstrengend gewesen sein. Zweitens: Wieso nur?

Taue und Kletternetze wurden mit einem Winkelschleifer beim Spielplatz am Heuzwinger abgetrennt und mitgenommen. Sie sind offenbar viel Geld wert. Foto: Stadt Emden/Archiv
Taue und Kletternetze wurden mit einem Winkelschleifer beim Spielplatz am Heuzwinger abgetrennt und mitgenommen. Sie sind offenbar viel Geld wert. Foto: Stadt Emden/Archiv
Das fragte sich natürlich auch die Polizei. Und sie kamen einer Sache auf die Spur. Zuerst hatte die Polizei wegen Sachbeschädigung ermittelt, dann deuteten „die weiteren polizeilichen Ermittlungen eindeutig auf ein Diebstahlsdelikt hin.“ Die Herculesseile sind nicht gerade günstig: Gesamtwert im mittleren vierstelligen Eurobereich. Ob sich da jemand ein neues Klettergerüst in den Garten stellen will?

Tierisch mitgefiebert

Eine Polizeikontrolle der anderen Art gab es auf dem Stadtring in Leer. Es ging nämlich nicht um einen Autofahrer. Die Polizei hatte einen kleinen Hund dort aufgegabelt. Mehr als 1500 Mal wurde der Suchaufruf bei Facebook geteilt. Zunächst dauerte es ein wenig, bis man die Besitzer gefunden hatte. Obwohl der Kleine auch auf dem Arm des Polizisten ganz zufrieden aussah, sind sicher alle froh, wieder vereint zu sein.

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