„Steadfast Defender“  Großes Nato-Manöver startet im Emder Hafen

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 16.02.2024 19:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Blick aus der Luft: Die Reihen der Fahrzeuge lichteten sich am Freitag schnell. Das Verladen wurde monatelange vorbereitet. Foto: Bundeswehr
Blick aus der Luft: Die Reihen der Fahrzeuge lichteten sich am Freitag schnell. Das Verladen wurde monatelange vorbereitet. Foto: Bundeswehr
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Deutschland beteiligt sich am Nato-Manöver „Steadfast Defender“. Dafür wurde jetzt einiges an militärischen Fahrzeugen und Material im Emder Hafen verladen.

Emden - Das Ziel ist klar: Abschreckung in Richtung Russland. Am Freitag startete in Emden der deutsche Beitrag zur großen Nato-Übung „Steadfast Defender“ (deutsch: Standhafter Verteidiger). Die Bundeswehr beteiligt sich in der vierteiligen Übung „Quadriga 2024“ an der Übung.

In den vergangenen Tagen hatte die Bundeswehr vor allem per Zug Fahrzeuge und Material der Gebirgsjägerbrigade 23 „Bayern“ der 10. Panzerdivision aus Bad Reichenhall nach Emden transportiert. Im Hafen wurden die rund 160 Fahrzeuge, im Vorfeld war von 100 die Rede, darunter auch Gebirgspanzer, auf ein sogenanntes Roll-on-Roll-off-Schiff (Ro-Ro-Schiff) verladen.

Logistiker aus Delmenhorst im Einsatz

Hier waren vor allem die rund 25 Soldaten des Logistikbataillons aus Delmenhorst gefragt. Neben den Fahrzeugen mussten auch rund 60 Seecontainer mit Material verladen werden. Unterstützt wurden die Soldatinnen und Soldaten von zivilen Kräften aus dem Emder Hafen und von der Besatzung des dänischen Ro-Ro-Schiffes.

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Was hat Emden mit einer großen Nato-Übung zu tun?
16.02.2024

Insgesamt nehmen von deutscher Seite aus rund 12.000 Soldatinnen und Soldaten mit insgesamt rund 3000 Fahrzeugen sowie 30 „Luftfahrzeugen“ an „Steadfast Defender“ teil. Die Bundeswehr schreibt auf Ihrer Internetseite: „Das Szenario ist beängstigend, aber nicht unrealistisch. Ein Aggressor greift das Nato-Bündnis in Europa an: aus dem Nordosten, dem Osten und dem Südosten. Um den Angreifer zu stoppen, ruft die Nato den Bündnisfall aus. Die Alliierten machen sich bereit, Europa gemeinsam zu verteidigen.“

Eindeutiges Signal in Richtung Russland

Dass das Szenario nicht zufällig so gewählt wurde, ist klar: „Die Nato will zeigen, wozu sie in der Lage ist – und Russland soll sehen, was es bei einem Angriff auf das Bündnisgebiet zu erwarten hätte. Abschreckung ist das Gebot der Stunde an der Nato-Ostflanke“, so die Bundeswehr weiter.

Allein die Vorbereitung des Quadriga-Teiles habe Monate gedauert, heißt es vor Ort in Emden vom zuständigen Korvettenkapitän Florian (Nachnamen von den Soldaten werden nicht genannt). Er leitete für das Logistikzentrum der Bundeswehr den Umschlag.

Insgesamt 90.000 Soldaten nehmen teil

Die Verladung von Fahrzeugen und Material auf das Schiff sei dabei eigentlich der einfachste Teil. Das Material der Gebirgsjägerbrigade 23 wird voraussichtlich in drei bis fünf Tagen einen nicht näher bestimmten norwegischen Hafen erreichen. Dort wartet die nächste Herausforderung: „Wir rechnen mit Schnee, Schneeverwehungen und ähnlichen Witterungsbedingungen“, so der Korvettenkapitän. Witterungsbedingungen, für die die Gebirgsjäger ausgebildet wurden.

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Quadriga 2024
16.02.2024

Unter dem Titel „Grand North“ läuft die Übung zum Verlegen von Mensch und Material ins Zielgebiet Norwegen. Während das Material schon am Freitagabend Emden verlassen hat, folgen die Einsatzkräfte Anfang März. Dann „werden die Spezialistinnen und Spezialisten für den Kampf in harschen klimatischen Umgebungen“ unter anderem mit Kräften aus Norwegen, Finnland und Schweden trainieren.

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Neben „Grand North“ gehören zur „Quadriga 2024“ noch die Teilübungen „Grand Center“ mit den Zielländern Polen und Litauen, „Grand South“ mit den Zielländern Rumänien und Ungarn sowie die Abschlussübung „Grand Quadriga“ in Litauen im Mai. Für die deutschen Landstreitkräfte sei die „Quadriga 2024“ die größte Übung seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine. Mit Blick auf die Nato ist „Steadfast Defender“ das größte Manöver seit 35 Jahren. Insgesamt nehmen rund 90.000 Soldatinnen Soldaten an der internationalen Übung teil.

Deutschland ist dabei eine wichtige Drehscheibe für die Verlegung der Truppen. So kamen in dieser Woche britische Streitkräfte mit rund 300 Fahrzeugen in Emden an. Seit Donnerstag bewegen sich die britischen Konvois teilweise über die Autobahn in Richtung Polen. Am Freitagmittag waren im Emder Hafen auch noch zahlreiche britische Fahrzeuge zu sehen.