Osnabrück  Wo das Schnitzel dominiert: Was ist eine Sättigungsbeilage?

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 16.02.2024 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Geradezu klassisch - Fleisch und Sättigungsbeilage: Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat. Foto: IMAGO/Zoonar
Geradezu klassisch - Fleisch und Sättigungsbeilage: Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat. Foto: IMAGO/Zoonar
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In der Mitte das Schnitzel, drumherum die Sättigungsbeilage: So sieht es oft auf einem Teller aus. Aber warum ist das so? Und warum kommt das Wort Sättigungsbeilage aus der Mode?

Hauptsache viel: Es soll ja Menschen geben, die ihre Mahlzeit nach diesem Kriterium definieren. Andere lieben es hübsch übersichtlich auf ihrem Teller. Die einen wollen sich den Bauch vollschlagen, die anderen eher speisen. Wer von beiden wohl noch etwas mit dem Wort Sättigungsbeilage anfangen kann?

Der vollgeladene Teller signalisierte einst Wohlstand. Heute kommt er einem eher wie das falsche soziale Signal vor. Esse ich womöglich ungesund und ohne Bewusstsein? Die einen halten den gut gefüllten Teller für ein Zeichen der Übersättigung in der Konsumgesellschaft. Andere verstehen das Stück Fleisch als politisches Statement: Ich lasse mir das Schnitzel nicht verbieten!

Wer von der Sättigungsbeilage spricht, meint weder Steak noch Schnitzel. Oder indirekt doch? Denn der kollektive Begriff subsumiert alles, was eben nicht die Fleischportion auf dem Teller ist. Ob Kartoffel oder Gemüse oder Reis – unter dem Begriff der Sättigungsbeilage haben viele Lebensmittel Platz wie unter einer Warmhaltehaube.

Ob wir den Begriff der Lebenswelt der DDR verdanken? Damals soll er auf Speisekarten als Platzhalter funktioniert haben. Es war angeblich einfach nicht klar, was am Ende wirklich auf dem Teller landen würde. Sättigungsbeilage: Ein Verlegenheitswort der Mangelwirtschaft?

Ich finde viel wichtiger, dass sich in dem Begriff eine bestimmte Haltung zu Nahrung und Ernährung spiegelt. Die Sättigungsbeilage hat keinen eigenen Wert. Sie definiert sich eben nur als Beilage dessen, was die Mahlzeit dominiert. Und das ist das Stück Fleisch.

Aber wer spricht heute wirklich noch von Sättigungsbeilage? Das Wort kommt uns abhanden, weil sich der Blick auf die Ernährung verändert hat. Fleisch dominiert nicht mehr den Teller, den Bowl ohnehin nicht. Und für viele ist der Verzicht auf Fleisch kein wirklicher Verlust.

Jedem bitte seine Vorlieben und Gewohnheiten, auch und gerade beim Essen. Den Begriff der Sättigungsbeilage finde ich trotzdem zu undifferenziert. Zum Glück wird heute über Nahrung genauer gesprochen. Zum Vorteil der Gesundheit – und des Genusses.

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