Hamburg  Prostatakrebs: Wie Sport das Krebsrisiko senken kann

Henry Borgelt
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Von Henry Borgelt
| 14.02.2024 19:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Es muss nicht immer Extremsport sein: Bereits leichte Aktivitäten wie das Fahrradfahren könnte laut einer Studie helfen, das Risiko einer Prostatakrebserkrankung zu senken. Foto: IMAGO/Fréderic Cirou
Es muss nicht immer Extremsport sein: Bereits leichte Aktivitäten wie das Fahrradfahren könnte laut einer Studie helfen, das Risiko einer Prostatakrebserkrankung zu senken. Foto: IMAGO/Fréderic Cirou
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Es ist die häufigste Krebsform bei Männern: der Prostatakrebs. Nun zeigt eine neue Studie, dass neben der Vorsorgeuntersuchung auch Sport einen Einfluss auf den Prostatakrebs haben kann. Aber wie kann Sport beim Kampf gegen den Krebs helfen?

Nicht zuletzt durch die Prostatabehandlung von König Charles richtet sich die Aufmerksamkeit darauf, wie die häufigste Krebsform unter Männern bekämpft werden kann. Laut einer Prognose dürfte die Zahl der Krebsfälle weltweit um 77 Prozent ansteigen. Neben der Vorsorgeuntersuchung, zu der allerdings nur jeder Vierte erscheint, gibt es scheinbar nur wenig, was Männer zur Vorbeuge des Prostatakrebses tun können.

Eine neue Studie aus Schweden, die in der Fachzeitschrift „The British Journal of Sports Medicine“ erschienen ist, lenkt den Fokus nun auf den Sport. Die Forscher untersuchten, inwiefern sich regelmäßige körperliche Aktivität auf das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken auswirkt. Dafür untersuchten die Forscher die Daten von 57.652 schwedischen Männern in den Jahren von 1982 bis 2019.

Für die Untersuchung nahmen die Männer an mindestens zwei Fitness-Tests teil. Dabei wurde überprüft, ob die Männer körperlich fitter geworden sind, denn diejenigen, die ihre Fitness tatsächlich verbessert haben, sind zu 35 Prozent weniger oft mit Prostatakrebs diagnostiziert worden.

Lesen Sie hier: Prostatakrebs: Risiko, Vorsorge, Früherkennung, Heilungschancen

In der Vergangenheit gab es widersprüchliche Studien zu Zusammenhängen zwischen körperlicher Aktivität und einer Erkrankung an Prostatakrebs, erklärt Kate Bolam, die an der Studie mitgearbeitet hat, der „New York Times“. Manche Ergebnisse wiesen demnach darauf hin, dass Sport das Risiko für Prostatakrebs senken könnte, andere deuteten das Gegenteil an.

All diese Studien griffen aber nicht auf eine derart große Datenmenge zurück. Zudem wurden die Tests in dieser Studie aus Schweden von den Forschern kontrolliert und basierten nicht auf Selbstauskünften der Probanden. Außerdem müsse beachtet werden, dass gesundheitsbewusste Männer „auch besser darin sind, zum Arzt zu gehen, wenn ein Prostatakrebstest ansteht“, erklärt Bolam.

So seien viele vergangene Studien verzerrt, da bei sportlich aktiven Menschen durch häufigere Tests auch häufiger Krebs diagnostiziert wurde, obwohl es eventuell nie zum Ausbruch von Symptomen gekommen wäre.

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In einer weiteren Untersuchung aus dem Jahr 2021 stellte ein Forscherteam fest, dass die Zahl der Krebserkrankungen in den USA um drei Prozent sinken würde, wenn alle Amerikaner die empfohlene Menge an Sport betrieben. Laut dem Robert-Koch-Institut erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 500.000 Menschen an Krebs.

Wie genau Sport und körperliche Aktivität gegen Krebszellen hilft, ist noch nicht ganz geklärt. Forscher gehen unter anderem davon aus, dass das Immunsystem durch den Sport die Krebszellen besser identifizieren und töten kann. Selbst wenig Sport sorge für eine höhere Dosis an Immunzellen im Körper, erklärt Neil Iyengar, ein Forscher des Memorial Sloan Kettering Cancer Center (MSKCC). „Bei einer Person, die sich körperlich betätigt, erkennen wir Immunzellen, die Krebszellen wirklich töten können. Bei weniger aktiven Personen, besonders bei adipösen Menschen, sehen wir das Gegenteil.“

Die WHO empfiehlt 2,5 Stunden moderate körperliche Aktivität pro Woche. Alternativ könnten aber auch 1,25 Stunden intensiver körperlicher Aktivität oder eine Kombination genügen, um das Bewegungsziel eines Erwachsenen zu erreichen.

Hier sehen Sie eine Statista-Grafik zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland:

Besonders ab dem 50. Lebensjahr steigt bei Männern das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Neben dem Alter spielt auch eine genetische Veranlagung eine Rolle. Laut der Deutschen Krebsgesellschaft verdoppelt sich das Risiko einer Erkrankung, wenn der eigene Vater Prostatakrebs hatte.

Dennoch ist die Sterblichkeit beim Prostatakrebs, verglichen mit anderen Krebsarten, relativ gering. Die Wahrscheinlichkeit, nach der Diagnose noch mindestens fünf Jahre zu leben, liegt laut der Deutschen Krebshilfe bei 89 Prozent.

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