Tätowierer aus RTL2-Show „Reeperbahn privat“ Marco Apfler – dieses Kunstwerk ist längst noch nicht fertig
Tattookünstler Marco Apfler hat Jever hinter sich gelassen und den Sprung nach Hamburg gewagt. Selbst im Rotlichtmilieu fällt er auf – denn seine Haut ist zu 90 Prozent tätowiert. Und er macht weiter.
Hamburg/Jever - Vor Kameras stand Marco Apfler in den zurückliegenden Jahren unzählige Male. Normalerweise ist er dabei einfach er selbst – immerhin begleitet ihn regelmäßig ein Team von Filmemachern der RTL2-Dokuserie „Reeperbahn privat! Das wahre Leben auf dem Kiez“. Gerade laufen die letzten Dreharbeiten für eine neue, fünfte Staffel. Das Format zeigt den 47-Jährigen vor allem bei seiner Leidenschaft, dem Tätowieren. Aber auch bei seinem Nebenjob als Kieztourenbegleiter für Olivia Jones – oder ganz privat als Familienmensch. Bei „All the Guests have left“ aber war es etwas anderes: Für das Projekt von Regisseur und Drehbuchautor Dion Schumann schlüpfte er in die Rolle eines Türstehers.
In der vierteiligen Miniserie „All the Guests have left“, die in ihrer Konzeption eigentlich einem Film entspricht, gab Marco Apfler sein Leinwanddebüt. „Er lief zwei, drei Wochen in den Kinos in Hamburg“, sagt er nicht ohne Stolz. Mittlerweile ist die verstörende Geschichte über das verkorkste Leben eines Kleinkriminellen auf der Streaming-Plattform Amazon Prime zu finden. Neben dem Mann aus Jever, der Ende 2022 den Sprung nach Hamburg wagte, ist unter anderem Schauspieler Lars Nagel zu sehen. Und die mittlerweile verstorbene Kiezgröße Klaus Barkowsky. „Es ist einer der letzten Filme, in dem Klaus Barkowsky mitspielte“, sagt der Künstler wehmütig.
Der Ziehsohn vom „schönen Klaus“
Der ehemalige Zuhälter auf St. Pauli verstarb im April 2023 im Alter von 69 Jahren. Der Tätowierer hatte eine besondere Beziehung zu dem Luden: „Er war mein Anker hier. Er war mein Ziehvater“, verrät Apfler. Mit belegter Stimme fügt er hinzu: „Er war für mich da.“ In einem Instagram-Beitrag im September 2022 heißt er Apfler mit seiner Familie nach ihrem Umzug von Jever nach Hamburg willkommen. „Mein Sohnemann“ nannte „der schöne Klaus“ den Tätowierer dort. In den 1980er Jahren war Barkowsky einer der einflussreichsten Zuhälter auf St. Pauli und er machte Millionen. Er war Seemann, Künstler, Lude. Ein Mann mit einer bewegten Geschichte und Dämonen. Barkowskys Leben lieferte Stoff für die Serie „Luden – Könige der Reeperbahn“.
Es ist ein weiterer Schicksalsschlag im Leben von Marco Apfler. Der macht keinen Hehl daraus, dass seine Körperkunst auch eine Art Bewältigungsstrategie ist. Er sagt, er habe beispielsweise den Tod seiner Eltern durch das Tätowieren verarbeitet. Mit 13 Jahren fing er an, zunächst an sich selbst zu üben. Los ging`s am Bein. Heute sind geschätzte 90 Prozent seines Körpers mit Motiven geschmückt. Dabei geht Apfler weiter als andere: Sein gesamtes Gesicht ist eine Leinwand. Und die ist schon relativ voll: „Es gibt zwar hier und da noch ein paar Stellen“, sagt er. „Aber für große Bilder nicht mehr. Das Thema ist durch.“
Wenig bis kein Privatleben
Mittlerweile lasse er vor allem die älteren Bilder nacharbeiten. Selbst die Augen hat er sich tätowieren lassen. Das sogenannte Eyeball-Tattoo ist selten und nicht ungefährlich – Marco Apflers Augen wurden mit roter Tinte eingefärbt. Selbst auf Tattoo-Messen zieht er damit die Blicke auf sich, verrät er lachend. Die sind ihm aber auch sicher, wenn er beispielsweise mit seinen teils recht prominenten Freunden unterwegs ist. Viel verrät er nicht. Ein gewisses Maß an Privatsphäre will er sich und den Promis bewahren. Bekannt ist aber, dass Apfler mit Marc Terenzi befreundet ist. „Wir kennen uns schon ewig“, bestätigt er. Der Sänger und seine Partnerin Verena Kerth, Moderatorin und Ex-Freundin von Torwartlegende Oliver Kahn, sind regelmäßig in Hamburg. Terenzi und Apfler kennen sich bereits seit 20 Jahren aus Terenzis Zeit in Wildeshausen, wo er damals zusammen mit der Sängerin Sarah Connor lebte. „Wenn wir uns treffen, trinken wir mal einen.“
Vor mehr als zehn Jahren machte Apfler sich als Tätowierer selbstständig. Sein Studio „Tief unter deine Haut“ zog wie die gesamte vierköpfige Patchwork-Familie Ende 2022 nach Hamburg-Stellingen. Über Langeweile kann sich der 47-Jährige auch dort nicht beschweren. Das Studio laufe gut, sagt er. „An Urlaub ist gar nicht zu denken.“ Anknüpfend an den Dreh zu „All the Guests have left“ arbeite der Filmemacher bereits an einer neuen Geschichte – in dem der Tattoo-Artist erneut zu sehen sein soll, allerdings in einer etwas größeren Rolle, wie Apfler ankündigt. Drehbeginn soll noch in diesem Jahr sein.
Und dann ist ja da noch die Familie: Sohn Tayler kam kurz nach dem Umzug zur Welt und hält auch seine Mama Anneliese Janßen und seinen großen Bruder Lasse (14 Jahre) auf Trab. Seit dem Wechsel nach Hamburg steht die Familie noch stärker in der Öffentlichkeit als zuvor: „Es gibt nicht mehr viel Privatleben.“ Allerdings teilt die bei „Reeperbahn privat“ auch gezielt ganz besondere Momente mit den Fernsehzuschauern. „In dieser Staffel wirst du die Taufe sehen.“ Wann die Folgen ausgestrahlt werden, stehe noch nicht fest. Apfler geht davon aus, dass es noch vor Jahresende losgehen wird. Darüber hinaus hat die Bekanntheit Apflers durch seine Fernsehpräsenz stetig zugenommen. Wenn er auf der Reeperbahn unterwegs ist, ist er ein beliebtes Fotomotiv. Ein Umstand, an den sich der eigentlich eher zurückhaltende Künstler noch immer erst gewöhnen muss.