Ein besonderes Dach  Leeraner Schule wird zur Herausforderung für Handwerker

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 15.02.2024 13:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die alten Dachziegel sollen wiederverwendet werden, damit soll vor allem das Dach der Aula (links) eingedeckt werden. Foto: Lüppen
Die alten Dachziegel sollen wiederverwendet werden, damit soll vor allem das Dach der Aula (links) eingedeckt werden. Foto: Lüppen
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Das Gebäude des Ubbo-Emmius-Gymnasiums ist über 100 Jahre alt. Nun sollen die Fassade und das Dach saniert werden. Dafür werden besondere Ziegel angefertigt.

Leer - Die Arbeiter gehen mit den Gerüststangen nicht gerade zimperlich um. Immer wieder knallt und klötert es geräuschvoll hinter dem Altbau des Ubbo-Emmius-Gymnasiums. Es ist Nachmittag, den Unterricht stört das nicht mehr. Schulleiterin Ute Wieligmann dagegen ist trotz der Geräuschentwicklung glücklich über das Gerüst, das schon die Hälfte der Wände auf der Rückseite bedeckt.

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UEG: Historisches Schulgebäude in Leer wird saniert
15.02.2024

„Jetzt passiert etwas“, sagt sie. Das Gebäude ist ebenso historisch wie sanierungsbedürftig. Der Landkreis Leer als Schulträger hat nun die Sanierung des Schuldachs und der Fassade in Auftrag gegeben. Ab den Osterferien soll es losgehen, aber die Arbeiten werden wohl fast das ganze Jahr dauern, wie Jens Lüning vom Gebäudemanagement erklärt. Das bedeutet, dass der Unterricht im Gymnasium während der Bauphase weitergeht.

Balken waren gebrochen

Würde nur während der Ferien gearbeitet, dann zöge sich die Sanierung in die Länge. Stattdessen werden sich Schule und Handwerker aufeinander einstellen müssen. „Wir haben schon vereinbart, dass in den Klausurzeiten nicht gearbeitet wird“, macht Wieligmann deutlich. Es werde Zeit, dass der Altbau saniert wird. Vor allem der Dachstuhl hatte Probleme gemacht.

Der Altbau des Ubbo-Emmius-Gymnasiums stammt aus dem Jahr 1909 und muss saniert werden. An den Kosten von mehr als einer Million Euro beteiligt sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 100.000 Euro. Den Scheck übergab Ortskuratorin Sabine Jetzlaff (Mitte) an Schulleiterin Ute Wieligmann (rechts) und die Erste Kreisrätin Jenny Daun. Foto: Lüppen
Der Altbau des Ubbo-Emmius-Gymnasiums stammt aus dem Jahr 1909 und muss saniert werden. An den Kosten von mehr als einer Million Euro beteiligt sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 100.000 Euro. Den Scheck übergab Ortskuratorin Sabine Jetzlaff (Mitte) an Schulleiterin Ute Wieligmann (rechts) und die Erste Kreisrätin Jenny Daun. Foto: Lüppen

Dort war unter anderem ein Tragbalken gebrochen. Der wird ersetzt, sagt Lüning. Auf dem Dachboden hatte die Schule Material gelagert, dabei war der Raum über den Kunsträumen dafür gar nicht ausgelegt. Weil der Platz benötigt wird, soll nach der Erneuerung des Dachs eine Stahlkonstruktion in den Dachboden einziehen, die es möglich macht, dass die Arbeiten aus dem Kunstunterricht weiterhin dort getrocknet werden können.

Dachziegel aus Handarbeit

Die Schule bekommt auch etwas aufs Dach: Die Ziegel sind noch original aus dem Baujahr 1909. Nur ungefähr die Hälfte kann nach der Sanierung des Dachtragwerks noch verwendet werden. Für die andere Hälfte muss Ersatz her. Es versteht sich, dass man diese Sorte nicht mehr im Handel bestellen kann. Es wurden verschiedene Alternativen geprüft, aber dann entschied man sich für eine besondere Sorte Ziegel.

Auf der Rückseite kam unter einem Vordach, das für die Sanierung entfernt wurde, ein in Vergessenheit geratenes Oberlicht über der Tür zum Vorschein. Foto: Lüppen
Auf der Rückseite kam unter einem Vordach, das für die Sanierung entfernt wurde, ein in Vergessenheit geratenes Oberlicht über der Tür zum Vorschein. Foto: Lüppen

Nach den Dachziegel-Originalen werden neue Repliken teilweise nach originaler Mustervorlage in Handarbeit angefertigt und angeliefert werden. 12.000 Ziegel werden von der Manufaktur Ullrich aus Forst, die auf historische Dachziegel spezialisiert ist und zum Beispiel die Dacheindeckung für die Kirche St. Ludwig München oder die Trinkhalle Baden-Baden geliefert hat, hergestellt. Dafür muss der Landkreis allein eine halbe Million Euro berappen. Weitere 235.000 Euro kostet die Erneuerung des Holztragwerks.

Geschichtsträchtiges Gebäude

Die Erste Kreisrätin Jenny Daun spricht von „Mehrkosten für ein Baudenkmal“, aber es gibt Unterstützung. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) hat eine Förderung von 100.000 Euro für den Erhalt des historischen Schulgebäudes bewilligt. DSD-Ortskuratorin Sabine Jetzlaff überbrachte die Spende und freute sich, dass mit dem Gymnasium ein „geschichtsträchtiges Gebäude mitten in Leer“ erhalten werde.

Die Sandsteinelemente über den Eingängen und an der Fassade müssen überarbeitet werden. Foto: Lüppen
Die Sandsteinelemente über den Eingängen und an der Fassade müssen überarbeitet werden. Foto: Lüppen

Die Original-Dachziegel, die noch verwendbar sind, sollen laut Lüning vorrangig für das Dach über der Aula benutzt werden, die neuen dann auf dem Dach zur Straße hin. Dann kommt noch die Fassade dran, und die liegt Schulleiterin Ute Wieligmann am Herzen. Tür- und Fensterrahmen seien marode, „einige lassen sich schon nicht mehr öffnen“, sagt sie. An der Fassade gibt es Elemente aus Sandstein, die restauriert werden müssen. Diese Arbeiten kosten zusammen rund 497.000 Euro.

Werbung für das Gymnasium

Das Gebäude sei für die Schule von großer Bedeutung, sagt Wieligmann. Der markante Altbau sei eine Art Werbung für das Gymnasium. „Es ist ein Schatz in Leer, der muss erhalten werden“, findet sie. Bei der Erbauung sei durchaus fortschrittlich gedacht worden: So gibt es einen Gymnastikraum, damals sprach man von „Körperertüchtigung“, sagt Wieligmann. Auch die Einrichtung der Kunsträume mit den Atelierfenstern auf der Nordseite spreche von großem Verständnis für die humanistische Bildung.

Die Klinkerfront am Neubau wird zurzeit mit Bändern gesichert. Teile davon waren im Herbst herausgebröckelt. Foto: Wolters
Die Klinkerfront am Neubau wird zurzeit mit Bändern gesichert. Teile davon waren im Herbst herausgebröckelt. Foto: Wolters

Allerdings gibt es an der Ubbo-Emmius-Straße auch einen Neubau. Der Bezeichnung zum Trotz ist er bereits 52 Jahre alt – und müsste ebenfalls erneuert werden. Vor Weihnachten hatten sich Brocken aus der Fassade über dem Haupteingang gelöst. Noch immer halten Bänder die geklinkerte Front fest. Hier muss laut Lüning zuerst Ursachenforschung betrieben werden, bevor man an die Sanierung gehen kann.

Heißt Neubau, aber ist trotzdem schon sanierungsbedürftig: Der Gebäudeteil aus den 70er Jahren. Foto: Lüppen
Heißt Neubau, aber ist trotzdem schon sanierungsbedürftig: Der Gebäudeteil aus den 70er Jahren. Foto: Lüppen

Daun und Wieligmann betonen aber, dass mit einer Sanierung auch innen etwas verändert werden müsse. „Es geht darum, wie Bildung in Zukunft organisiert werden soll“, sagt die Erste Kreisrätin. Mit herkömmlichen Klassenräumen sei es nicht getan, es muss die Möglichkeit zu Gruppenarbeit und anderen Unterrichtsformen geben. Somit werden die Arbeiten, die jetzt beginnen, nicht die letzte Baustelle am Ubbo-Emmius-Gymnasium bleiben.

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