Neue Wege für den Tourismus  Wiesmoorer Blumenhalle soll Eventzentrum werden

Nicole Böning
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Von Nicole Böning
| 08.02.2024 13:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Joel Siemer ist Prokurist bei der LWTG und Lübbers „starke Hand für das Tagesgeschäft“. Foto: Böning
Joel Siemer ist Prokurist bei der LWTG und Lübbers „starke Hand für das Tagesgeschäft“. Foto: Böning
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Die Blumenhalle wird für Events umgebaut und der Blumenpark ein frei zugänglicher Stadtpark – mit dieser Vision wollen die Stadt Wiesmoor und die LWTG mehr Gäste in die Dahlienstraße locken.

Wiesmoor - Die Wasserorgel am Eingang der Blumenhalle ist momentan trockengelegt. Einmal im Jahr werden ihre Metallrohre von Grünspan befreit. Das war mal wieder fällig. Dahinter liegt ein Erdhügel vor einem Loch – hier werden die Leitungen instandgesetzt. Die ruhige Zeit im Jahr nutzen die Mitarbeiter der LWTG dafür, alles wieder für die nächste Saison fit zu machen. Derweil überwintern die Schildkröten im Kühlschrank – wie es sich gehört. Es ist Winterbetrieb in der Blumenhalle – wie jedes Jahr von Dezember bis Februar. Statt der acht Euro für Erwachsene im Sommer kostet der Eintritt momentan nur 1,50 Euro für Gäste. Wiesmoorer können kostenlos rein.

Die Blumenhalle in Wiesmoor ist momentan im Winterbetrieb – aber trotzdem für Besucher geöffnet. Foto: Böning
Die Blumenhalle in Wiesmoor ist momentan im Winterbetrieb – aber trotzdem für Besucher geöffnet. Foto: Böning

„Das ist seit der Corona-Pandemie so“, sagt Joel Siemer. Er ist Prokurist und der zweite Mann der Luftkurort Wiesmoor Touristik GmbH (LWTG) – einer Tochterfirma der Stadtverwaltung, die sich um die touristischen Belange der Blumenstadt kümmert. Seit der Freistellung des ehemaligen Geschäftsführers Dirk Gerlach im Juni 2023 ist Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos) sein Chef. Der krempelt inzwischen nicht nur die Stadtverwaltung um, sondern will mit dem Team für den Tourismus aus Verwaltung und LWTG auch in die Blumenhalle und in den Gartenpark frischen Wind bringen.

Die Kois sollen bleiben

Was das für die Blumenhalle bedeutet, will Siemer bei einem Rundgang zeigen. Er steht auf einem kleinen Platz zwischen Wasserorgel und Sittich-Voliere. Die gefiederten Bewohner der Blumenhalle machen wie die Koi-Karpfen ein paar Meter weiter wie gewohnt Dienst nach Vorschrift, jeder in seinem Element. „In diesem Bereich könnten wir uns einen Umbau vorstellen“, sagt Siemer. Noch stehen hier die beiden bunten und meterhohen Giraffen, die eigentlich zur Wasserorgel gehören. Zukünftig soll dieser Platz vergrößert und für Veranstaltungen genutzt werden. „Natürlich nur für solche, die in das Ambiente passen“, hatte Sven Lübbers im Vorgespräch mit auf den Weg gegeben: Messen, Konzerte, Weinfeste zum Beispiel.

Bürgermeister Sven Lübbers ist seit Juni auch Geschäftsführer der LWTG – daran soll sich auch erst einmal nichts ändern. Foto: Böning
Bürgermeister Sven Lübbers ist seit Juni auch Geschäftsführer der LWTG – daran soll sich auch erst einmal nichts ändern. Foto: Böning

Siemer nickt in Richtung der Sittiche – ihr zu Hause steht zur Disposition. Die Koi-Karpfen sollen bleiben. „Wir hängen nicht an der Voliere“, sagt Siemer: „Hier könnte eine Fläche entstehen, die für solche Veranstaltungen genutzt werden kann.“ Die Überlegung der Verantwortlichen, für die Blumenhalle ein ganz neues Konzept zu entwickeln, hat einen Hintergrund: Die Besucherzahlen der Blumenhalle sind rückläufig. Aktuell liegen sie bei 20.000 Gästen pro Jahr. In den Spitzenzeiten um das Jahr 2014 waren es 40.000 bis 50.000 Besucher. „Das Interesse daran, was wir mit der Blumenhalle bieten können, geht zurück“, so drückt es Lübbers aus.

Mehr Veranstaltungen statt Eintritt zahlen

Das neue Konzept für die Blumenhalle sieht ebenfalls vor, dass der Eintritt außerhalb von Veranstaltungen nicht mehr nur für die Wiesmoorer, sondern für alle Gäste frei ist. Das soll auch für den fünf Hektar großen Gartenpark gelten. „Wir würden ihn den Wiesmoorern und den Urlaubern gerne wie einen Stadtpark zur Verfügung stellen“, ist laut Lübbers das Fernziel. Von heute auf morgen will die Stadtverwaltung den Wandel nicht umsetzen. Lübbers: „Erst muss ein Konzept für Veranstaltungen stehen, mit dem wir die wegfallenden Einnahmen auffangen können.“

Um die Kosten für Blumenhalle und Gartenpark zu reduzieren, sollen die Pflanzungen so angelegt werden, dass sie leichter gepflegt werden können. Parallel werden Kosten im Kassenbereich eingespart. Die Mitarbeiter der Tourist-Info sollen im normalen Tagesgeschäft die Kasse für Blumenhalle, Erlebnisgolfanlage und Gartenpark übernehmen. Nur zu Stoßzeiten werden, wie bisher, zusätzliche Kräfte eingestellt, so Lübbers. Jetzt im Winterbetrieb bezahlen die Gäste direkt in der Tourist-Info – Schilder weisen ihnen den Weg. Zu Testzwecken wird später eine Mitarbeiterin vom Eingang aus sichtbar die Gäste empfangen.

Erst das Programm, dann der Umbau

„Wenn das von den Gästen gut angenommen wird, soll der gesamte Eingangsbereich entsprechend umgebaut werden“, sagt Lübbers: „Vorbild ist die Tourist-Info in Oldenburg.“ Das bedeutet: Wer eintritt, steht direkt vor den Mitarbeitern, die weiterhelfen. Das können sich die Verantwortlichen auch hier vorstellen. Beim Umbau soll der Eingangsbereich samt Tourist-Info ganz neu gestaltet werden. Dann wird auch die Fläche des inzwischen aus Kostengründen aufgegebenen Shops eingebunden.

Kosten sollen auch dadurch eingespart werden, dass parallele Strukturen bei der Stadtverwaltung und der LWTG abgebaut werden. In dem Zusammenhang werden die Tourist-Info und das Stadtmarketing zusammengelegt. Stadtmanagerin Ute Rittmeier ist am 1. Februar vom Rathaus in die Blumenhalle umgezogen. So ist man nicht nur organisatorisch besser miteinander verzahnt, sondern auch räumlich.

So geht es weiter

Für die Planungen wollen sich die Verantwortlichen aus der Stadtverwaltung und der LWTG dieses Jahr Zeit nehmen und parallel das Programm und die Veranstaltungen so anpassen, dass sie sich in das neue Konzept eingliedern. Erste Umbauten werden nach und nach durchgeführt. Integriert in das neue Konzept werden auch die Gastronomie der Blumenhalle sowie die Mehrzweckfläche. Die ist erst im November mit einer Fußbodenheizung ausgestattet worden, um sie ganzjährig nutzen zu können.

Die Blumenhalle ist seit 1969 eines der Aushängeschilder Wiesmoors. Hier sind Züchtungen der örtlichen Gartenbau- und Baumschulbetriebe zu sehen. Seit der Ersteröffnung im Jahr 1969 hat sich die Blumenhalle stetig gewandelt. Jährlich gestalten die Mitarbeiter sie neu. Die nächste Idee kommt direkt von der letzten Pflanzenmesse: ein stilisiertes Gewächshaus voller Grünpflanzen, mit hängenden Orchideen als Blickfang dekoriert.

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