Ärger mit Fotografen Fünf Tipps für das perfekte Hochzeitsfoto
Auch in Zeiten von Smartphone-Bildern setzen viele Paare auf einen Profi-Fotografen bei der Trauung. Damit die Auswahl funktioniert, müssen ein paar Dinge beachtet werden.
Landkreis Aurich - Poesie zu zweit, höchstes Paar-Glück, ein Moment für die Ewigkeit − wie auch immer man die Hochzeit bezeichnet: Sie soll für die Nachwelt möglichst perfekt in Szene gesetzt werden. Dafür engagieren viele auch in Handy-Foto-Zeiten immer noch einen Profi. Doch nicht alle Fachleute mit der Kamera sind auch tatsächlich ihr Geld wert. „Es gibt immer wieder Fälle, bei denen die Braut in Tränen ausbricht, wenn sie die Fotos der Hochzeit in Händen hält“, sagt Martinus Ekkenga. Der Hinteraner ist einer von sieben öffentlich vereidigten Sachverständigen für das Fotografenhandwerk in Deutschland. Nach seinen Angaben wird er regelmäßig von Gerichten einbestellt, um über strittige Fälle zu urteilen.
Über solche, wo ein Paar sich weigert, den Preis für die Bilder zu bezahlen, weil diese nach seiner subjektiven Einschätzung schlecht gemacht sind. Darüber muss dann im Gerichtssaal ein Experte entscheiden. So sei beispielsweise auf Fotos viel Himmel zu sehen und rechts unten am Rand verliere sich das Brautpaar in der Komposition, beschreibt Martinus Ekkenga einen Fall, der von einer verunglückten Proportionenbeurteilung zeugt. Doch wie kann ein Brautpaar im Vorfeld ermitteln, ob die Wahl des Fotografen voraussichtlich Konflikte mit sich bringen wird? Wichtigster Punkt ist nach Recherchen der Redaktion, dass es auf beiden Seiten matcht, sprich: das beobachtende Auge und die beiden Akteure emotional und ästhetisch auf einer Wellenlänge sind.
1. Tipp: Informationen aus dem Freundeskreis einholen
Nichts geht über die unmittelbare Erfahrung. Deshalb sollte sich das Paar nach Möglichkeit direkt bei Freunden oder Bekannten erkundigen, die vor Kurzem geheiratet haben. Welche Erfahrungen haben sie mit dem Fotografen gemacht? Hatten sie Einfluss auf die Gestaltung der Motive? „Ich würde mir als Erstes die Bilder zeigen lassen, um zu wissen, wie der Fotograf oder die Fotografin arbeitet“, sagt Klaus Ortgies. Der Leeraner Fotograf ist das sehende Auge dieser Zeitung. Er ist seit mehr als 30 Jahren in ganz Ostfriesland unterwegs, um hautnah am Geschehen zu sein und es abzubilden. Er warnt davor, die technische Seite des Berufs bei der Auswahl eines Hochzeitsfotografen zu stark zu gewichten. Besser sei es, dessen Bildsprache, die auf der Homepage meistens deutlich hervortritt, mit den eigenen Anforderungen zu vergleichen. Ein Beispiel: Wenn ein Fotograf sehr klassisch ausgerichtet ist und das Paar eher konventionell auf einer Brücke oder einem historischen Gebäude ablichtet, trifft das sicher nicht den Nerv derjenigen, die eine Stimmung oder den spontanen Ausdruck eines Gefühls eingefangen wissen wollen.
2. Tipp: Recherche in den sozialen Medien
In den sozialen Medien gibt es viele Foren und Netzwerke, auf denen Empfehlungen ausgetauscht werden. Ein mitgliederstarkes Portal ist das von Pixeldreams, auf dem unter der Überschrift „Hochzeit 2024/2025“ Informationen übermittelt werden. Dort bieten sich Fotografen selbst an, die in der Nähe eines angehenden Brautpaares wohnen. Preise werden dort nicht öffentlich genannt. Die Fotografin Valentina Pätkau listet auf dem Portal auf, wie gut man in ihrem Job bei Hochzeiten aufgestellt sein muss. Man müsse sich auf wechselnde Situationen einstellen können, sowohl mit schnellen Lichtwechseln bei der Hochzeitsparty, aber auch mit Naturaufnahmen umgehen können.
3. Tipp: Trends bei der Hochzeitsfotografie
Sehr gefragt sind derzeit Fotos, die das Paar am Meer zeigen. Marianna Glavan aus Aurich ist darauf spezialisiert. Sie gehört zu den wenigen Anbietern, die auf der Homepage Preise nennen. Es gibt verschiedene Hochzeitspakete. Der Einstiegspreis umfasst eine Begleitung von zwei Stunden und kostet 570 Euro inklusive Vorgespräch. Es gibt aber auch die siebenstündige Begleitung inklusive eines Fotobuches mit Cover aus Leder oder Leinen für 1410 Euro. Auf ihrer Homepage heißt es: „Liebe, Glück, Freude, Spaß, fröhliche, lachende und verliebte Menschen. Genau das sind die unvergesslichen Emotionen, Augenblicke, Gesten und Gefühle, die ich als Hochzeitsfotografin in Aurich und in ganz Ostfriesland für euch festhalten möchte.“
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4. Tipp: Auf das Bauchgefühl vertrauen
Auf die Bereitstellung von Fotobüchern verzichtet Matthias Lux ganz. Der Fotograf aus Aurich macht sehr unmittelbare und sinnliche Aufnahmen, auf denen Mimik und Gestik der Protagonisten einen hohen Stellenwert haben. „Mein Stil wird von Hochzeitspaaren als natürlich und lebendig bezeichnet. Eben das ist mir selber auch sehr wichtig. Gefühle und die wertvollen zwischenmenschlichen Momente festzuhalten empfinde ich als wertvoll“, sagt Matthias Lux auf Anfrage der Redaktion. Dies erreiche er unter anderem, in dem er versuche, offen zu kommunizieren und eine herzliche Verbindung zu den Brautpaaren herzustellen. Authentizität auf beiden Seiten halte er für sehr wichtig. Deshalb sage er Interessenten für Hochzeitsfotos auch ab, wenn ihm eine Zusammenarbeit nicht sinnvoll erscheint. „Es macht keinen Sinn, wenn eine Seite sich unwohl fühlt. Das kommt jedoch sehr selten vor“, sagt der Auricher Fotograf.
5. Tipp: Zeit für das Foto einplanen oder Extra-Termin vereinbaren
Ilka Perc betreibt ein Fotoatelier am Wasserwerksweg in Aurich. Die Fotografenmeisterin hat während ihrer praktischen Tätigkeit nach eigenem Bekunden oft die Erfahrung gemacht, dass viele Brautpaare eine vollkommen falsche Vorstellung davon haben, wie viel Zeit professionelle Aufnahmen in Anspruch nehmen. „Die wollen dann manchmal die Fotos in ein Zeitraster von 20 Minuten quetschen“, sagt Ilka Perc. Ihr sind oft sehr „blauäugige Vorstellungen“ davon begegnet, wie gute Hochzeitsbilder entstehen. Nach ihrem Dafürhalten wäre es oft besser, wenn die Paare ein paar Tage später einen separaten Termin nach der eigentlichen Trauung für die Fotos machen würden. Das habe viele Vorteile: Das Licht sei dann vielfach besser, Braut und Bräutigam seien nicht so gestresst. Man könne den Termin mit dem Wetterbericht koordinieren. Die meisten Paare ließen sich aber auf den separaten Termin nicht ein. „Dann kommen die Einwände: Man müsse noch mal zum Friseur, die Blumen seien nicht mehr taufrisch und andere Ausreden.“ Das sei sehr schade, denn in einem Shooting, das von dem Hochzeitsstress losgekoppelt sei, liege die Chance für richtig gute Aufnahmen.