Hamburg Forderungen nach Vier-Tage-Woche: Das hält Carsten Maschmeyer von dem Konzept
Die Vier-Tage-Woche wird momentan sowohl von Forschern, als auch von Politikern kontrovers diskutiert. Neben Umfragen, Studien und Experten hat sich nun auch der Investor Carsten Maschmeyer zur Arbeitszeitverkürzung geäußert. Ein Überblick.
Sei es bei der IG Metall oder bei den jüngsten Tarifverhandlungen der Lokführergesellschaft GDL mit der Deutschen Bahn: In vielen Verhandlungen spielt die Vier-Tage-Woche, oder zumindest eine Arbeitszeitverkürzung bei einem Lohnausgleich, eine zentrale Rolle.
Seit vergangenen Montag läuft ein bundesweites Projekt, bei dem 45 Unternehmen die Vier-Tage-Woche testen. Die Meinungen von Forschern und Politikern, aber auch die Ergebnisse von Studien unterscheiden sich teils stark, je nachdem, wie das Konzept der Vier-Tage-Woche ausgestaltet werden soll. Nun erklärt der Investor und Juror der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“, Carsten Maschmeyer, was er von dem Konzept Vier-Tage-Woche hält.
„Ich als Investor fürchte mich nicht vor der Vier-Tage-Woche. Sie wird ohnehin kommen und ich bin überzeugt davon, dass alle von ihr profitieren“, wird Maschmeyer in der „Zeit“ protokolliert. Es sei falsch, Angestellten und Führungskräften mehr Arbeitszeit abzuverlangen, das helfe einem Unternehmen nur kurzfristig.
Stattdessen könne durch die Vier-Tage-Woche die Arbeit attraktiver werden, erklärt der Investor. Maschmeyer glaubt, dass die Arbeitszeitverkürzung Firmen helfen kann, die fehlenden Fachkräfte für offene Stellen zu finden. Eine Vier-Tage-Woche mit Lohnausgleich würde demnach auch dazu führen, dass Jobs in Kitas und Kliniken besser bezahlt würden. Zum einen, weil das Gehalt bei weniger Arbeitszeit gleich bleiben würde, zum anderen, weil der Bedarf an Pflegekräften steigen würde und so die Nachfrage gesteigert werde, erörtert Maschmeyer.
Auch die Produktivität lasse sich durch die Vier-Tage-Woche steigern, erklärt der Juror aus der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“. Neben einer Studie unter Führungskräften, auf die er sich bezieht, glaubt Maschmeyer auch selbst: „Ich als Chef eines Unternehmens kann mit meiner Verantwortung vielleicht nicht nur an vier Tagen in der Woche arbeiten, aber fast alle anderen können das.“
Wichtig sei, dass Menschen nicht ihre 40-Stunden-Woche in die vier verbleibenden Wochentage quetschten, da auch so Stress und Überlastung nicht abnähmen. Stattdessen müsse die Arbeitszeit in der Woche auf ungefähr 32 Stunden sinken, empfiehlt der Unternehmer.
In einer neuen Studie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg gaben 61 Prozent der Befragten an, Forderungen wie die der IG Metall zu einer Arbeitszeitverkürzung mit teilweisem Lohnausgleich zu unterstützen. In einer weiteren Studie der Hans-Böckler-Stiftung aus dem vergangenen Jahr gaben 73 Prozent der Befragten an, nur bei gleichbleibendem Lohn eine Arbeitszeitverkürzung anzunehmen.
Eine ähnliche Testphase, wie sie zurzeit in Deutschland zur Vier-Tage-Woche läuft, gab es bereits im vergangenen Jahr in mehreren Ländern (PDF). Hier stellten die Forscher fest, dass Fehltage bei den Beschäftigten zurückgingen. Zudem stieg die Produktivität der Arbeitnehmer, obwohl sie einen Tag weniger arbeiteten, also eine 32-Stunden-Woche hatten. Auch auf weitere Vorteile, wie weniger Kündigungen und eine geringere Belastung der Sozialsysteme, weisen die Forscher hin.
Während mehrere Untersuchungen die Vorteile einer Vier-Tage-Woche beschreiben, gibt es auch viele Kritikpunkte an einer generellen Arbeitszeitverkürzung. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, erklärt, dass es in Branchen wie der Chemie und dem Maschinenbau zu einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit kommen könnte, wenn die Arbeitszeit pauschal reduziert würde.
Auch könne man die Studienergebnisse nicht pauschal übertragen. „Eine Übertragung der Resultate auf alle Branchen, Unternehmen und Länder wäre nicht seriös“, erklärte Fratzscher. Zudem böten viele Unternehmen eine geringere Wochenarbeitszeit an – mit niedrigerem Gehalt. Viele Beschäftigte würden sich in einem solchen Fall offenbar für das höhere Einkommen und mehr Arbeitszeit entscheiden.
Auch der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück meint: „Alle Beschäftigten in Deutschland arbeiten im Jahresschnitt 1350 Stunden, Vollzeitbeschäftigte 1600 Stunden. Das ist so gering wie in fast keinem anderen Land.“ Die Deutschen müssten daher eher mehr arbeiten, als weniger.
In den USA arbeiten die Menschen im Durchschnitt 1800 Stunden im Jahr, in anderen Industrienationen 1750 Stunden, ordnet DIW-Präsident Fratzscher ein. Die insgesamt geringere Stundenzahl liege neben den überdurchschnittlich vielen Teilzeitkräften in Deutschland auch an den vielen Urlaubstagen, meint der Experte. In den USA gibt es zehn Feiertage und keinen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub. Im Schnitt kommen die Arbeitnehmer hier auf insgesamt 20 freie Tage, in Deutschland sind es durch Feiertage und gesetzlichem Urlaubsanspruch 29.
Insgesamt spricht sich allerdings auch Fratzscher für die Vier-Tage-Woche aus. „Deutschland sollte die Vier-Tage-Woche ausprobieren“, fordert der DIW-Chef. „Auch wenn es keine einfache Lösung gibt, sind die Probleme so drängend, dass sich Politik und Wirtschaft für mehr Flexibilität und für neue Modelle des Arbeitslebens öffnen sollten.“