Hamburg  Supermarkt-Chef entschuldigt sich für „Gegen Nazis“-Spruch – das steckt dahinter

Mark Otten
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Von Mark Otten
| 02.02.2024 21:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Während in Deutschland in den vergangenen Wochen mehr als eine Million Menschen gegen Rechtsextremismus auf die Straße gehen, will auch der Edeka-Unternehmer ein Zeichen setzen - doch das läuft nicht wie erwartet. Foto: dpa/Patrick Seeger
Während in Deutschland in den vergangenen Wochen mehr als eine Million Menschen gegen Rechtsextremismus auf die Straße gehen, will auch der Edeka-Unternehmer ein Zeichen setzen - doch das läuft nicht wie erwartet. Foto: dpa/Patrick Seeger
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„Für Demokratie – gegen Nazis“ – mit diesem Slogan wirbt ein Edeka-Unternehmer in Prospekten in Sachsen und Thüringen. Doch die Aktion kommt nicht so an wie gedacht. Nun rudert er öffentlich zurück – und erklärt, was davor im Hintergrund passiert ist.

Während in Deutschland in den vergangenen Wochen mehr als eine Million Menschen gegen Rechtsextremismus auf die Straße gehen, will auch der Chemnitzer Peter Simmel ein Zeichen setzen.

Er betreibt unter anderem 20 Edeka-Filialen in Sachsen und Thüringen; in seiner Werbung druckt er neben die Angebote den Spruch: „Für Demokratie – gegen Nazis“. Kurz darauf macht das Werbeblatt die Runde in den sozialen Medien; doch neben Zuspruch gibt es auch Kritik – und Drohungen.

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Neben zahlreichen Aufrufen, nie mehr in den Läden von Peter Simmel einzukaufen, seien er und sein Team massiv von Rechtsextremen angefeindet worden, schildert der Unternehmer gegenüber dem „Spiegel“. Unter anderem hätten ihn Botschaften erreicht wie: „Wenn wir an der Macht sind, werden wir dich nicht vergessen“, „Dreckiger Sozialist“ oder „Guten Abgang, ihr Parasiten“.

Als Reaktion darauf – und aus Sorge um sein Geschäft und die Angestellten – rudert der Unternehmer deshalb öffentlich zurück. In einer Stellungnahme auf der Facebook-Seite seines Unternehmens heißt es: „Entschuldigung, es tut mir leid, dass sich mit meinem Begriff ‚Nazis‘ Menschen angesprochen fühlten, welche mit unserer jetzigen Regierung nicht einverstanden sind. Deshalb ist man kein Nazi.“

Wie viele der Wortführer in den sozialen Medien selbst Kunden in den Filialen des Chemnitzers sind, ist nicht bekannt. In der Vergangenheit haben sich Rechtsextreme wiederholt zu gemeinsamen Online-Verbalattacken auf vermeintliche Feinde verabredet.

Doch laut Simmel fühlen sich auch Teile seiner Kundschaft durch den Begriff „Nazi“ angegriffen: „Wahrscheinlich auch deswegen, weil diese Menschen in der Vergangenheit vorschnell in die Nazi-Schublade gesteckt wurden, anstatt sich mit Ihren Sorgen auseinandersetzen. Nur weil man gegen die jetzige Regierung ist, ist man selbstverständlich nicht automatisch ein Nazi“, schreibt der Markt-Chef.

Er sei selbst nicht einverstanden mit der jetzigen Regierung und hoffe auf Neuwahlen, die „unsere freiheitliche Demokratie stärken“. Doch der Edeka-Unternehmer schreibt auch: „Wir dürfen unser Land aber auf keinen Fall von Menschen regieren lassen, welche unsere Demokratie abschaffen wollen.“

Lesen Sie hier die gesamte Stellungnahme von Peter Simmel:

Zahlreiche Nutzer stützen Peter Simmel in den Kommentaren zur Stellungnahme; sie schreiben, er habe mit dem Slogan ein wichtiges Zeichen gesetzt und richtig gehandelt; das Statement sei unnötig.

Gleichzeitig bedauern viele seine Entschuldigung bei den Missverstandenen. Der Unternehmer sei „eingeknickt“, heißt es vielfach. Damit gehe er der Opferrolle derer auf den Leim, die tagtäglich Rechtsradikalismus verharmlosen, merken andere Nutzer an. Wer sich vom Wort „Nazi“ angesprochen fühle, habe dafür wohl auch seine Gründe, heißt es in weiteren Kommentaren.

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