Manöver „Quadriga 2024“  Ostfriesische Soldaten trainieren Abschreckung an Nato-Ostflanke

| | 05.02.2024 14:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Oberfeldapotheker Julian Brederlow (links) führte unter anderem Vizeadmiral Carsten Stawitzki (Zweiter von links), Oberstarzt Dr. Kai-Siegfried Schlolaut (Vierter von links) und Generalstabsarzt Dr. Norbert Weller (Dritter von rechts) kurz vor Weihnachten durch das neue Luftlanderettungszentrum des Kommandos SES. Archivfoto: Ortgies
Oberfeldapotheker Julian Brederlow (links) führte unter anderem Vizeadmiral Carsten Stawitzki (Zweiter von links), Oberstarzt Dr. Kai-Siegfried Schlolaut (Vierter von links) und Generalstabsarzt Dr. Norbert Weller (Dritter von rechts) kurz vor Weihnachten durch das neue Luftlanderettungszentrum des Kommandos SES. Archivfoto: Ortgies
Artikel teilen:

Auch ostfriesische Soldaten werden an der Bundeswehr-Übung „Quadriga“ teilnehmen, die Teil des Nato-Manövers „Steadfast Defender“ ist. Das ist die Aufgabe der Einheiten aus dem Nordwesten.

Leer/Emden/Oldenburg - Etwa 90 ostfriesische Soldaten werden an der Bundeswehr-Großübung „Quadriga 2024“ teilnehmen, die wiederum Teil des Nato-Manövers „Steadfast Defender 2024“ ist – dem größten Manöver seit 1988. Trainiert wird mit dem Einfall Russlands in einen Nato-Staat der sogenannte Bündnisfall. Insgesamt sollen rund 90.000 Soldaten an „Steadfast Defender 2024“ teilnehmen, aus allen 31 Nato-Mitgliedsstaaten und Schweden. Der ostfriesische Beitrag besteht einem Bundeswehr-Sprecher zufolge ausschließlich aus Soldaten des Kommandos Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst (SES) „Ostfriesland“ aus der Leeraner Evenburg-Kaserne. Das eigentlich in Wittmund und übergangsweise in Rostock-Laage stationierte „Richthofen“-Geschwader der Luftwaffe werde nach aktuellem Stand nicht an „Quadriga“ teilnehmen, so der Pressesprecher.

„Die Kräfte des Kommandos SES stellen für die in der Großübung eingesetzten Soldatinnen und Soldaten solche Rettungskräfte zur Verfügung, die für eine notfallchirurgische Versorgung von Verwundeten benötigt werden“, schreibt der Bundeswehr-Sprecher auf Nachfrage der Redaktion. Dabei zeigten die Leeraner ihre „besondere Stärke in der schnellen Verlegbarkeit von sanitätsdienstlichen Einrichtungen mit dem notwendigen Personal und Material“. Erst kürzlich hat das Kommando SES ein neues und aus neun Zelten bestehendes Luftlanderettungszentrum (leicht) bekommen. Das Leeraner Kommando ist das erste, das mit dem System ausgerüstet wurde. Der große Vorteil des neuen Systems verbirgt sich im kleinen Wort „leicht“ – 45 bis 50 Tonnen wiegt die Ausrüstung und damit rund 40 Tonnen weniger als bisher eingesetzte Modelle.

Oldenburger Panzerdivision beteiligt

Insgesamt werden an „Quadriga“ der Bundeswehr zufolge rund 12.000 deutsche Soldaten teilnehmen. „In insgesamt vier Teilübungen, die sich von Nordnorwegen über Polen und das Baltikum bis nach Rumänien erstrecken, will die Bundeswehr die Alarmierung, Verlegung und den Einsatz ihrer Kräfte erproben“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. Erklärtes Ziel: die „Abschreckung an der Nato-Ostflanke“. Bereits seit Mitte Januar verlegen der Bundeswehr zufolge Gebirgsjäger im Rahmen des Teilmanövers „Grand North“ über See, Luft und Eisenbahn nach Nordnorwegen, um dort bei „Nordic Response“ das Gefecht unter extremen Klima-Bedingungen zu üben – vor allem in der ersten Märzhälfte.

In der Übung „Grand Centre“ werde die 1. Panzerdivision aus Oldenburg ab Ende Februar im Straßenmarsch durch Deutschland in Richtung Litauen verlegen, so die Bundeswehr. Parallel nähmen weitere Kräfte in Hohenfels an „Allied Spirit“ der US-Amerikaner teil, die Panzerbrigade 21 wiederum in Polen sowohl an der Großübung „Dragon“ als auch an der US-amerikanischen Übung „Saber Strike“. „Höhepunkt für die Kräfte der 1. Panzerdivision bei ‚Dragon‘ ist der Gewässerübergang über die Weichsel am 4. März 2024, bei dem das deutsch-britische Pionierbrückenbataillon 130 für die marschierenden Truppen eine Pionierbrücke in Korzeniewo schlägt“, heißt es in einer Mitteilung.

Emder Hafen wird zur „Drehscheibe“

„Bei ‚Grand South‘ verlegt die Division Schnelle Kräfte ab Anfang Mai Fallschirmjäger zunächst nach Ungarn, um die schnelle Verlegung zu üben. Daran schließt die Übung ‚Swift Response‘ an, um eine Luftlandeoperation im südlichen Abschnitt der Nato-Ostflanke in Rumänien zu trainieren“, so die Bundeswehr weiter. Für „Grand Quadriga“ erhöhe die 10. Panzerdivision von Februar bis März die Einsatzbereitschaft in Deutschland. Im Anschluss an die Verlegung von Teilen der Division im April übten die Verbände und Einheiten in der zweiten Maihälfte in verschiedenen Übungsszenarien ihre Einsatzbereitschaft in Litauen.

Für die Verlegung von Material auf dem Seeweg wird der Emder Hafen der Bundeswehr zufolge eine Rolle spielen. Auf Nachfrage der Redaktion heißt es dazu: „Am Emder Hafen wird nach derzeitigem Planungsstand am 16. Februar ein Medientag stattfinden, wo es konkret um die Funktion der Anlage in Bezug auf die Seeverladung von Material für Quadriga geht.“ Die „Nordwest-Zeitung“ in Oldenburg hat mit Berufung auf einen „Sprecher des Media Information Centers Quadriga 2024“ berichtet, von Emden aus werde im Februar eine dreistellige Zahl an Gefechtsfahrzeugen der Bundeswehr und eine vierstellige Zahl deutscher Soldaten nach Norwegen verschifft. Der Hafen in Emden werde für die erste multinationale Teilübung in Norwegen von 5. bis 14. März zur „Drehscheibe“ für Truppenverlegungen.

Ähnliche Artikel