Sturm, Starkregen, grauer Himmel  Was zieht Wohnmobilisten im Winter ins Rheiderland?

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 02.02.2024 09:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sandra und Peter Peil schätzen die Lage des Wohnmobilstellplatzes direkt hinterm Deich in Ditzum. Foto: Gettkowski
Sandra und Peter Peil schätzen die Lage des Wohnmobilstellplatzes direkt hinterm Deich in Ditzum. Foto: Gettkowski
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Auf viele Urlauber – insbesondere Wohnmobilisten – übt das Rheiderland im Winter einen besonderen Reiz aus. Aber warum ziehen Touristen grauen Himmel, Sturm und Regen einem Urlaub im warmen Süden vor?

Rheiderland - Der Südwest-Wind frischt immer mehr auf. Die 7,5 Grad fühlen sich deutlich kühler an. Für diesen ungemütlich-grauen Wintertag im Rheiderland ist der Wohnmobilplatz direkt hinterm Deich in Ditzum erstaunlich gut besucht. Mehr als ein Dutzend Caravans stehen dort. Was wollen die Leute bloß bei diesem Wetter hier? Sie könnten doch auch nach Spanien fahren und bei Temperaturen über 20 Grad Sommerfeeling genießen. Aber nein, es soll Ditzum sein. Warum?

Peter Peil muss da nicht lange überlegen. „Wegen der frischen Luft und der Ruhe“, sagt der Wohnmobilist aus Diez in Rheinland-Pfalz, der mit seiner Frau Sandra schon zum dritten Mal im Winter ein paar Tage in Ditzum verbringt. Dabei haben der Pensionär und seine Frau schon einiges von der Welt gesehen. „Wir haben viele Fernreisen und Kreuzfahrten gemacht“, erzählt Sandra Peil. Als ihr Mann pensioniert wurde, schafften die beiden sich ein Wohnmobil an. In den vier Jahren haben die Peils damit schon einige Kilometer abgerissen. Spanien, Kroation und Dänemark waren nur einige Ziele. Früher seien sie gar nicht so begeistert vom Urlaub an der Küste gewesen – bis sie Ditzum für sich entdeckten.

Das Ehepaar hat schon viel von der Welt gesehen. Foto: Gettkowski
Das Ehepaar hat schon viel von der Welt gesehen. Foto: Gettkowski

Region punktet mit Idylle und Sauberkeit

Sauber, ländlich und idyllisch sei es hier. „In einem Lokal hier haben wir sogar Nachschlag bekommen. So eine Gastfreundschaft haben wir noch nirgendwo anders erlebt“, schwärmt Sandra Peil. „Hier stimmt einfach alles: Der Platz mit seinen schönen Parzellen ist perfekt, der Ort ist nicht so überfüllt, das Fahrradfahren in der flachen Landschaft macht Spaß.“ Auch bei Sturm, Starkregen und grauem Himmel? Klar, ist sich das Ehepaar einig. „Einmal waren wir hier, da stürmte es so stark, dass das ganze Wohnmobil wackelte“, erzählt Sandra Peil. Schlechtes Wetter spiele keine Rolle, sagt ihr Mann. Er genießt es, sich beim Gassigehen mit Familienhund Buddy den Wind um die Nase wehen zu lassen – und ist damit kein Einzelfall.

Peter und Sandra Peil waren mit ihrem Hund Buddy schon dreimal in Ditzum – immer im Winter. Foto: Gettkowski
Peter und Sandra Peil waren mit ihrem Hund Buddy schon dreimal in Ditzum – immer im Winter. Foto: Gettkowski

Für viele Urlauber – insbesondere Wohnmobilisten – übt das Rheiderland im Winter einen besonderen Reiz aus. Das Fischerdorf Ditzum ist ein Hotspot auch in der kalten Jahreszeit. Während es in den Sommermonaten in den Lokalen nur so brummt, machen viele Gastronomen im Winter Betriebsferien. Peter und Sandra Peil finden das nicht schlimm. „Da muss man sich vorher erkundigen, wo geöffnet ist oder zur Not auch mal selber was kochen.“ Eine Woche verbringen sie in der Regel in Ditzum. „Bislang haben wir jedes Mal verlängert.“

Gäste schätzen Ruhe und Erholung

Annegret Bommelmann, Vorsitzende des Verkehrsvereins Ems-Dollard, beobachtet den Trend zum Winterurlaub insbesondere in Ditzum schon seit einiger Zeit. Die meisten Wintergäste zählten zu der Zielgruppe 60plus. „Das sind Leute, die nicht mehr von den Ferienzeiten abhängig sind und bei uns einfach Ruhe und Erholung suchen“, sagt die Ditzumerin, die lange Zeit selbst Ferienunterkünfte vermietet hat. Laut einer Gästebefragung der Touristik GmbH Südliches Ostfriesland kommen die meisten Urlauber aus Nordrhein-Westfalen (58,6 Prozent), gefolgt von Gästen aus Niedersachsen (12,2 Prozent). „Die Leute wollen Fahrradfahren, von der Bohrinsel Dyksterhusen aufs Wasser gucken und den Wind in die Nase halten.“ Und auch Menschen, die dem Karnevalstrubel in ihrer Heimat entfliehen, hätten Ditzum als Zufluchtsort entdeckt.

Die Bohrinsel Dyksterhusen ist nicht nur im Sommer ein touristischer Hotspot. Viele Wohnmobilisten kommen auch im Herbst und Winter hierher, um den Blick aufs Wasser zu genießen, während der Sturm ums Fahrzeug weht. Archivfoto: Gettkowski
Die Bohrinsel Dyksterhusen ist nicht nur im Sommer ein touristischer Hotspot. Viele Wohnmobilisten kommen auch im Herbst und Winter hierher, um den Blick aufs Wasser zu genießen, während der Sturm ums Fahrzeug weht. Archivfoto: Gettkowski

Eine Entwicklung, die Kurt Radtke, Geschäftsführer der Touristik GmbH Ostfriesland, bestätigt. 15 Prozent der Buchungen entfielen auf Wohnmobilisten. „Die Vorbuchungszahlen liegen bereits über denen des Vorjahres“, berichtet er. Auch Radtke beobachtet einen Trend zum Winterurlaub im Rheiderland. „Weihnachtszeit und Jahreswechsel und Karnevalszeit werden immer beliebter.“ Das sei vielleicht kein Riesen-Boom, „aber auf kleinem Niveau steigen die Urlauberzahlen in dieser Zeit immer mehr“. Profitieren würde davon auch der Handel und die Gastronomie. „Grundsätzlich können sich Wohnmobilfahrer zwar selbst versorgen – aber ein Vier-Gänge-Menü zaubert sich ja keiner im Wohnmobil.“

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