Jerusalem Lösung im Nahost-Krieg? Rechte Israelis fordern Wiederbesiedlung Gazas
Rechte Israelis haben auf einer Kundgebung zu Tausenden die israelische Wiederbesiedlung des Gazastreifens gefordert. Unter ihnen sind auch einige Minister der Regierungspartei Jerusalems. So argumentieren sie für ihre Lösung des Nahost-Konflikts.
Tausende Israelis haben sich auf einer Kundgebung in einem Konferenzzentrum in Jerusalem für eine israelische Wiederbesiedlung des Gazastreifens ausgesprochen. Nur so könne die Sicherheit für die Menschen in Israel gewährleistet werden. Laut Medienberichten waren bei der sogenannten „Konferenz des Sieges“ am Sonntag auch Mitglieder der rechten Regierungspartei Likud von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie einige rechtsradikale Minister anwesend.
Wie die „Times of Israel“ berichtete, forderte Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir zudem, die „freiwillige Auswanderung“ der Palästinenser aus dem Gazastreifen zu fördern. „Wenn wir keinen weiteren 7. Oktober wollen, müssen wir das Gebiet kontrollieren“, verweist Ben-Gvir auf den Großangriff der radikalislamischen Hamas vor fast vier Monaten. Außerhalb des Raumes wurden T-Shirts mit dem Slogan „Gaza ist Teil von Israel“ verkauft. Ein Spruchband von Zuschauern trug die Aufschrift „Nur ein Transfer wird Frieden bringen“.
Seit dem Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober und der darauf folgenden Großoffensive des israelischen Militärs mussten nach UN-Angaben nahezu zwei Millionen Palästinenser aus ihren Heimatstädten fliehen. Das entspricht etwa 85 Prozent der Gesamtbevölkerung von Gaza. Nachfolgende Grafik veranschaulicht die Anzahl der Binnenflüchtlinge in Gaza durch israelische Militäroffensiven:
Das palästinensische Außenministerium in Ramallah nannte die Kundgebung in einer Mitteilung ein „Treffen kolonialistischer Terrororganisationen“ und kritisierte auf X die vertretenen Inhalte. Das Treffen würde erneut das wahre Gesicht der israelischen Regierungskoalition enthüllen. In der Verantwortung sieht er Netanjahus Regierung.
Auch der israelische Oppostionsführer Jair Lapid äußerte sich am Sonntagabend zur „Konferenz des Sieges“ auf X: „Die schädlichste Regierung in der Geschichte des Landes hat heute Abend einen neuen Tiefpunkt erreicht.“ Dieses Treffen sei eine Schande für Netanjahu und seine ehemals mittig ausgerichtete Partei, die „heute hilflos von Radikalen mitgeschleift wird“.
Unter Berufung auf einen Vertrauten des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu berichtete die Nachrichtenseite ynet, dass auch dieser die Konferenz für „schädlich“ halte. Eine Wiederbesiedlung des Gazastreifen durch Israelis nannte Netanjahu kürzlich „kein realistisches Ziel“, er lehnte allerdings auch einen eigenständigen Palästinenserstaat ab.