Osnabrück Photovoltaik im Vergleich: So schneidet Niedersachsen bei Solaranlagen ab
Niedersachsen war 2023 Spitzenreiter beim Ausbau der Solarenergie, zumindest im Norden. Wir enthüllen, wo die meisten Anlagen stehen – und welche Ecken des Landes bei der Photovoltaik immer stärker zurückfallen.
Erneuerbare Energien erreichen in Deutschland einen stetig wachsenden Anteil an der Energieerzeugung. Rund 62 Milliarden Kilowattstunden gingen im abgelaufenen Jahr auf Sonnenkraft zurück. Laut dem Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) lag der Anteil im Strommix bei zwölf Prozent – ein neuer Rekord.
An den Küsten ist es aber windiger, im Süden dafür meist sonniger. Entsprechend ungleich sind die Photovoltaikanlagen verteilt. Die Bundesnetzagentur hat für 2023 offizielle Zahlen für den Solar-Ausbau veröffentlicht. Nordrhein-Westfalen führt die Liste mit rund 210.500 Anlagen deutlich an. Mehr als jede fünfte Anlage in Deutschland steht dort.
Das sonnenverwöhnte Bayern folgt auf Platz Zwei mit 182.680 PV-Systemen. Niedersachsen (gut 134.000) und Baden Württemberg (gut 145.000) stritten sich lange um Platz Drei, mit dem besseren Ende für die Schwaben. Unter den norddeutschen Bundesländern ist Niedersachsen aber die Nummer Eins. Dahinter fallen die Werte ab, Hessen folgt mit 65.605 Anlagen. Am wenigsten PV-Systeme stehen in Deutschlands flächenmäßig kleinstem Bundesland Bremen: Hier sind es nur 2785.
Unterm Strich ist die zugebaute Anzahl aber ein Erfolg. Das IWR-Institut der Regenerativen Energiewirtschaft meldete für 2022 nur 390.000 neue Anlagen. Im vergangenen Jahr waren es mehr als eine Million. Wie bei Windkraftanlagen ist die schiere Anzahl aber nicht das entscheidende Kriterium, sondern die erzielbare Leistung. 2023 kamen 14,28 Gigawatt hinzu, insgesamt bringen es alle Anlagen nunmehr auf 81,70 Gigawatt.
Die Statistik erfasst alle möglichen Konzepte: Vom kleinen Balkonkraftwerk eines Mieters bis zur großflächigen Anlage auf dem Lagerhallendach. „Kleinvieh macht auch Mist“ gilt bei der Solarenergie allemal. Auf die Leistung bezogen liegt Bayern bei der Jahresbilanz 2023 klar vorn: Bis zu 3644 Megawatt (MW) speisen die Anlagen im Freistaat ins Netz ein.
Nordrhein-Westfalen (2134 MW) und Baden-Württemberg (1892 MW) folgen, auch Niedersachsen fährt mit 1401 MW einen vierstelligen Wert ein. Dahinter wird es dreistellig: Brandenburg (964 MW) und Rheinland-Pfalz (946 MW) erreichen noch eine starke Leistung, dann wird es dünner. Schlusslicht ist wieder Bremen mit 30 Megawatt. So richtig fair ist der Vergleich aber eigentlich nicht. Im Schnitt verzeichnet Bremen 1579 Sonnenstunden im Jahr, in Bayern sind es 1746 – von der Flächendifferenz ganz zu schweigen.
Besonders auffällig im Vergleich der Bundesländer ist Brandenburg. Das fünftgrößte Land im Bund baut vor allem riesige Solarparks im ländlichen Raum, unter anderem auf einem ehemaligen Flugplatz. Knapp zwei Drittel der Solarsysteme wurden in Brandenburg auf freier Fläche errichtet, nur ein Drittel auf Gebäuden. Im Kreis Barnim steht Deutschlands größter Solarpark, der 130.000 Haushalte pro Jahr mit Strom versorgt. Bis 2030 will man in Potsdam die installierte Leistung auf 18 Gigawatt verdreifachen. Das wäre ein enormer Prozentsatz an der landesweiten Gesamtproduktion.
„Für 2024 erwarten wir einen anhaltenden Solarboom“, sagte BSW-Geschäftsführer Carsten Körnig der „Tagesschau“. Grund seien weiter steigende Strompreise und hohe Förderbeiträge. Um die Wachstumsziele der Bundesregierung nicht zu gefährden, müssten aber noch weitere Maßnahmen zur Verfahrensbeschleunigung auf den Weg gebracht werden, um die Strom- und Wärmenetze schneller ausbauen zu können.